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SENDETERMIN Do, 12.6.2014 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Bakterien Unsichtbare Flirthelfer

Manchmal ist es offensichtlich, warum zwei Menschen sich beim ersten Date anziehend finden. Ein kurzer Rock bei IHR, ein T-Shirt, das SEINEN muskulösen Oberkörper betont. Doch es gibt auch unsichtbare Helfer, die zwei Menschen auf die Sprünge helfen.

Bakterien sind Geschmackssache

Ein Pärchen, das sich bei seinem ersten Date in einem Tanzkeller trifft: Bevor die beiden das Tanzbein schwingen, genehmigen sie sich erst einmal einen edlen Tropfen.

Ein Pärchen lacht

Der erste Schluck Wein schmeckt schon passabel. Doch der Abgang, 20 bis 30 Sekunden später, kommt so richtig gut an. Und den verdanken sie unsichtbaren Helfern: den Bakterien der Mundflora. Sie zersetzen die Schwefelverbindungen im Wein und machen sie flüchtig. Erst dadurch werden die Aromen für die Zunge überhaupt schmeckbar.

Ich kann Dich gut riechen

So ein köstlicher Wein macht natürlich Laune. Für unser Pärchen gibt es kein Halten mehr - die beiden müssen auf die Tanzfläche. Und so dauert es nicht lange, und der Schweiß rinnt. Ihm und ihr steigt nun ein ganz besonderer Geruch in die Nase - und der macht ganz schön an! Auch dafür sind Bakterien verantwortlich, denn unsere Haut ist von Bakterien dicht besiedelt. Und das ist gut so. Denn die meisten von ihnen gehören zu den "Guten" und schaden uns nicht. Im Gegenteil: Ohne sie würden sich die "Bösen" schnell ausbreiten und Schaden anrichten.

Jeder Mensch hat seine ganz eigene, spezielle Zusammensetzung von Bakterien auf der Haut, die auch unseren Schweiß zersetzen. Je nachdem, welche Bakterienkombination am Werk ist, entsteht ein ganz typischer Geruch - ähnlich wie beim Wein das Aroma. Und dieses typische Aroma kann dann auf den einen mehr und auf den anderen weniger anziehend wirken!

Liebe geht durch den Magen

Bei der ganzen Bewegung bekommen die beiden Hunger. Und wieder: Was wären wir ohne unsere kleinen Helfer? Dieses Mal im Darm. Dort tummeln sich bis zu 100 Billionen von ihnen. Es sind nicht alles die gleichen Bakterien, sondern bis zu 1.000 verschiedene Arten. Sie knacken unsere Nahrung auf, so dass wir sie viel besser verwerten können. Ohne die Bakterien kämen wir an viele Vitamine und Nährstoffe gar nicht ran. Und: Die Bakterien regen an, dass in der Darmschleimhaut Blutgefäße gebildet werden. Nur durch Blutgefäße können die Nährstoffe überhaupt aus dem Darm abtransportiert werden!

Jeder Mensch hat eine ganz eigene Bakterienzusammensetzung im Darm, seinen eigenen "Zoo". Der hat entscheidenden Einfluss darauf, was man verträgt - und in welchen Mengen. Denn ob man dazu neigt, schnell Fett anzusetzen oder nicht, hängt vermutlich auch mit der Darmflora zusammen. Ein Versuch mit Mäusen hat das jedenfalls gezeigt. In dem Experiment nahmen Mäuse mit ungünstiger Darmflora zu, obwohl sie weniger zu fressen bekamen als ihre Kolleginnen. Irgendwie ungerecht!

Ein Immuntraining der besonderen Art

Unserem Pärchen hat es geschmeckt, Fettpolster hin oder her. Und weil Liebe bekanntlich durch den Magen geht, geht es bei den beiden nun ans Eingemachte: Sie küssen sich wild. So eine Küsserei ist im Prinzip nichts anderes als eine kleine Schluckimpfung. Ein Keimaustausch, den man mit einem Immuntraining, vergleichen kann - und nur in den wenigsten Fällen geht etwas schief. Das liegt unter anderem an den Bakterien im Darm, die neben der Verdauung auch für die "Sicherheit" zuständig sind. Sie können zwischen "gut" und "böse" unterscheiden. Und wenn es ein unerwünschter Eindringling bis in den Körper schaffen sollte - dann geben Sie Bescheid. Sie informieren die "Körperpolizei", die den Eindringling in Handschellen legt und unschädlich macht.

Der Mensch wäre ohne seine Keime gar nicht lebensfähig. Zusammen mit ihnen bildet er eine Art Superorganismus! Deshalb sind wir auch bei einem Candlelight-Dinner zu zweit nie ganz allein - sondern in milliardenfacher Begleitung!!