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SENDETERMIN Do, 26.6.2014 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Baden-Württemberg & Rheinland-Pfalz Unser Wald im Klimawandel

Die Klimaerwärmung ist im Forst angekommen. Das fordert vor allem die Waldbauern: Sie müssen ihren Bestand umbauen, um ihn fit zu machen für das Klima der Zukunft - von dem aber niemand weiß, wie es sein wird.

Es ist wärmer geworden im Südwesten, und es wird noch wärmer: Bis Ende des Jahrhunderts soll die durchschnittliche Jahrestemperatur um zwei bis sechs Grad steigen, so die Prognose des Helmholtz-Zentrums für Material- und Küstenforschung. Wie sich das auf die Natur auswirkt, erforscht derzeit die Wissenschaft. Fest steht: Die höheren Temperaturen beeinflussen auch das Waldwachstum. Nur wie, das ist die noch offene Frage - und eine große Herausforderung für Waldbauern. Denn die müssen für Generationen im Voraus planen. Was sie heute pflanzen, ist mitunter erst in 100 bis 120 Jahren hiebreif. 120 Jahre: Dann könnte im Schwarzwald mediterranes Klima herrschen. Könnte - denn bislang kennt eben niemand die Wachstumsbedingungen für den Wald der Zukunft.

Hitze und Trockenheit stressen Bäume

Die Sommer werden heißer und trockner, die Winter milder und feuchter, mit mehr Regen als Schnee, sagen die Experten vom Süddeutschen Klimabüro, einer Einrichtung der Helmholtz-Gemeinschaft. Auch wird es wohl weniger Frost- und Eistage geben. Fehlt die bittere Kälte, vermehren Schädlinge sich besser - eine zusätzliche Gefahr für die dann ohnehin von Hitze und Dürre gestressten Bäume. Dieser Ausblick skizziert aber lediglich einen Trend und ist keine Grundlage für zuverlässige Pflanzempfehlungen. Sicher ist, dass es mit steigender Temperatur für einige Baumarten schwierig wird: "In bestimmten Gegenden ist der Anbau der weitverbreiteten Fichte schon jetzt problematisch“, sagt Professor Konstantin von Teuffel, Direktor der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg. Die Fichte ist an Kälte angepasst. Aber stattdessen nun vor allem wärmeliebende Bäume aus dem Süden zu pflanzen, sei auch nicht ratsam, urteilt von Teuffel. Denn trotz steigender Temperaturen wird es nach wie vor auch frostig.

Kein klimarobuster Superbaum in Sicht

Irgendwann werden Wissenschaftler wissen, wie die Wachstumsbedingungen für die Bäume der Zukunft sind - erst dann lässt sich sagen, welche Baumarten auch die nächsten 100 Jahre überleben. Lohnt es sich, darauf zu warten? Oder sollten Waldbauern schon jetzt auf der Basis von Prognosen handeln, um sich schneller anzupassen und spätere Negativfolgen zu begrenzen? Auf den Superbaum der Zukunft, der von trocken bis feucht und heiß und kalt alles abdeckt und dem Klimawandel auch noch in 100 Jahren standhaft trotzt, werden sie jedenfalls vergebens warten. "Diesen Superbaum der Zukunft gibt es nicht", sagt von Teuffel. Was bleibt also einem Waldbauern, wenn er weiß: Winter werden lau, Sommer heißer und Bäume gestresst von Hitze, Dürre und Schädlingen?

Mischwald für den Klimawandel

Mit Vielfalt in die Zukunft: weg von der Monokultur, hin zum Mischwald. Wenn die eine Baumart dem künftigen Klima nicht gewachsen ist, dann vielleicht die andere. Der eine oder andere gut durchmischte Wald hat immerhin schon den sauren Regen und Stürme wie Lothar überstanden. Allerdings: Die Klimaerwärmung ist etwas anderes. Sie ist ein über lange Zeit dauernder Wandel. Wie und ob dieser überhaupt irgendwann einmal endet, ist ungewiss. Auch das trübt den Ausblick für Waldbauern, die schon jetzt auf die Erwärmung reagieren wollen. Ihnen bleibt nur, ihren Wald weiter umzubauen für das Klima der Zukunft - von dem aber niemand weiß, wie es sein wird.