Bitte warten...

Sendung vom 09. Oktober 2012 Neue Biogasanlage von der Stange

Gülle statt Energiepflanzen

6:24 min | Di, 9.10.2012 | 18:15 Uhr | natürlich! | SWR Fernsehen RP

Mehr Info

Gülle statt Energiepflanzen

SWR

Keine Frage - Biogas ist ein wichtiger Baustein für die erfolgreiche Umsetzung der Energiewende. Bislang wurden Biogasanlagen häufig von extra angebauten Energiepflanzen gefüttert. Das soll sich mit Hilfe der EEG-Novelle aus diesem Jahr ändern: Gefordert werden mehr Mini-Biogasanlage, die Gülle in Strom verwandeln - und solche Anlagen gibt es jetzt auch von der Stange.

Rinder im Stall

Rinder sind die Energielieferanten für Biogasanlagen.

Bauer Stefan Bleser aus Brachtendorf in der Eifel baut auf 170 Hektar Getreide, Mais und Raps an – und er hat 270 Kühe. Solarkollektoren auf dem Kuhstall liefern bereits Sonnenstrom und bald wird er auch aus der Gülle seiner Kühe Strom und Wärme produzieren. Mit Hilfe einer schlüsselfertigen Biogas-Anlage aus Bayern.

Güll-E-Werk heißt der Zauberkasten, der zu 80 Prozent Gülle verwerten kann. Gebaut wird die standardisierte Biogasanlage von der Firma agriKomp. Der Vorteil solcher fertigen Anlagen liegt auf der Hand: der Landwirt muss kein technischer Experte sein, um seine Anlage zu betreiben – er kann sich ganz auf seine Tiere konzentrieren das Güll-E-Werk in Ruhe arbeiten lassen. Die Anlage bei Landwirt Stefan Bleser ist die erste ihrer Art in Rheinland-Pfalz. Geliefert wurde sie in zwei riesigen Containern – komplett vormontiert.

geöffnete Biogasanlage

Biogasanlage.

Im fränkischen Merkendorf baut agriKomp bereits seit 15 Jahren Biogasanlagen – in allen Größen. Das mobile Güll-E-Werk könnte der Anfang eine ganz neuen Booms in der Entwicklung von Kleinanlagen sein. Denn durch die Änderung im EEG in diesem Jahr werden kleine Biogasanlagen besonders gefördert – vor allem dann, wenn sie vorwiegend Gülle verarbeiten. Denn je mehr Gülle eine solche Biogasanlage verwertet, desto weniger Energiepflanzen müssen für die Erzeugung von Strom angepflanzt werden. Außerdem wird ganz nebenbei eine Menge klimaschädliches Methangas gebunden.

Vom fränkischen Merkendorf aus können alle Anlagen in Europa fernüberwacht werden. Außerdem wird hier fieberhaft an einem Verbundsystem gearbeitet, das viele kleine dezentrale Anlagen miteinander vernetzt, um so Strom je nach Bedarf ins Netz zu liefern. Das wird in Zukunft immer wichtiger, denn schon jetzt gibt es bei Sonnenschein und Wind bereits häufig einen Überschuss an Ökostrom. Doch das ist noch Zukunftsmusik.

Das Innere einer Biogasanlage

eine Biogasanlage von innen.

Das Güll-E-Werk von Bauer Stefan Bleser mit einer Leistung von 75 Kilowatt soll rund um die Uhr laufen und Strom für 150 Haushalte liefern. 95 Prozent Abfallstoffe wird die Anlage konsumieren – das sind täglich 12 Tonnen Gülle, Mist und Futterreste. Dazu noch etwas Mais. Und irgendwann will Stefan Bleser ganz ohne Energiepflanzen auskommen. Jetzt freut er sich erst mal, das er aus seinem Mist endlich Gold machen kann.