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SENDETERMIN Do, 4.7.2013 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Künstliche Tropenlandschaften Ferienparks: Ökourlaub oder Klimasünder?

Ökologisch gesehen haben Ferienparks einen schlechten Ruf. Das ganze Jahr über tropische Temperaturen unter der Glaskuppel lassen einen gigantischen Energieaufwand befürchten. SWR-Odysso hat die Klimabilanz eines Ferienpark-Urlaubs berechnet.

Beim Reisen sind die Deutschen Weltspitze, dicht gefolgt von Amerikanern und Briten. Auch wenn Reisen unbestreitbar Spaß macht und den Horizont erweitert: Aus ökologischer Sicht ist das exzessive Reiseverhalten in den westlichen Industriestaaten ein echtes Problem.

Mann sitzt am einem Laptop und einem PC und zwei Bildschirmen

Vergleich: Martin Schmied vom Berliner Ökoinstitut untersucht die Öko-Bilanzen von verschiedenen Urlaubs-Domizilen.

Die Liste der touristischen Umweltsünden ist lang und reicht von Zersiedelung der Küsten über hohen Wasserverbrauch, Verschmutzung durch Müll und Abwässer bis hin zur Abholzung von Küstenwäldern. Noch schwerer als die regionalen Auswirkungen des Tourismus wiegen aber die weltweiten Folgen. Allein der Tourismus ist nach Angaben des World Wide Fund For Nature (WWF) Deutschland für fünf Prozent des Treibhauseffekts verantwortlich. Aber welche Art des Reisens schädigt das Klima am meisten?

An- und Abreise sind entscheidend für die Klimabilanz

Im Auftrag des WWF Deutschland hat das Berliner Öko-Institut den sogenannten Klimafußabdruck von verschiedenen, für die Deutschen typischen Urlaubsreisen berechnet. Dabei wurden sämtliche Emissionen durch An- und Abreise, Unterkunft, Verpflegung und Aktivitäten vor Ort in CO2 umgerechnet. Bei Weitem die größten Auswirkungen auf die Klimabilanz eines Urlaubs haben An- und Abreise, also die Entfernung zum Urlaubsort und die Wahl des Verkehrsmittels. Wer mit dem Flugzeug nach Mallorca reist, verursacht allein dadurch schon Emissionen von 925 Kilogramm CO2 pro Person. Bei einem Flug nach Mexiko sind es bereits 6.361 Kilogramm. Eine Autoreise von Düsseldorf nach Rügen bringt es dagegen nur auf vergleichsweise bescheidene 80 Kilogramm pro Person. Nur drei Prozent aller Urlaubsreisen sind Fernreisen mit dem Flugzeug, sie verursachen aber 17 Prozent der klimaschädlichen Emissionen des Tourismus.

Urlaub im Ferienpark: ökologisch besser als sein Ruf

Wie sieht aber im Vergleich dazu der sogenannte Klimafußabdruck von einem Ferienpark aus? Wir beauftragen das Berliner Öko-Institut, die Klimabilanz eines Ferienparks der Kette Center Parcs zu berechnen. Als Richtwert dienen dabei Durchschnittswerte für einen deutschen Ferienpark dieser Kette. Bei einem fünftägigen Urlaub ergibt sich so ein Fußabdruck von etwa 18 Kilogramm CO2 pro Tag und Person.

Riesige Halle mit Schwimmbecken und tropische Vegatation und Badegästen

Die Klimabilanz eines Ferienpark-Urlaubs: vergleichbar mit einer Reise an die Ostsee.

Damit liegt der Klimafußabdruck eines Ferienparks nur ganz knapp über dem des Rügenurlaubs mit 16 Kilogramm CO2. Eine Mallorcareise bringt es dagegen auf 87 Kilogramm pro Tag und Person - und ein Trip nach Mexiko auf stolze 515 Kilogramm! Ein Urlaub im Ferienpark steht also, was die Klimabilanz angeht, fast so günstig da wie eine Reise an die Ostsee. Der ausschlaggebende Faktor dabei ist die An- und Abreise. Sie ist ähnlich kurz wie bei einer Fahrt nach Rügen - und geschieht in der Regel nicht mit dem Flugzeug, sondern mit dem Auto.

Ökourlaub mit Zukunftspotenzial

Vier verschiedene Öko-Füßabdrücke von der Insel Rügen, Ferienpark, Mallorca und Mexico, wovon die beiden linken sehr klein sind, der recht übermäßgi groß-

Eindeutiges Ergebnis: Fernreisen verursachen hohe CO2-Emissionen.

Ferienparks sind zumindest unter ökologischen Gesichtspunkten erheblich besser als ihr Ruf. Allerdings ist ein Urlaub im Ferienpark in der Regel ein Kurztrip, der nicht länger als vier bis fünf Tage dauert. Meist wird der also nicht statt des Mittelmeerurlaubs gemacht, sondern kommt noch obendrauf. Vorstellbar ist aber, dass ein Urlaub im Ferienpark irgendwann eine echte Alternative zu einer Ferienreise wird. Zumindest aus Sicht des Klimas wäre das keine schlechte Alternative.