Bitte warten...

SENDETERMIN Do, 19.3.2015 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Lebensmittelsicherheit Trink Wasser!

Weil es das das bestgeprüfte Lebensmittel in Deutschland ist - oder? Was genau ist das eigentlich, Trinkwasser? Woher kommt es und ist es wirklich so sauber, wie man sagt?

Eine Frau trinkt Wasser

Die Rohwasserquellen für unser Trinkwasser

70 Prozent des Trinkwassers werden in Deutschland durchschnittlich aus dem Grundwasser gewonnen und nur 30 Prozent aus Oberflächengewässern wie Seen, Talsperren oder Flüssen. Das Verhältnis ist je nach Region und Wasserangebot sehr unterschiedlich. Im Südwesten spielt der Bodensee eine große Rolle als Rohwasserlieferant, während im Westen der Republik häufig Flüsse wie Rhein oder Ruhr, als Quelle herangezogen werden. Solches Oberflächenwasser muss meist umfangreicher aufbereitet werden, da es den Schadstoffeinflüssen ungeschützt ausgesetzt ist. Dazu zählen die Niederschläge, die Verunreinigungen aus Luftverschmutzungen enthalten können genauso, wie Abwässer und Schadstoffbelastungen durch Verkehr, Landwirtschaft und Industrie.

Grundwasser

All diese Schadstoffquellen gefährden grundsätzlich auch das Grundwasser. Allerdings werden viele Stoffe bei ihrer Wanderung durch die Erdschichten herausgefiltert. Sind die wasserundurchlässigen Schichten sehr tief gelegen, muss das Wasser einen langen Weg nach unten zurücklegen, bis es sich zu einem Wasserreservoir anstaut. Zum Beispiel die schwäbische Alb galt deshalb lange Zeit als sehr trockene Region, weil das Oberflächenwasser sich nicht im wasserlöslichen Untergrund zum Grundwasserreservoir aufstauen kann. Das Wasser strömt im Untergrund übrigens wie an der Oberfläche auch in horizontaler Richtung, entlang des natürlichen Gefälles der Erdschichten. Bis das im Untergrund versickerte Wasser wieder die Oberfläche erreicht, können wenige Tage bis Jahrzehnte vergehen. Entscheidend für die Grundwasserbildung sind ausreichend unversiegelte Oberflächen, damit der Boden den Regen wie ein Schwamm aufnehmen kann.

Vom Rohwasser zum Trinkwasser

Jede Gemeinde hat ihr eigenes Trinkwasseraufbereitungskonzept, weil sie auf unterschiedliche Rohwasserquellen zurückgreifen. Zum Beispiel kann eine große Aktivkohlefilteranlage erforderlich werden, wenn Chemikalien wie zum Beispiel Lösungsmittel im Rohwasser nachgewiesen werden. Das Bodenseewasser chlort man dagegen, weil es auf eine weite Reise durch - unter Umständen verunreinigte - Rohre geschickt wird. Beim Flusswasser macht man sich dagegen die natürlichen Reinigungsprozesse am Ufer zu Nutze. Man entnimmt das Wasser nicht direkt aus dem Fluss, sondern fängt das am Ufer versickerte Wasser erst nach seiner natürlichen Vorreinigung im Boden in einigen Metern Tiefe wieder auf. Danach wird es weiter aufbereitet. Chlor ist dabei ein häufig gewählter Zusatz zur Desinfektion. Auch die UV-Bestrahlung und Ozon-Behandlung kann wirksam gegen mikrobiologische Belastungen eingesetzt werden. Das Prinzip der Umkehrosmose arbeitet dagegen mit sehr feinen Membranen, durch die das Wasser mit hohem Druck gepresst wird. Solche Membrane lassen nur Wassermoleküle durch, so dass alles andere entfernt wird - auch die Salze.

Geprüfte Qualität nach der deutschen Trinkwasserverordnung

Bei all den unterschiedlichen Aufbereitungskonzepten ist letztlich wichtig, dass am Ende ein Trinkwasser entsteht, das überall in unserem Land einem einheitlichen Qualitätsstandard entspricht. In Deutschland gibt diesen Standard die Trinkwasserverordnung von 2001 vor, die immer wieder aktualisiert werden muss.
Sie legt die Parameter fest auf die jedes Trinkwasser untersucht werden muss. Je nach der Menge des Trinkwassers, die eine Gemeinde an die Bevölkerung abgibt, werden die Tests unterschiedlich häufig durchgeführt. Die Kontrollen erfolgen in Absprache mit den regionalen Gesundheitsämtern und dürfen nur von zertifizierten Unternehmen durchgeführt werden.
Auch wenn die deutsche Trinkwasserverordnung eine sehr umfangreiche Überprüfung des Trinkwassers nach den wesentlichen in Deutschland relevanten Gefahrenstoffen durchführt, ist die Liste der potentiell gefährlichen Stoffe laut WHO wesentlich umfangreicher. Zurzeit fordern Kritiker zum Beispiel dass man für die Kontrolle bakterieller Krankheitserreger das Raster der Trinkwasserverordnung verfeinert.

Wasserschutzgebiete ergänzen die Trinkwasserkontrollen

Da Trinkwasser nicht auf alle denkbaren Gefahrenstoffe hin untersucht werden kann, ist es entscheidend vor der Nutzung einer neuen Wasserquelle, die Umgebung nach den dort individuell möglichen Gefahren fürs Grundwasser zu untersuchen. Man weist deshalb ein Grundwasserschutzgebiet aus, das in drei Zonen unterteilt wird, die je nach Strömungsgeschwindigkeit und Richtung des Grundwassers, unterschiedlich groß sind. Alle Gefahren der Wasserverunreinigung müssen im Schutzgebiet ausgeschlossen werden oder die Quelle ist Tabu. Die Auflagen für Industrie und Gewerbe können immens sein. Aber auch die Landwirtschaft muss unter Umständen eingeschränkt oder auf ökologisches Wirtschaften umgestellt werden.
Trotzdem bleiben Restgefahren, die sich zurzeit noch nicht vermeiden lassen, wie zum Beispiel viele Medikamente, die nach ihrer Einnahme fast unverändert unseren Körper wieder verlassen und in Oberflächenwasser und Böden gelangen. Für solche Medikamenten-bedingte Verunreinigungen gibt es bislang noch nicht einmal Grenzwerte.

Die Bereitstellung von gutem Trinkwasser bleibt also auch in Deutschland trotz seinem beneidenswert hohen Wasservorkommen, eine Herausforderung.