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SENDETERMIN Do, 2.5.2013 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Tiefe Töne Lärm, den man nicht hört

Viele Wärmepumpen und Klimaanlagen geben Schall tiefer Frequenzen ab. Der kann Menschen sehr zusetzen. Beschallte klagen zum Beispiel über Kopfschmerzen, Ohrendruck und schlechten Schlaf. Sie fordern einen besseren Lärmschutz für Wohngebiete.

Eine Luftwärmepumpe, die brummt

Niemand denkt bei dem kleinen Ort südlich von Stuttgart an Lärm. Ruhig ist es hier, keine Autobahn oder Einflugschneise. Doch Elke H., die hier wohnt, hört ständig ein tiefes Brummen, vor allem nachts. Sie kann kaum noch schlafen, leidet unter dem Lärm: "Das äußert sich in Form von Schwindel, Übelkeit, Ohrendruck, Ohrenschmerzen, Kopfschmerzen und ständiger Müdigkeit."

Zwei Personen bei einer Lärmmessung in einer Wohnung

Jahrelang lebten Elke H. und ihre Familie ungestört. Dann kam das Brummen. Eine Quelle im eigenen Haus konnte sie nicht finden. Schließlich wurde ihr klar: Der nervende Lärm kommt vom Nachbarhaus. Dort wurde im Jahr 2009 eine Luftwärmepumpe eingebaut. Das Gerät mache zum einen ganz normalen Lärm, zum anderen aber auch tieffrequenten Schall, erklärt sie. Dieser übertrage sich und verursache Brummgeräusche in ihrem Haus.

Elke H. wendet sich an den Heizungsinstallateur Rainer Maria Schwickert. Er sagt: Richtig eingebaute und gut positionierte Luftwärmepumpen machen keinen störenden Lärm. Beim Aufstellen sei es wichtig, sich die Umgebung genau anzusehen. Aber auch wenn die geltenden Bestimmungen zum Lärmschutz eingehalten werden, können tieffrequente Geräusche von Wärmepumpen - insbesondere nachts -, zu erheblichen Beeinträchtigungen führen – sogar wenn das menschliche Ohr den tieffrequenten Schall kaum wahrnehmen kann.

Tieffrequenter Schall durch Autos

Im Alltag begegnet uns häufig Lärm, der durch tiefe Frequenzen entsteht. Gerade in Straßentunneln erzeugen LKW und Busse tiefe Töne. Die Tunnelwände wirken wie ein Resonanzboden und verstärken die Geräusche. Deshalb empfinden Menschen tieffrequenten Schall oft als besonders unangenehm.

Messungen in einem Soundlabor

Das weiß der Psychoakustiker Klaus Genuit von der Technischen Hochschule Aachen. Er kennt das Problem aus dem Automobilbau. Dort versuchen Firmen schon länger, tiefe Frequenzen zu vermeiden. Doch in Wohngebieten werde tieffrequenter Lärm noch immer unterschätzt, sagt Geniut. Hier entstünden tiefe Frequenzen immer häufiger durch Straßenverkehrslärm, der durch Schall in Gebäude geleitet wird. Außerdem gebe es mehr tiefe Frequenzen durch Lüftungs- und Klimaanlagen sowie neuerdings durch Luftwärme- und Erdwärmepumpen.

Forschung zu den Effekten tiefer Frequenzen fehlt

Ob und wie solche Töne krank machen, ist bisher kaum erforscht. Tieffrequenter Lärm verursache bei Menschen physiologische Reaktionen, die messbar seien, erklärt Psychoakustiker Geniut. Ob dadurch Gesundheitsschäden entstünden, sei bisher nicht belegt.

Betroffene wie Elke H. finden deshalb oftmals wenig Hilfe bei Behörden, die eigentlich für Lärmschutz zuständig sind. Diese kennen sich mit tieffrequentem Schall meistens nicht aus. Darum steht sie mit anderen Betroffenen in Kontakt. Sie setzen auf private Messungen und fordern eine Verschärfung der gesetzlichen Regelungen für Lärmbelastungen durch tieffrequenten Schall in Wohngebieten.