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SENDETERMIN Do, 9.10.2014 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Überflüssiger Zucker Süßen mit System

Viele Nahrungsmittel enthalten unnötig viel Zucker. Süßes verkauft sich einfach besser. Hersteller versuchen schon Kinder auf den Geschmack zu bringen, zum Beispiel mit überzuckerten Frühstücksflocken.

Bis zu einem Drittel Zucker in Frühstücksflocken

Bei Schokolade und Keksen ist der Fall klar: Das sind Süßigkeiten. In anderen Lebensmitteln erwartet man dagegen nicht unbedingt so viel Zucker. In Frühstücksflocken zum Beispiel. Sie werden als besonders wertvoll angepriesen und bestehen doch häufig zu einem Drittel aus Zucker. Ebenso ist es bei vielen Joghurts und Milchdrinks. Die bunten Verpackungen versprechen schmackhafte und gesunde Produkte. Tatsache ist aber oft: Sie sind süß bis zum Abwinken. Zucker ist fast überall. Sogar in einer Fertigpizza stecken im Normalfall mehrere Würfel Zucker.

Eine echte Pizza kommt ohne Zucker aus

Mehrere Würfel Zucker seien nicht viel für eine Fertigpizza, findet Dr. Susanne Langguth, Direktorin der Südzucker AG in Mannheim. Schließlich könne es auch sein, dass der Zucker über andere Zutaten in die Pizza gelangt, beispielsweise über die Tomatensoße. Doch echte Pizzabäcker verwenden überhaupt keinen Zucker, brauchen ihn weder für die Soße noch für den Teig. Nötig ist er also nicht, der Zucker in der Pizza - schon gar nicht mehrere Würfel davon. Doch die Hersteller wissen, dass sich süße Lebensmittel besser verkaufen lassen.

Die Lust auf Süßes ist angeboren

Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung in Potsdam hat eine eigene Abteilung, die sich mit dem Geschmacksempfinden des Menschen beschäftigt. Die Wissenschaftler dort bestätigen, was Eltern immer schon geahnt haben. Der Hang zum Süßen ist angeboren und er bleibt mehr oder weniger erhalten, sagt die Psychologin Dr. Kathrin Ohla. Egal, um welche Speise es geht, gesüßt schmeckt sie den meisten Menschen. Klingt simpel, doch im Detail ist es ein bisschen komplizierter. Denn bei Erwachsenen variiert der Punkt, ab dem sie süßen Geschmack wahrnehmen. Außerdem mag nicht jeder Mensch gleichermaßen Süßes. Sogar im Laufe des Lebens verändert sich das Geschmacksempfinden für Süße.

Zuckerwunsch wird in der Kindheit geprägt

Wer viele verschiedene Geschmacksrichtungen kennenlernt, wird diese später wahrscheinlich auch mögen, sagt Psychologin Ohla. Das heißt: Je vielfältiger ein Mensch geschmacklich geprägt wird, desto schwieriger lasse er sich später mit Fertiglebensmitteln zufriedenstellen. Das scheint auch den Lebensmittelherstellern bewusst zu sein. Vielleicht enthalten gerade Frühstücksflocken für Kinder deswegen besonders viel Zucker. Denn wer als Kind viele gesüßte Lebensmittel isst, wird als Erwachsener einen süßen Geschmack positiv empfinden und gern mögen.

Kinder brauchen nichts Süßes

Kleine Kinder lieben Süßes. Denn Süßes erinnert an Muttermilch. Die ist auch süß. Süß heißt: besonders nahrhaft, besonders lecker, besonders gut! Her damit! Doch auch wenn Kinder ganz wild drauf sind: Sie brauchen weder übersüßte Frühstücksflocken noch supersüße Milchdrinks. Stattdessen ist es wichtig, dass sie die ganze Vielfalt der Nahrung kennen lernen - um damit im wahrsten Sinn fürs Leben zu lernen.

aus der Sendung vom

Do, 9.10.2014 | 22:00 Uhr

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Donnerstags um 22.00 Uhr im SWR Fernsehen.