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SENDETERMIN Do, 13.3.2014 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Solarenergie Stromzwerge als Lösung?

Fast nirgendwo in Europa ist Strom so teuer wie in Deutschland. Warum also Strom nicht selbst produzieren, etwa mit Mini-Solarmodulen am Balkon, und direkt ins Hausnetz einspeisen. Wir haben getestet, ob die "Guerilla-Photovoltaik" tatsächlich funktioniert.

Stufe 1: Das Plugin-Modul

Das Paket ist etwa einen Meter breit und anderthalb Meter hoch.

Zwei Männer befestigen Solarpanels auf einem Dach.

Gewicht gut 25 Kilogramm. Inhalt: Ein Photovoltaikmodul zum selbst installieren. Kurz: Plugin-Modul. Ca. 200 Watt Maximalleistung. Kostenpunkt 500 Euro. Ich hab´s umsonst bekommen. Testweise! Für SWR-Odysso will ich herausfinden, ob ich auf meinem Balkon Strom produzieren kann. Das Solarmodul selbst wiegt etwa 12 Kilo, weitere 4 Kilo der Wechselrichter. Der macht aus dem Gleichstrom der Solarzellen 230 Volt Wechselspannung, denn ich will den Solarstrom in das Wohnungsnetz einspeisen.

Aufbau und Anschluss

Mein Balkon geht nach Südwesten raus. Ab 11 Uhr ist hier Sonne. Fast ideal. Besser wäre natürlich Süden. Dann könnte das Modul den ganzen Tag Strom erzeugen. Ich finde gleich mehrere Stellen, an denen das Modul gut passen würde, ohne allzu sehr zu stören. An der Wand oder an dem Balkongeländer. Ich entscheide mich für die Hauswand. Inklusive Wandhalter wiegt das Modul immerhin 25 Kilo. Die müssen gut befestigt werden. Schließlich muss das Modul ja auch Sturm und Unwetter überstehen, ohne auf den Hof oder die Straße zu stürzen. Für die nötigen Bohrungen brauche ich natürlich das Einverständnis meines Vermieters und ausreichendes handwerkliches Geschick. Der Anschluss selber ist kein Problem: Die Steckverbindungen sind eindeutig. Doch darf ich das Modul einfach so in die Steckdose stecken? Rein technisch ist das kein Problem. Wichtig ist allerdings, dass die benutzte Steckdose über eine eigene Sicherung verfügt. Wer das nicht weiß, sollte einen Elektriker hinzuziehen. Gut 10 Prozent meines Stromverbrauchs könnte ich so selbst erzeugen.

Ein rechtlicher Graubereich

Ist das alles wirklich so einfach? Ich frage bei meinem Netzbetreiber - den Stadtwerken Mainz nach, was von den Plugin-Modulen zu halten ist. Deren Pressesprecher Michael Theurer ist skeptisch: "Momentan ist es so, dass die entsprechenden Gremien sagen die Dinger sind nicht sicher und zum anderen wird gegen die Verordnung verstoßen. Das heißt momentan würden wir so was nicht erlauben." Bislang warnt nämlich der Verband der Elektrotechnik, kurz VDE vor möglichen Risiken. Die Hersteller dagegen drängen auf entsprechende Zulassungen, denn in der Schweiz oder Österreich sei der Anschluss kein Problem. Wenn ich also auf Nummer sicher gehen will, dann darf ich erst mal das Modul nicht an das Hausnetz anschließen.

Stufe 2: Die Photovoltaikanlage auf dem Balkon

Einer der Hersteller von Plugin-Modulen schlägt mir vor, gleich 750 bis 1000 Watt zu installieren.

Solarzellen auf dem Balkon

Drei Module passen ans Balkongeländer

Dann lohne sich der Mehraufwand für den ordentlichen Anschluss durch einen Elektriker und die entsprechende Anmeldung beim Netzbetreiber. Provisorisch rüsten wir meinen kleinen Balkon solarmäßig auf. Immerhin drei Module a 250 Watt passen an mein Balkongeländer. Im Ernstfall sollte man diese Arbeit von Fachleuten machen lassen. Denn bei einem Sturm werden Kräfte tätig, die man als Laie nicht abschätzen kann.

Selbst verbrauchen oder einspeisen

Theoretisch könnte die Balkonanlage meinen gesamten Strombedarf decken. Theoretisch, die Wahrheit ist etwas anders so Christoph Körner von der Infinitum Energie GmbH: "Der erste Schritt ist, dass man nach dem eigenen Stromverbrauch guckt und dann die Situation ansieht, ist man tagsüber zuhause oder nicht, weil der Strom wird ja tagsüber produziert und danach wählt man die Größe aus. Hier würden sie vielleicht die Hälfte ihres Stroms selber erzeugen." Voraus gesetzt, ich bin tagsüber häufig zuhause und verbrauche einen großen Teil meines Stroms tagsüber. Verbrauche ich den erzeugten Strom nicht selbst, dann wird der überschüssige Strom ins öffentliche Netz eingespeist. Entweder umsonst oder mit Einspeisevergütung. Michael Theurer von den Stadtwerken Mainz: "Sie müssen sich nur an die entsprechenden Vorgaben halten. Sie müssen auch die Wege einhalten. Sie müssen die Anlagen bei uns anmelden, wenn sie einspeisen wollen auch bei der Bundesnetzagentur. Das müssen sie machen und wenn dann jemand das ganze installiert, dann haben wir keine Einwände in der Regel, bei Kleinanlagen." Klingt komplizierter als es ist. Doch es stellt sich natürlich die Frage, ob ich nicht gleich eine richtige Photovoltaikanlagen auf das Dach stellen lasse.

Stufe 3: Die Photovoltaikanlage auf dem Dach des Stadthauses

Noch günstiger und sicherer ist die Installation einer Photovoltaikanlage auf dem Hausdach. Hier sind die Sonnenscheinbedingungen in der Regel besser als auf dem Balkon oder an der Hauswand. Größter Haken dabei: Es ist nicht mein Dach. Ich muss meinen Vermieter fragen. Oder vielleicht hat er ja auch Lust die Anlage selbst zu betreiben. Dann würde ich meinen Strom bei ihm kaufen. Installateur Albert Fink jedenfalls ist begeistert von der Idee: "Das heißt, wir würden hier auf dem Dach ca. 6000 kWh Strom erzeugen. Die Baukosten hatten wir ja auch mal kurz angeschnitten. Das waren 8000-9000 Euro, plusminus kommt noch Gerüst dazu, wo man sagen kann kostet der Strom etwa 10 Cent, wenn die Anlage fertig ist."

Fast die Hälfte des Hausstromes

Wir könnten bis zu fünfzig Prozent unseres Stroms selbst produzieren.

Vermieter Christian Bareis

Vermieter Christian Bareis

Konservativ gerechnet würde sich die Anlage nach zehn bis zwölf Jahren amortisieren. Vermieter Christian Bareis findet die Idee nicht so schlecht:"Ich denke mal die Kosten sind im Rahmen, wenn es dann fertig ist. Man müsste sich halt vorher überlegen, was macht man mit dem Strom wie kriegt man das mit den Mietern klar, wie kommt man da zurecht und dann mit neuen Mietern, die dann dazu kommen, ob das alles funktioniert. Es würde sich mal lohnen drüber nachzudenken."

Der wunde Punkt

Drüber nachdenken ist gut. Nachfragen ist besser. Denn es ist nicht ganz so einfach, Stromerzeuger zu sein und seinen Strom zu vermarkten. Schließlich unterliegt man dann ja den gleichen Regeln wie die großen Stromversorger, wie zum Beispiel die EnBW oder die RWE. Deswegen gehe ich zu der Transferstelle für Rationelle und Regenerative Energienutzung. Die müssten eigentlich Bescheid wissen, was praktikabel ist. Ingenieur Marc Meurer kennt eine Lösung: "Momentan ist das einzige Modell, das in der Wohnungswirtschaft wirklich funktioniert, dass der Vermieter mit den Mietern eine GBR gründet und dann über verschiedene Mietansätze die Stromgeschichte abrechnet."

Nicht einfach, aber machbar

Fazit: ich kann einen großen Teil meines Stroms selbst produzieren. Das ist nicht ganz so einfach, wie ich anfangs dachte. Doch wer seinen Geldbeutel schonen oder die Welt retten will, sollte vor ein bisschen Arbeit und Aufwand nicht zurück¬schrecken. Schließlich ist das Potenzial in der Stadt noch lange nicht ausgeschöpft.

aus der Sendung vom

Do, 13.3.2014 | 22:00 Uhr

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Donnerstags um 22.00 Uhr im SWR Fernsehen.