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SENDETERMIN Do, 9.4.2015 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Religion Sterben in den Weltreligionen

Der Umgang mit dem Tod ist in allen Religionen ein wichtiges Thema. Kein Wunder: schließlich ist die Konfrontation mit der eigenen Sterblichkeit eine der wichtigsten Triebfedern der Religiosität des Menschen.

Ein schwarzes Band ist um ein Kreuz aus Holz gewickelt.

Islam

Im Koran, dem heiligen Buch des Islam, steht, dass Allah den Zeitpunkt des Todes bestimmt. So ist für den gläubigen Muslim der Todestag eigentlich ein guter Tag. Schließlich folgt dem Tod nach einer als kurz empfundenen "Wartezeit" die Auferstehung und das Paradies. Märtyrer gelangen sofort dahin. Um ins Paradies zu gelangen sollte jeder Moslem wenn möglich einmal zur Kaaba nach Mekka gepilgert sein. Drei Millionen Gläubige folgen der Forderung jedes Jahr. Das Leben im Diesseits gilt im Islam als Last und als Vorstufe zum eigentlichen Leben im Paradies. Ins Paradies - der arabische Begriff "Dschanna" bedeutet Garten - gelangen die Muslime, die nach dem Islam Gutes getan haben. Hier fließen Milch und Honig und alle Wünsche werden erfüllt.

Buddhismus und Hinduismus

Buddhismus und Hinduismus unterscheiden sich in ihrer Vorstellung vom Tod grundlegend von den westlichen Religionen. Hier existiert der Tod gar nicht wirklich. Er ist nur ein Übergang von einem Leben ins nächste. Der Geist lebt im Kreislauf der Wiedergeburten. Lebt er ein gutes und gerechtes Leben wirkt sich das positiv auf sein Karma aus. Mit der Chance, im nächsten Leben der Erleuchtung näher zu kommen. Jedes nächste Leben ist eine Chance zur Weiterentwicklung. Demzufolge ist auch der Tod in diesen Religionen weniger weniger mit Schrecken oder Trauer verbunden. Er kann sogar gefeiert werden. Meist werden die Toten verbrannt, oft auch ohne spektakuläre Festlichkeit, ganz ins Alltagsleben integriert. Der Geist wird dabei für die nächste Wiedergeburt vom Körper befreit. Hat der Geist im Laufe seiner Leben Erleuchtung erlangt, löst er sich im Nirvana auf.

Judentum

Das Judentum ist wie keine andere Weltreligion dem Leben zugewandt. Gemeinsamkeit Freude bei religiösen Feiern hat einen hohen Stellenwert. Das Sterben sollte in Gemeinschaft der Familie geschehen. Mitglieder der Gemeinde lesen aus der Thora. Bis zur Beerdigung wird Totenwache gehalten. Tote allein zu lassen gilt als Respektlosigkeit. Traditionell werden Juden in einem Leichentuch begraben, damit sie bald "wieder Erde" werden. Das Grab ist im Judentum Wohnstätte der Seele bis zur Auferstehung am jüngsten Tag. Deshalb dürfen Gräber nicht aufgelöst werden. Die Trauerzeit nach der Beerdigung wird an Festtagen ausgesetzt. Denn Freude hat im Judentum Vorrang vor Trauer.

Kult um Santa Muerte

In Mexiko hat sich aus der Verbindung von Katholizismus und vorchristlichen Todes-Riten der Kult um Santa Muerte gebildet. Der Tod wird als heilige junge Frau verehrt. Typischerweise trägt sie eine Sense, mit der alles Schlechte von den Toten abgeschnitten wird, so der Glaube. An Allerseelen wird der "Día de los Muertos", gefeiert. Nicht als Trauertag, sondern als buntes Spektakel. Hier sind die Toten für einen Tag zu Gast bei den Lebenden. Mexiko ist ein Land starker sozialer Verwerfungen. Die Begeisterung für den Todeskult in südamerikanischen Ländern - so lautet eine Interpretation - liegt in der Tatsache, dass der Tod am Ende alle gleich macht.

aus der Sendung vom

Do, 9.4.2015 | 22:00 Uhr

SWR Fernsehen

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Sendezeit

Donnerstags um 22.00 Uhr im SWR Fernsehen.