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SENDETERMIN Do, 9.5.2019 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Sonnenschutz Hautkrebsgefahr bleibt trotz Sonnencreme

Herkömmliche Sonnencreme schützt zwar vor Sonnenbrand, aber nicht vor Hautkrebs. Außerdem stehen UV-Filter im Verdacht, hormonell wirksam zu sein.

Zwar hat der Verbrauch von Sonnencreme in den letzten Jahren zugenommen, doch gleichzeitig gibt es immer mehr Fälle von schwarzem Hautkrebs. Denn wer glaubt, dass Sonnencreme umfassend vor Krebs schützt, der irrt. Die meisten herkömmlichen Produkte bewahren uns nämlich überwiegend vor UVB-Strahlung. Doch die langwelligen UVA-Strahlen können trotz Sonnencreme in die Haut eindringen und so das Krankheitsrisiko erhöhen. Schwarzer Hautkrebs ist der bösartigste Hautkrebs und kann zum Tod führen. Und selbst wenn auf der Cremetube "UVA-Schutz" steht, muss dieser nur ein Drittel so effektiv sein, wie der UVB-Schutz.

Lichtschutzfaktor
Lichtschutzfaktor 50 bedeutet, dass man 50 mal länger in der Sonne bleiben kann, bis man einen Sonnenbrand bekommt. Um diesen Schutz aufrecht zu erhalten, muss man sich allerdings ständig neu eincremen: nach jedem Duschgang, dem Baden bzw. nach dem Abtrocknen. In der Summe bräuchte man damit ungefähr 150 Milliliter Sonnencreme pro Tag - das entspricht einer Tube.

Ist Sonnencreme giftig?

Es gibt UV-Filter, die im Verdacht stehen, hormonell wirksam zu sein. Zum Beispiel "Ethylhexyl Methoxycinnamate" (auch Octinoxat). Laut Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) gehört er zu den meist verbreiteten hormonell wirksamen UV-Filtern. In einer Studie mit Brustkrebszellen führte er zu einem schnelleren Wachstum der Zellen. Tierversuche mit Ratten zeigten außerdem, dass dieser UV-Filter möglicherweise das Hormonsystem der Schilddrüse beeinflussen kann. "Ethylhexyl Methoxycinnamate" wurde auch in menschlicher Muttermilch gefunden. Allerdings "in sehr geringen Konzentrationen, so dass man nicht von einer Gefahr ausgeht", sagt Prof. Jürgen Bauer, Dermatologe an der Uniklinik Tübingen. Dennoch sollten vor allem Kinder und Schwangere diese Substanz meiden.

Menschen baden sich in der Sonne.

Gebräunte Haut ist für viele immer noch ein Schönheitsideal - und mit Sonnencreme wähnen sich Sonnenanbeter in trügerischer Sicherheit

Ist Sonnencreme eine Gefahr für die Umwelt?

Durch das Wassersystem, etwa durch das Abwasser, gelangen die UV-Filter in die Umwelt. Sie wurden schon in verschiedenen Seen und Gewässern in Deutschland nachgewiesen. Im Tierversuch produzierten Wasserschnecken unter Einfluss dieses UV-Filters weniger Embryonen. Allerdings nur bei höheren Dosen als sie in der Natur vorkommen. In Hawaii ist dieser UV-Filter verboten, weil man befürchtet, dass er die Korallenriffe schädigt. Auch "Octrocrylene" führte im Tierversuch zu hormonellen Störungen beim Zebrafisch. Derzeit prüft die EU, ob es sich um einen besonders besorgniserregenden Stoff handelt.

Das bedeutet "Wasserfest"
Eine Sonnencreme darf sich "Wasserfest" nennen, wenn nach dem Baden mindestens die Hälfte des Lichtschutzes noch erhalten ist. Wirklich verlassen sollte man sich darauf nicht. 

Der richtige Sonnenschutz

Damit möglichst wenig Sonnencreme in die Umwelt gerät, sollte man sich eine halbe Stunde vor dem Baden eincremen. Besseren Schutz vor UVA bieten Sonnencremes, die Titandioxid und Zinkoxid enthalten, zum Beispiel zertifizierte Naturkosmetik. Zu finden sind sie auf der Inhaltstoffliste der Verpackung. Idealerweise sollten sie keine Nano-Partikel enthalten. Titandioxid oder Zinkoxid sind physikalische UV-Filter, die auf der Haut eine feine Schicht bilden. Nachteil ist, dass sie schwerer zu verreiben sind und einen weißen Film auf der Haut hinterlassen. Die ToxFox App des BUND bietet Auskunft über bedenkliche Inhaltsstoffe in der Kosmetik. Der beste Schutz ist aber immer noch, die Sonne zu meiden und so viel Kleidung wie möglich zu tragen, sagt Prof. Jürgen Bauer.

Eine Frau schmiert ein Kind mit Sonnencreme ein.

Nicht so schön anzusehen, aber dafür auch nicht so giftig: Bio-Sonnencremes hinterlassen meist einen weißen Film auf der Haut

Kinder in der Sonne: Jeder Leberfleck ist ein Risiko
Lange galten Sonnenbrände in der Kindheit als Hauptfaktor, der Leberflecken begünstigt. Mit der Zahl der Leberflecken steigt das Risiko im Erwachsenenalter, an schwarzem Hautkrebs zu erkranken. Doch auch ohne Sonnenbrand können Leberflecken entstehen, selbst wenn man viel Sonnencreme mit hohen Lichtschutzfaktoren verwendet. Das fand Tübinger Dermatologe Jürgen Bauer in einer Studie an rund 1.000 Kindern heraus.  Deswegen gilt auch hier: Kinder sollten möglichst viel Kleidung zum Schutz vor der Sonne tragen und möglichst wenig der Sonne ausgesetzt sein.