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SENDETERMIN Do, 26.6.2014 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Unwetterschäden Sensor für Hagelkörner

Forscher des Karlsruher Instituts für Meteorologie und Klimaforschung (KIT) testen in einem Pilotprojekt Hagelsensoren, die sie an Messstationen angebracht haben.

Zehn Messstationen der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz (LUBW) in Baden-Württemberg haben sie mit den Hagelsensoren ausgerüstet. Sie können damit beobachten, wann an welcher Station Hagel gefallen ist. Über zwei Mikrofone erfassen die Sensoren den Impuls und die Energie der Hagelkörner, um daraus anschließend den Durchmesser der Hagelkörner zu berechnen. "Damit ist es möglich, während eines Hagelereignisses das Spektrum der Hagelkörner zu messen", sagt Prof. Martin Löffler-Mang, "wie viele Hagelkörner in welcher Größe fallen."

Hagel fällt lokal und kann nur mit Niederschlagsradargeräten erfasst werden. "Da ein Radar aber nicht direkt zwischen Regen und Hagel unterscheiden kann, müssen wir unsere Methoden an tatsächliche Hagelereignisse anpassen", erläutert Dr. Michael Kunz vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung (IMK-TRO) des KIT. "Hagel wird nur an wenigen Stationen des Deutschen Wetterdienstes manuell von Beobachtern registriert. Automatisch erfasst wird Hagel in Deutschland bisher nicht. Wir haben also keine Messungen zur Verfügung, die uns sagen, wo es wie lange gehagelt hat und wie groß die Hagelkörner waren."

Schwere Hagelstürme verursachen Jahr für Jahr Schäden in Millionenhöhe an Gebäuden, Fahrzeugen und in der Landwirtschaft. Trotzdem gibt es in Deutschland kein automatisches Messnetz für derartige Extremereignisse.

Versicherer heben Schadensschätzung deutlich an

Knapp einen Monat nach den schweren Unwettern im Südwesten Deutschlands hatte die SV Sparkassenversicherung am 23. August 2013 ihre Schadenprognose mehr als verdoppelt. Die Versicherung rechnet nach einer Mitteilung mittlerweile mit insgesamt gut 70.000 Schäden und einer Schadenssumme von 600 Millionen Euro. "Einen Elementarschaden dieser Größenordnung haben wir noch nicht erlebt", sagte Vorstandschef Ulrich-Bernd Wolff von der Sahl. Auch die WGV Versicherung revidierte ihre Schadensschätzungen nach oben.

Eine zerstörte Hauswand

Vom Hagelschlag zerstörte Hausfassade

Nach Einschätzung der SV Versicherung ist der am 28. Juli entstandene Schaden sogar das bislang größte Hagelschadenereignis in Deutschland. "Wir haben keine harten Daten", sagte ein Sprecher. Nach Schätzungen der Versicherung liege der Schaden aber über den 1,25 Milliarden Euro, den der Hagelsturm in München 1984 verursacht hatte.

Die fünf Kilometer breite und 27 Kilometer lange Hagelzelle hatte Häuser und Autos in den Landkreisen Reutlingen, Tübingen, sowie Göppingen und Esslingen beschädigt. Die zum Teil golfballgroßen Hagelkörner mähten Felder nieder und schlugen die Früchte von Obstbäumen ab.

Bislang war der Sturm Lothar im Jahr 1999 mit 500 Millionen Euro der teuerste Schaden in der Geschichte der SV Versicherung. Die Sparkassenversicherung sichert im Land 70 Prozent aller Wohngebäude gegen Elementarschäden ab. Inzwischen seien 60 Millionen Euro als Soforthilfe an die Versicherten ausgezahlt worden.

Die WGV-Versicherung, die nach eigenen Angaben Gebäude von fast allen Städten und Kommunen in Baden-Württemberg versichert, geht inzwischen von Schäden von mehr als 200 Millionen Euro aus, sagte Vorstandschef Hans-Joachim Haug. Hinzu kämen weitere Schäden. So habe im August 2013 ein zweites Unwetter im Zollernalbkreis noch einmal erhebliche Schäden angerichtet.

Die Württembergische Versicherung AG, Tochter des Finanzkonzerns W&W, rechnete zuletzt mit einem Schadenvolumen von 90 bis 130 Millionen Euro für die Unwetter der vergangenen Wochen - allerdings ohne diese Kosten genauer aufzuschlüsseln. Die Allianz schätzte ihre Belastungen aus dem Unwetter Anfang August 2013 auf 200 Millionen Euro.

aus der Sendung vom

Do, 26.6.2014 | 22:00 Uhr

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