Bitte warten...

SENDETERMIN Do, 30.1.2014 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Reportage mit Lena Ganschow Rutschfrei durch den Winter

Schnee und Eis plagen die Verkehrsteilnehmer in den Wintermonaten. Unfreiwillige Rutschpartien kommen oft überfallartig. SWR-Odysso-Reporterin Lena Ganschow will wissen, wie ein städtischer Winterdienst funktioniert und woher das Streusalz kommt.

Ein Mann kratzt Eis von seiner Autoscheibe.

Brandgefährlich: Blitzeis!

Die Wettervorhersage kündigt Blitzeis an, eine der gefährlichsten Wetterlagen für den Straßenverkehr. Jetzt muss schnell gestreut werden, der Winterdienst Karlsruhe rückt mit allen Räumfahrzeugen aus. Reporterin Ganschow steigt in das Fahrzeug von Hans Joachim Lang und begleitet ihn auf seiner Tour. Wie alle Räumfahrzeuge folgt auch er einer festgelegten Route. Zuerst sind die Hauptverkehrsstrecken dran, dann die Strecken von Bussen und Bahnen, zum Schluss die Nebenstraßen.

Salz schadet Pflanzen und Tieren, deswegen will die Stadt Karlsruhe nur so viel streuen wie nötig. Hans Joachim Lang verweist auf Sensoren am Räumfahrzeug, die Luft- und Bodentemperatur messen und danach die Salzmenge dosieren. Mit dieser Technik, so erfährt Wissenschaftsreporterin Ganschow, ist rund 25 Prozent weniger Salz nötig als mit dem Gießkannenprinzip. Noch sind die Straßen eisfrei, aber es ist kalt und wenn es jetzt regnet, wird es brandgefährlich: Es drohen spiegelglatte Straßen, Unfälle, Verkehrschaos. Deshalb schreibt der Gesetzgeber vor, dass bei solchen Wetterlagen präventiv gestreut werden muss - obwohl es sein kann, dass das angekündigte Blitzeis ausbleibt.

Tückischer Dienst im Streufahrzeug

Fahrer von Räumfahrzeugen müssen hellwach sein, denn der Job hat seine Tücken, wie Fahrer Hans Joachim Lang nur zu gut weiß. Er muss oft mehrere Dinge parallel machen, zum Beispiel den Salzstreuer je nach Fahrbahnbreite einstellen, den Schieber bedienen, falls es schneit und gleichzeitig den Verkehr im Blick behalten. Lang beklagt, dass manche Verkehrsteilnehmer wenig Rücksicht auf die Arbeit der Streufahrzeuge nehmen. Besonders tückisch seien Kreuzungen, Abbiegespuren und Brücken. Außerdem, so erklärt er Reporterin Ganschow, könne sein LKW bei besonders widrigen Verhältnissen genauso ins Rutschen kommen wie andere Fahrzeuge. Zudem muss er ständig bremsbereit sein, besonders in der Stadt. Speziell Fußgänger und Radfahrer seien bei Glätte schwer zu berechnen. Parkende Fahrzeuge am Straßenrand sind für Räumfahrzeuge zusätzliche Hindernisse.

Ohne Salz geht es nicht

Nach drei Stunden braucht das Streufahrzeug Nachschub, der Salzbehälter ist leer. Das befürchtete Blitzeis ist bis jetzt ausgeblieben, aber Vorbeugen ist eben Pflicht. Am Salzlager der Straßenmeisterei will Reporterin Ganschow vom stellvertretenden Leiter des Winterdienstes Karlsruhe wissen, ob es zum umweltschädlichen Salz keine Alternative gibt. Schließlich landen jedes Jahr Unmengen davon auf unseren Straßen.

Lena Ganschow im Salzbergwerk

Lena Ganschow im Salzbergwerk

Doch Andreas Bender lässt keinen Zweifel: wenn die gesetzlichen Vorschriften eingehalten, und die Straßen schnee- und eisfrei bleiben sollen, gibt es zum Salz keine Alternative. Denn anders herum drohen den Winterdienst-Verantwortlichen sogar rechtliche Schritte, sollte jemand ihnen Nachlässigkeit nachweisen und es deswegen zu einem Unfall kommt. Grund genug nachzuforschen, woher der Stoff eigentlich kommt, der uns rutschfrei durch den Winter bringen soll.

Im Salzbergwerk bei Heilbronn

Die Reise geht nach Heilbronn. Das dortige Salzbergwerk versorgt den gesamten süddeutschen Raum mit Streusalz - Auftausalz, wie es im Fachjargon heißt. Bergbauingenieur David Saage zeigt der SWR-Odysso-Reporterin, wie er an das weiße Gold kommt. Bergmännisch ausgerüstet rauschen sie mit dem Förderkorb 250 Meter in die Tiefe. Untertage ist Lena Ganschow hier die einzige Frau, denn das Bergmanns-Handwerk ist immer noch eine Männerdomäne. Unten angekommen bekommt sie gleich einen Eindruck von der Größe der Lagerstätte. In einer großen Halle aus Steinsalz stehen mehrere Fahrzeuge, denn die Wege in diesem Salzbergwerk sind lang. 800 Kilometer umfasst das unterirdische Streckennetz, das Abbaugebiet ist riesig. Das Ganze gleicht einem unterirdischen Labyrinth aus riesigen Gängen, ausgestattet mit Werkstätten und Versorgungseinrichtungen.

Das Salzlager reicht bis Basel

In einer Wintersaison bauen die Bergleute hier bis zu einer Million Tonnen Auftausalz ab. Dazu kommt ein noch größerer Teil für Anwendungen in der Industrie. Ob die Vorräte bei solchen Mengen nicht bald zur Neige gehen, will Lena Ganschow von Dirk Saage wissen. Seit 125 Jahren werde hier Salz abgebaut, erklärt der Bergbauingenieur, und er gehe davon aus, dass das auch die nächsten 100 Jahre so bleiben wird. Das unterirdische Salzlager reiche immerhin bis nach Basel, insofern müsse man sich keine Sorgen machen. Nach rund einer halben Stunde Autofahrt erreichen die beiden eine der aktiven Abbaustellen.

Salzabbau mit Fräsen und Sprengstoff

Dort frisst sich eine riesige Fräse durchs Salzgestein, mehrere Meter breit und hoch. Die Maschine, ein sogenannter Continuous Miner, macht einen Höllenlärm und Salzstaub vernebelt sie Sicht. Unter Anleitung darf Lena Ganschow das Monstrum mit einer Fernsteuerung bedienen und einige Tonnen Salz abbauen. Etwa faustgroße Brocken raspelt die Fräse aus der Wand. Die müssen jetzt nur noch zerkleinert und gereinigt werden, dann ist das Auftausalz für unsere Straßen fertig.

Fräse in Salzbergwerk

Ein "Continuous Miner" bei der Arbeit

Was die Fräse nicht schafft, wird gesprengt. Die gefährliche Arbeit ist ein Fall für Spezialisten. Nachdem die Bohrlöcher mit Sprengstoff gefüllt sind, und der Sprengmeister die Ladungen scharf gemacht hat, darf Lena Ganschow die Zündung auslösen. Eine Serie von ohrenbetäubenden Explosionen erschüttert den Untergrund. Jetzt heißt es schleunigst das Weite suchen, denn die Sprengwolke enthält tödliche Stickoxide. Erst Stunden später, nachdem sich die giftigen Gase verzogen haben, bringen große Lader das gesprengte Salzgestein zu einem Walzenbrecher. Der zerlegt große Brocken in handliche Stücke. Ein langes Förderband transportiert das Rohsalz schließlich direkt zur Aufbereitungsanlage.

Salz aus Heilbronn für ganz Süddeutschland

Hier läuft das abgebaute Steinsalz auf, wird weiter zerkleinert und gereinigt. Danach ist es fertiges Auftausalz, das ein Förderkorb nach oben schafft. Dort warten bereits dutzende LKW, die ganz Süddeutschland beliefern - auch den Winterdienst Karlsruhe. Bundesweit landen jedes Jahr bis zu 4,5 Millionen Tonnen Salz auf unseren Straßen, um sie schnee- und eisfrei zu halten. Dieser Einsatz von Mensch, Maschinen und Material ist teuer und schadet der Umwelt. Doch um unsere moderne Industriegesellschaft am Laufen zu halten, ist er wohl unerlässlich.

aus der Sendung vom

Do, 30.1.2014 | 22:00 Uhr

SWR Fernsehen

Mehr zum Thema im SWR:

Das neue Odysso-Logo von 2016

Sendezeit

Donnerstags um 22.00 Uhr im SWR Fernsehen.