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SENDETERMIN Do, 29.10.2015 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Den Feind im Visier (Teil 1) Rüstungsmesse IDEX in Abu Dhabi

Die IDEX in Abu Dhabi ist eine der größten Rüstungsmessen weltweit. Über 1.100 Aussteller aus 59 Ländern wollen hier Geschäfte machen. Auch Deutschland ist gut vertreten.

Wir sind die Guten

Abu Dhabi, Vereinigte Arabische Emirate im Frühjahr 2015. Die Tribüne ist gefüllt mit Generälen, Ober- und Unteroffizieren, Waffenhändlern und Politikern. Ein buntes Volk. Nach endloser Folklore und einem Weißrussischem Exerzierballet kommt jetzt endlich die eigentliche Show mit ordentlich Geballer. Maskierte Bösewichter mit Maschinengewehren und Granaten treiben ihr lautstark ihr Unwesen und entführen unschuldige Zivilisten. Die Armee greift ein. Hubschrauber und Schlauchboote sind im Einsatz. Ein Panzer rollt auf die mehrere hundert Meter breite Freilichtbühne und wackelt bedrohlich mit dem Rohr, während sich zwei Kampfjets im Tiefflug in das Getümmel einmischen. Zum Schluss werden dann noch zwei Raketen in die Luft gejagt und abgefangen - oder war´s umgekehrt. Auf jeden Fall siegt am Ende das Gute. Die Eröffnungsfeier der Rüstungsmesse IDEX zeigt, wie sich die Veranstalter einen sinnvollen Waffeneinsatz vorstellen. Und auch, wie sich die Besucher anscheinend am liebsten sehen: Als rettende Armeekräfte, die entführte Geiseln von Terroristen befreien.

Es geht ums Geschäft

Wichtig ist die IDEX vor allem für den prosperierenden Waffenmarkt im Nahen und Mittleren Osten. Aber auch sonst auf der Welt ist der Messestandort am Persischen Golf beliebt. Denn hier kann man Geschäfte machen und das auch andere wissen lassen. Zum Beispiel der ukrainischen Präsident Petro Poroschenko. Sein Besuch schlägt einige mediale Wellen und wird als Einkaufstour interpretiert. Dabei ist die Ukraine selbst Waffenproduzent. Am Ende unterzeichnet Poroschenko Rüstungsverträge in mehrfacher Millionenhöhe. Die Ukrainer sind nicht die einzigen auf der IDEX. Auch eine deutsche Bundeswehrdelegation ist da. Gut 15 bis 20 Mann stark. Angeführt von zwei Generälen und einem Admiral. Zu Besuch bei den Waffenproduzenten der Gastgeber. Waffen kaufen wolle man hier nicht, so die Bundeswehr. Es gehe vielmehr darum, den Einfluss in der Region zu wahren. Da müsse man halt die potenziellen Partner besuchen. Die danken so viel Aufmerksamkeit mit Rüstungsaufträgen: Kein Land kauft mehr deutsche Waffen, als die Staaten der arabischen Halbinsel.

Die Bundeswehr auf der IDEX

Kein Wunder, dass die deutsche Rüstungsindustrie auf der IDEX gut vertreten ist. Treffpunkt: Deutscher Pavillon. Da ist auch die Bundeswehr gerne. Warum die allerdings bis nach Abu Dhabi fliegt, um sich deutsche Waffen anzuschauen? Eine Frage, die uns niemand der Bundeswehrdelegation vor der Kamera beantworten möchte. Stattdessen gehen die aus Steuergeldern bezahlten Militärs zur Besprechung mit den Herstellern ins Separee. Immerhin, der Sprecher des Bundesverbandes der deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie, Michael Knop lüftet das Geheimnis ein bisschen: "Die Bundeswehr ist natürlich ein ganz wesentlicher Kunde für die Verteidigungsindustrie und gleichzeitig wird auch Deutschland vertreten hier durch die offizielle Seite." Hinter vorgehaltener Hand heißt es, dass der Besuch den deutschen Rüstungsunternehmen helfe. Schließlich zeige es das Vertrauen in die eigene Wehrindustrie. Eine Werbetour also. Finanziert vom Steuerzahler. Politik, Militär und Wirtschaft arbeiten eben eng zusammen. Beim Panzerhersteller Kraus Maffei sieht man das pragmatisch. Schließlich profitiere auch die Bundeswehr davon, wenn andere Länder mit deutschen Waffen schießen, so Sprecher Dr. Kurt Braas: "Die deutsche Wehrindustrie und überhaupt die deutsche Verteidigungspolitik ist natürlich immer im Dilemma. Auf der einen Seite möchte die Bundesregierung eine nationale Wehrindustrie erhalten. Auf der anderen Seite kann diese nationale Wehrindustrie von nationalen oder NATO Aufträgen allein nicht leben. Folglich müssen wir wie viele andere Unternehmen und Branchen natürlich auch im Export Erfolg haben." Und gerade daran hapert es zurzeit. Deutschland ist von Platz drei der größten Rüstungsexporteure um einen Platz abgerutscht.

Kampf gegen die Flaute

Haben die Deutschen ihr Verkaufsgespür verloren oder fehlt der Bedarf? Österreich zum Beispiel braucht keine U-Boote. Die Chinesen dagegen schon. Denn China rüstet auch unter Wasser auf. Aber die Chinesen können eigentlich auch alles selbst produzieren. Deswegen ist China jetzt auf Platz drei der Waffenexporteure. An deutschen U-Booten haben lediglich die südostasiatischen Nachbarn Interesse. Bleibt noch deutscher Erfindergeist. Rheinmetall, Deutschlands größter Waffenhersteller ist da besonders findig. Ob bei Schützenpanzern oder beim Soldatensystem GLADIUS. Rheinmetall ist vorne dabei. Solche Hightechwaffen sollen nicht nur bei der Bundeswehr landen, sondern auch international die Militärs erfreuen. So auch die neuen Laserwaffen.

"Low Cost to Kill"

Der mobile Hochenergielaser H-E-L soll das Zugpferd der Lasersparte von Rheinmetall werden. Zwar macht der Preis von mehreren Millionen Euro die Kaufentscheidung nicht einfach. Aber im Marketing sind die Rheinmetaller pfiffig: "Low Cost to Kill" steht da im schönsten Verkaufsenglisch. Dummerweise finde ich niemanden, der weiß, was das bedeutet. Es hat wohl was mit dem Budget zu tun rätselt ein deutscher Besucher und Michael Knop vom Deutschen Pavillon gibt mir den Rat doch mal den Hersteller selbst zu fragen. Das mache ich dann auch. Schließlich ist die IDEX ja eine öffentliche Messe. Doch der Rheinmetallsprecher ist nicht sehr begeistert und zieht mich weg von der Kamera. Ein Interview gibt es zwar nicht, aber ich erfahre, dass "Low Cost to Kill" eine blöde Formulierung sei. Ein bisschen ungeschickt eben. So ungeschickt, dass "Low Cost to Kill" in einem Video auf der Homepage von Rheinmetall als wichtigste Eigenschaft des Lasers genannt wird. Endlich finde ich dann jemanden, der mir weiterhilft. Ein indischer Messebesucher löst das Rätsel: "Ich denke es bezieht sich auf die ökonomische Investition. Sie machen eine kleine Investition und Sie können Ihren Feind zu den niedrigsten Kosten beseitigen." Ein Laserschuss kostet fast nichts. Das Hightechgerät lohnt sich also vor allem dann, wenn es oft abgefeuert wird. Die Bundeswehr hat die Entwicklung von Laserwaffen im letzten Jahr mit über 80 Millionen Euro gefördert. Schließlich könne die Technik ja auch deutsche Soldaten schützen. Ein Argument, dass die deutschen Waffenhersteller immer gerne hören.

aus der Sendung vom

Do, 29.10.2015 | 22:00 Uhr

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Donnerstags um 22.00 Uhr im SWR Fernsehen.