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SENDETERMIN Do, 15.11.2018 | 21:00 Uhr | SWR Fernsehen

Versicherungsschutz: freiwillig oder Pflicht? Richtig versichert

Für die Wahl einer Versicherung ist es egal, wie wahrscheinlich der Schadensfall ist. Stattdessen ist es wichtig, sich gegen die größten finanziellen Risiken abzusichern.

Welche Versicherungen sind Pflicht, welche sind freiwillig?

Das Versicherungsverhalten der Deutschen zu interpretieren ist nicht einfach. Die Kosten für Versicherungen sind sehr unterschiedlich. Außerdem sind zum Beispiel die Krankenversicherung und die KfZ-Haftpflichtversicherung gesetzlich vorgeschrieben. Eine Wohngebäudeversicherung ist häufig Bedingung für einen Eigenheim-Kredit, also nicht ganz freiwillig. Manche Versicherungsverträge gelten für die ganze Familie, andere nur für eine Person. Ein gutes Bild der deutschen Versicherungslandschaft geben Umfragen.

Die beliebteste freiwillige Versicherung ist laut einer GfK-Umfrage die private Haftpflichtversicherung. 88 Prozent der Befragten gaben an, sich damit gegen Personen-, Sach-, und Vermögensschäden abzusichern. Die private Haftpflicht ist laut Verbraucherzentrale die wichtigste Versicherung, denn besonders Personenschäden können sehr teuer werden. Manchmal im Bereich von Millionen von Euro.

Ein Fahrrad liegt hinter hinter einem Auto

Personenschäden können sehr teuer werden. In Deutschland ist die KfZ-Haftpflichtversicherung gesetzlich vorgeschrieben.

Haftpflicht, Berufsunfähigkeit – die größten finanziellen Risiken absichern

Es ist für die Wahl einer Versicherung egal, wie wahrscheinlich der Schadensfall ist. Denn wenn etwas passiert, hilft es nicht zu wissen, dass die Wahrscheinlichkeit besonders gering ist. Wichtig ist stattdessen, sich gegen die größten finanziellen Risiken abzusichern.

Neben der Haftpflichtversicherung ist deshalb eine private Erwerbsunfähigkeitsversicherung oder noch besser, eine Berufsunfähigkeitsversicherung wichtig. Die staatliche Erwerbsunfähigkeitsversicherung zahlt, wenn Betroffene auf nicht absehbare Zeit weniger als drei Stunden am Tag irgendeinen Beruf ausüben können. Bei mehr als drei Stunden pro Tag zahlt die Versicherung nur teilweise. Bei voller Erwerbsunfähigkeit bekommen Betroffene im Schnitt aber nur 736 Euro im Monat. Das reicht häufig nicht. Besonders, wenn ein Haushalt von einem Einkommen abhängt.

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt auch dann, wenn Betroffene in der Lage sind, einen anderen Beruf auszuüben. Allerdings sind Berufsunfähigkeitsversicherungen für Branchen mit einem hohen Risiko wie Dachdecker meist sehr teuer oder die Versicherer verweigern aufgrund von Vorerkrankungen einen Vertrag. Vielleicht haben deshalb laut Umfrage nur knapp 30 Prozent der Deutschen eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Das heißt: Hier sind die Deutschen unterversichert.

Wegen des hohen Risikos sind Berufsunfähigkeitsversicherungen für Dachdecker besonders teuer. Laut einer Umfrage haben nur 30 Prozent der Deutschen überhaupt eine solche Versicherung.

Wegen des hohen Risikos sind Berufsunfähigkeitsversicherungen für Dachdecker besonders teuer. Laut einer Umfrage haben nur 30 Prozent der Deutschen überhaupt eine solche Versicherung.

Deutsche vor materiellem Verlust besser geschützt als vor Lebensrisiken

Eine Hausratversicherung haben mit 85 Prozent die meisten Deutschen. 28 Millionen Autos sind vollkaskoversichert. Laut einer Studie eines großen Versicherers fragen Kunden eher nach solchen Sachversicherungen statt nach Personenversicherungen, die Lebensrisiken abdecken. Es scheint so, als wollten sich die Kunden nicht so gerne mit dem eigenen Risiko von Krankheit, Unfall und Tod befassen. Stattdessen können sie besser mit Gedanken über mögliche materielle Verluste umgehen. Dabei ist das finanzielle Risiko ohne Hausrat- oder Vollkaskoversicherung im Vergleich zu einer fehlenden Berufsunfähigkeitsversicherung vergleichsweise gering.

Größtes finanzielles Risiko geht von Personenschäden aus

Die größten finanziellen Risiken gehen von Personenschäden aus. Daher sind Personenversicherungen eigentlich wichtiger als Sachversicherungen. Neben Haftpflicht- und Berufsunfähigkeitsversicherung empfiehlt die Verbraucherzentrale für Eltern die Kinderinvaliditätsversicherung. Sie zahlt, wenn ein Kind nach einer Krankheit oder einem Unfall schwer behindert ist. Ist das Kind für das ganze Leben pflegebedürftig, können die Kosten in die Millionen Euro gehen.

Um die Familie abzusichern, rät die Verbraucherzentrale zu einer Risiko-Lebensversicherung. Sie zahlt im Todesfall einen Betrag an die Hinterbliebenen und soll den Verdienstausfall abfedern. Rund 20 Prozent der Deutschen haben laut Umfrage eine Risiko-Lebensversicherung. 30 Prozent haben eine Kapital-Lebensversicherung, wo zusätzlich noch Geld angespart wird.

Versicherungsschutz im Ausland nicht vergessen

Für Auslandsaufenthalte empfiehlt die Verbraucherzentrale noch eine Auslandsreise-Krankenversicherung. Denn die gesetzliche Krankenversicherung im Ausland nur einen Teil oder gar nichts. Der medizinische Rücktransport oder die Versorgung im Krankenhaus kann sehr teuer werden.