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SENDETERMIN Do, 4.7.2013 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Reisestrapazen Warum schlägt Stress bei jedem anders zu?

Wenn man im Stress ist, melden sich immer die gleichen alten Bekannten im Körper: Der Nacken verspannt sich, der Bauch schmerzt, der Kopf tut weh, das Lid zuckt oder es pfeift im Ohr. Bei jedem Menschen ist es etwas anderes, aber warum ist das so?

Comicmännchen rennt einem Löwen davon

Überlebensprogramm: Bei Gefahr mobilisiert der Körper alle Kraftreserven.

Stress ist eine Reaktion auf unsere Umwelt, die wir von unseren oft leidgeprüften Vorfahren geerbt haben: Wir fangen an zu schwitzen, der ganze Körper steht unter Spannung. Das Stressprogramm ist unser Flucht- oder Kampfmodus. Ausgelöst wird es durch Hormone, vor allem Cortisol, die der Körper in die Blutbahn ausschüttet. Der Blutdruck steigt. Die Muskeln mobilisieren ungeahnte Kräfte. Sportler profitieren heute noch davon - und nicht nur die. Auch Büromenschen schätzen die Extraportion Spannung, weil sie dann mehr leisten können.

Überdosis an Hormonen im Blut

Viele gelbe Bläschen, die das Cortisol darstellen, verlassen die Niere

Aufpusher: Cortisol wird in der Nebennierenrinde gebildet und dann ins Blut abgegeben.

Stress setzt außerdem die Reizschwelle des Nervensystems herab. Die Wahrnehmung fokussiert sich. Wie bei einem Suchscheinwerfer wird die Aufmerksamkeit für das Wichtige geschärft. Doch auch bei den Hormonen droht die Überdosis. Wenn sich der Stress verdoppelt oder gar verdreifacht, werden die Blutbahnen mit zu viel Cortisol geflutet. Das wirkt bei jedem anders. Die einen spüren es hauptsächlich im Rücken, weil sie unter Stress verkrampfen.

Gehirn verknüpft Stress mit Schwachstelle

An einer typischen Schwachstelle im Körper zeigt sich der Stress am deutlichsten. Und das immer wieder. Grund: der Lerneffekt. Ein Beispiel dafür ist Tinnitus. Bei Dauerstress verknüpft unser Gehirn den Pfeifton gemeinsam mit dem hohen Cortisolspiegel. Jedes Mal, wenn das Cortisol steigt, reagiert der Körper dann entsprechend mit Ohrpfeifen oder Schmerz - sogar wenn es keinen ursächlichen Zusammenhang gibt. Es gibt aber auch ererbte körperliche Schwachstellen, die sehr anfällig auf Stress sind. Ein Beispiel ist Neurodermitis. Aber die Haut reagiert auch ohne erbliche Vorbelastung leicht auf Stress mit Pickeln und Entzündungen wie etwa Herpesbläschen.

Zu viel Cortisol macht krank

Löwe nähert sich davon rennendem Comicmännchen

Leistungsgrenze: Irgendwann macht der Körper einfach schlapp – trotz der Cortisolflut.

Cortisol schwächt die Immunabwehr. Krankheitserreger, etwa Grippeviren, können leichter in die Zellen eindringen. Und wenn der Stress vorbei ist, werden sie krank. Richtig gefährlich ist Dauerstress. Der Körper gewöhnt sich an einen hohen Cortisolspiegel. Wer aber immer am Limit ist, hat keine Reserven mehr, wenn es drauf ankommt. Auf lange Sicht wirkt Cortisol auch auf den Zuckerstoffwechsel. Stress macht dick. Außerdem wird das Immunsystem dauerhaft geschwächt. Der Körper sortiert entartete Zellen nicht mehr aus. Das kann im schlimmsten Fall zu Krebs führen. Eine der häufigsten direkten Folgen von Stress ist eine dauerhafte Erschöpfung bis hin zur Depression. Jeder Mensch sollte also sein Stresslimit kennen und danach handeln. Nur so lebt er gesund.