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SENDETERMIN Do, 10.8.2017 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Rechentest Wie fit sind wir im Rechnen?

"Versetzung gefährdet!" lautet das Urteil der Stiftung Rechnen: Der Umgang mit Zahlen fällt vielen Menschen schwer, besagt das Ergebnis einer Studie. Odysso hat den Rechentest gemacht: Können wir tatsächlich nicht mehr richtig rechnen?

Im Alltag sind wir von Zahlen umgeben: Wechselgeld nachprüfen, Gramm- oder Kilopreise vergleichen und hochrechnen, Angebote im Kopf überschlagen - im besten Fall kann man das schnell im Kopf erledigen, und zwar bevor es zur Kasse geht: Denn wer wird schon gern über den Tisch gezogen? Doch wenn es um Zahlen geht, erweisen sich viele Deutsche als wenig kompetent - zumindest laut einer bundesweiten Studie der Stiftung Rechnen. Dabei überschreiten deren Aufgaben größtenteils das Niveau der 8. Schulklasse nicht. Zwei Mathematik-Professoren haben sie entwickelt. Getestet wurden 1.027 Personen im Alter von 18 bis 65 Jahren. Mit Textaufgaben, Statistiken und vor allem: einfachen Grundrechenarten.

Rechnen ist Bürgerkompetenz

Fast alle Aufgaben beziehen sich auf Alltagssituationen. Sie möchten vom 23. bis zum 28. August in den Urlaub reisen? Wie viele Hotelübernachtungen müssen Sie dann buchen? Wie viele Drei-Liter-Farbeimer brauchen Sie, um Ihren Keller zu streichen? Aufgaben, die jedem begegnen können - und doch offenbar viele Menschen überfordern. Für die Stiftung Rechnen ist Rechnen Bürgerkompetenz. Bewusst einzukaufen ist genauso wichtig wie Statistiken richtig zu interpretieren und Verbraucherinformationen zu verstehen. Steht es tatsächlich so schlimm um unsere Mathe-Künste? Odysso hat den Rechentest gemacht - mit im Gepäck einige der Aufgaben der Stiftung Rechnen.

Wie viel Gramm Haselnüsse sind im Müsli?

Wir beginnen unseren Rechentest auf dem Wochenmarkt. Kopfrechnen gehört hier dazu. Unsere erste Aufgabe könnte genauso in einem Lehrbuch der Klasse 7. stehen: Prozentrechnung: 500 Gramm Müsli enthalten vier Prozent Haselnüsse. Wie viel Gramm Haselnüsse sind im Müsli?

Eine beschriebene Schultafel mit einer Matheaufgabe

Hätten Sie es gewusst?

In unserer Stichprobe auf dem Karlsruher Wochenmarkt kommen viele Menschen auf das richtige Ergebnis. Doch der Rechenweg ist verschieden. Manch einer rechnet zunächst zehn Prozent aus, was 50 Gramm wären, halbiert sein Ergebnis dann auf fünf Prozent (= 25 Gramm) und kommt schließlich auf vier Prozent = 20 Gramm. Andere kommen auf dasselbe Ergebnis, rechnen aber ein Prozent aus und multiplizieren ihr Zwischenergebnis mal vier. Manche versuchen es aber auch mit 1.000 Gramm, andere verlieren den Überblick über die Nullen und landen bei einem Endergebnis von zwei Gramm.

Wer ein Gefühl für Größen- und Mengenangaben hat, merkt zumindest schnell, wenn er auf dem Holzweg ist. So erging es zwei Drittel der Befragten der Stiftung Rechnen. Aber nicht alle deuten die Zutatenliste richtig - und wüssten somit nicht, wie viel Gramm Haselnüsse sie mit ihrem Müsli essen würden. Defizite, die uns als Verbraucher schaden könnten - oder unserem Geldbeutel.

400 Gramm Bio-Rinderfilet kosten 32 Euro. Was kosten 300 Gramm?

Richtig sind 24 Euro. Wir stellen die Frage am Marktstand eines Metzgers. Die Frage ist alltäglich: Preise im Kopf zu überschlagen ist im Alltag ratsam. Viele Kunden scheinen das auch zu tun. 81 Prozent kommen im Mathetest der Stiftung Rechnen aufs Ergebnis. Überraschenderweise kommen zwar alle Kunden auf das Ergebnis - aber die Verkäuferinnen nicht. Sie resignieren nach langem Rumrechnen kopfschüttelnd und bleiben mit verschränkten Armen hinter ihrer Warenauslage stehen. Auf dieser Seite der Fleischtheke überschlägt niemand etwas im Kopf - das haben längst Waage und Kasse übernommen. Geben wir Kompetenzen an Maschinen ab, scheinen wir sie offenbar nicht mehr so leicht abrufen zu können. Wer also fit bleiben will, sollte den Rechner auf seinem Smartphone lieber in der Hosentasche lassen.

Wenn das Navi für uns rechnet ...

Das scheint auch die Krux bei unserer letzten Aufgabe zu sein: An ihr scheiterten in der Studie der Stiftung Rechnen besonders viele - nur 28 Prozent lösten sie richtig.
Wenn man die 240 Kilometer zu Verwandten statt mit 120 Kilometer pro Stunde nur 100 Kilometer pro Stunde fährt, wie viel Zeit dauert es dann länger?

Einige unserer Befragten kommen an ihr Rechenziel, aber auch in unserem Test können nicht alle sicher durch die Zahlen navigieren. Im Zweifel berechnet uns ja auch das Navi unsere Ankunftszeit - und aktualisiert sie entsprechend, wenn wir langsamer fahren. Wer nicht weiterkommt, für den gibt es hier die Lösung: Wer mit 120 Kilometern pro Stunde fährt, braucht für eine Strecke von 240 Kilometern genau zwei Stunden. Fährt er nur 100 Kilometer in der Stunde, braucht er 2,4 Stunden. Er ist also 0,4 Stunden länger unterwegs. Umgerechnet in Minuten: 1 Stunde = 60 Minuten; 0,1 Stunde = 6 Minuten; 0,4 Stunden = 24 Minuten. Das amtliche Endergebnis.

Fazit unseres Rechentests: Wir sind Mathemuffeln ebenso begegnet wie Rechenprofis - natürlich ist das nur eine kleine Stichprobe im Vergleich zur Studie der Stiftung Rechnen. Die stellte den Deutschen eine schlechte Gesamtnote aus. Richtig hinschauen, genau lesen, clever kombinieren: Wer sich den Zahlen im Alltag stellt, bekommt den Umgang mit ihnen auch gemeistert.