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SENDETERMIN Do, 5.3.2015 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Rauchgasvergiftung Todesursache: Inneres Ersticken

90 Prozent aller Brandopfer sterben nicht an den Flammen, sondern an einer Rauchgasvergiftung. Aber warum sind sie so gefährlich? Und was passiert dabei in unserem Körper?

Wenn es bei Müllers brennt, dann verbrennen unterschiedliche Materialien: das Sofa mit Stoffbezug, der Couchtisch aus Holz, der Fernseher aus Kunststoff. Doch nicht das Feuer ist für Müllers am gefährlichsten. Es sind die entstehenden Gase. Reizgase wie Schwefeldioxid oder Chlorwasserstoff greifen die Atemwege an, sind giftig und ätzend. Heißer Ruß, der eingeatmet wird, transportiert die Giftstoffe in die Lungen. Noch viel gefährlicher als Reizgase sind aber Erstickungsgase. Die häufigsten sind Kohlendioxid und Kohlenmonoxid, aber auch Blausäure, also Cyanwasserstoff. Erstickungsgase können für den Menschen schnell tödlich wirken.

Sauerstoffmangel

Kohlendioxid zum Beispiel ist schwerer als Luft. So verdrängt das Gas den lebensnotwendigen Sauerstoff in der Luft. In den Lungenbläschen unterbricht es außerdem den natürlichen Austausch von Sauerstoff und CO2. Denn normalerweise nimmt der Körper den Sauerstoff aus der Luft auf und gibt im Gegenzug das körpereigene CO2 ab. Ist aber fast nur noch CO2 in der Luft, gibt es nichts mehr auszutauschen. Das CO2 bleibt im Körper, Sauerstoff kommt keiner mehr dazu. Für Familie Müller bedeutet das Atemnot, Schwindel und Verwirrtheit, aber auch Erbrechen kann ein Symptom sein. Vom Notarzt gibt es hundert Prozent Sauerstoff für die Müllers, das verdrängt das Kohlendioxid wieder aus dem Körper. Weil Kohlendioxid schwerer als Luft ist, kann es vor allem in geschlossenen, tiefliegenden Räumen gefährlich werden - im Bergwerk etwa oder im Weinkeller. Da hält man sich aber in der Regel ja nicht so oft auf...

CO - Lautloser Killer

Noch tückischer als Kohlendioxid ist Kohlenmonoxid: Es ist geruch-, farb- und geschmacklos und tötet oft im Schlaf. Feuerwehrleute nennen es auch den "lautlosen Killer". Kohlenmonoxid tötet, weil es die Sauerstoffversorgung der Organe blockiert. Das führt zu "innerem Ersticken". Doch wie entsteht der "lautlose Killer"? Familie Maier hat am Abend auf dem Balkon gegrillt. Nachts soll es aber regnen, also lieber den Kohle-Grill rein. Aus ist er ja. Doch die Kohlen glühen doch noch vor sich hin! Maiers sind in Lebensgefahr - denn schwelen Holz oder Kohle, also organische Stoffe im geschlossenen Raum vor sich hin, entsteht besonders viel Kohlenmonoxid. Gleichzeitig gibt es keine Sauerstoffzufuhr. Die Wirkung von CO, also Kohlenmonoxid, ist fatal: Nach 3 bis 4 Atemzügen werden Maiers schon bewusstlos. Denn normalerweise versorgt das Hämoglobin, also die Transportmoleküle in unserem Blut, unsere Organe mit Sauerstoff. Besonders unser Gehirn und unser Herz brauchen viel Sauerstoff. Kohlenmonoxid bindet sich aber bis zu 300 Mal stärker an das Hämoglobin als Sauerstoff und verdrängt ihn. So sind in kürzester Zeit alle wichtigen Organe unterversorgt.

Schweinchenrosa oder blau?

Das Perfide: die Symptome einer CO-Vergiftung können völlig unterschiedlich sein. Von Übelkeit über Kopfschmerzen und Herzrasen, aber auch Krämpfe oder ein "rauschartiger Zustand" können die Folge sein - aber keine Atemnot! Deshalb denkt oft keiner an eine Gasvergiftung. Nur ein Indiz gibt es, das eine Kohlenmonoxidvergiftung verrät - allerdings nur, wenn die Vergiftung sehr schwer ist: die Haut erscheint unnatürlich rosig, schweinchenrosa. Denn sauerstoffangereichertes Hämoglobin ist hellrot. Die noch viel höhere Dosis an CO im Hämoglobin verstärkt auch die rote Farbe. Bei einer CO2-, also Kohlendioxidvergiftung ist es im Übrigen genau andersherum: Durch den Sauerstoffmangel im Blut wird die Haut blau. Anders als bei einer CO2-Vergiftung reicht es bei einer CO-Vergiftung oft nicht aus, einfach Sauerstoff zu verabreichen. Es muss mit Überdruck in den Körper gebracht werden. Denn weil sich das CO so stark an die Moleküle im Blut bindet, braucht es etwas mehr Kraft, um es wieder zu verdrängen. Das geschieht zum Beispiel in Überdruckkammern, in die Vergiftungsopfer als Notfall gebracht werden können.

Wer sicher gehen will, der installiert am besten nicht nur einen Rauchmelder, sondern auch einen CO-Melder zu Hause - das empfiehlt auch die Feuerwehr.

aus der Sendung vom

Do, 5.3.2015 | 22:00 Uhr

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Donnerstags um 22.00 Uhr im SWR Fernsehen.