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SENDETERMIN Do, 20.2.2014 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Betreuung daheim Pflegedienste: Viel Stress, wenig Geld

Rund 1,7 Millionen Pflegebedürftige werden zuhause von ambulanten Diensten betreut. Meist sind es kleine Unternehmen, die die Pflege organisieren - in ständiger Personalnot und unter Kostendruck. Schnelligkeit muss dies oft kompensieren.

Ambulante Dienste: wenig Pflegezeit, viel Bürokratie
Sechs Uhr. Dienstbeginn. Zwanzig Pflegebedürftige betreut Oliver Greßler jeden Tag auf seiner Tour quer durch das Dreisamtal im Schwarzwald, in geplanten sieben Stunden. Pro Patient hat der Pfleger rund 20 Minuten inklusive Fahrtzeit. Doch oft macht ihm der Straßenverkehr einen Strich durch die Rechnung. Parkplatznot und Staus lassen Pflegekräfte in Städten verzweifeln. Auf dem Land hingegen sind die langen Fahrstrecken ein Problem. Krankenkassen zahlen eine Pauschale für Leistung und Weg. Diese ist einheitlich.

krankenschwester pflegt den alten Mann

Bei den meisten Patienten stehen nur Kurzbesuche an. Denn die Kassen bewilligen oft nur das Minimalprogramm. Den Pflegebedürftigen geht es aber häufig um das Soziale. "Ich sag immer: Wir sind Seelsorger, Frisöre, Pflegefachleute, also vieles in einem", erklärt Greßler. Aber mehr als fünf Minuten sind oft nicht drin. Für einen Kurzbesuch zahlt die Kasse pauschal rund neun Euro - inklusive Fahrt, egal wie weit.

Einer Pflegebedürftigen, die Greßler besucht, geht es nicht so gut. In so einem Fall muss der Pfleger den Hausarzt informieren. Ein ungeplanter Anruf, der Zeit kostet. Aufholen lässt diese sich nicht. "Ich kann nicht zaubern", sagt Greßler. Ein weiterer Zeitfresser: die Dokumentationspflicht. Die Krankenversicherungen bekommen Pflegeprotokolle. Hier ließe sich vieles vereinfachen, ist Greßlers Chef, Frank Oberlin, überzeugt.

Pflegeberuf: niedriger Lohn, schlechtes Image
In der Pflegebranche gibt es schwarze Schafe, die den Lohn ihrer Angestellten beschneiden - indem sie zum Beispiel die Fahrzeit zwischen den Patienten nicht anrechnen. Dabei gehören mobile Pflegedienste zu einer Wachstumsbranche: Bis zum Jahr 2030 soll die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland um fast die Hälfte auf knapp 3,5 Millionen steigen. Schon heute fehlt es an Pflegefachkräften wie Greßler. Deshalb werden immer mehr branchenfremde Hilfskräfte angelernt. Darunter leidet häufig die Qualität der Pflege.

Weil der Verdienst gering ist, ist der Pflegeberuf nicht sehr attraktiv. Die Bezahlung spiegle die Wertschätzung für die Pflegekräfte wider, urteilt Pflegedienstbetreiber Oberlin. Er fordert: "Die Budgets der Krankenkassen für den ambulanten Bereich müssten erhöht werden." Doch das ist bei der steigenden Belastung der Pflegekassen kaum denkbar.

aus der Sendung vom

Do, 20.2.2014 | 22:00 Uhr

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Donnerstags um 22.00 Uhr im SWR Fernsehen.