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SENDETERMIN Do, 17.5.2018 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Pendlerprobleme in Stuttgart Wie bekommt man Pendler in den Nahverkehr?

"Steig doch um auf Bus und Bahn!" - Das sagt sich leicht. Für SWR Odysso haben zwei Pendler aus dem Großraum Stuttgart den Wechsel probiert. Hier sind ihre Erfahrungen.

Raus aus Stuttgart mit dem Auto

Tim Schächterle gehört zu den etwa 100.000 Stuttgarter Pendlern, die jeden Tag aus der Stadt heraus wollen.

Er quält sich über die A8 von Stuttgart nach Leonberg. 24 Kilometer hin, 24 Kilometer zurück. Alternativrouten? Keine Chance! Bisher nimmt er immer das Auto. "Wenn ich mir den Stau hier jeden Tag angucke, sage ich mir, es ist besser auf Öffentliche umzusteigen als mir jeden Tag den Stress auf der Autobahn zu geben."

Tim Schächterle will weg vom Auto und startet frühmorgens in Stuttgart-Plieningen. Er kombiniert nun das Fahrrad mit einem Schnellbus. Dauer: 60 Minuten. Das ist für ihn, der mit dem Auto 30 bis 45 Minuten braucht, noch akzeptabel. Fazit: Umsteigen ist – mit Kompromissen – möglich. Schächterle musste sich allerdings die Mühe machen, eine intelligente Kombination für sich herauszufinden.

Nach Stuttgart rein mit Zug und S-Bahn

Jördis Johannson pendelt unregelmäßig von Reutlingen an die Uni nach Stuttgart. Die 42 Kilometer lange Strecke ist mit dem Auto oft ein Stau-Albtraum. Daher nimmt Jördis meistens den Zug. Doch auch das ist nicht immer angenehm. "Manchmal steht man ganz dicht gedrängt und kann sich nicht hinsetzen. Ja, da ist man schon manchmal genervt. Die Luft ist auch schlecht."

Pendlerfrust bei der Nutzung ... des Autos... von Zug und S-Bahn
regelmäßig Stau auf der A8dichtes Gedränge
keine Alternativroutennicht genügend Sitzplätze
schlechte Luft in überfüllten Bahnen
Stress beim Umsteigen

Welcher Zug ist der günstigste? Jördis Johannson: "Ich würde den Zug um 8:07 Uhr nehmen, den IRE. Das ist innerhalb der nächsten Stunde die mit Abstand schnellste Verbindung."

Sie erreicht pünktlich den Hauptbahnhof und muss hier, laut ihrem Handy, 13 Minuten durch das Baustellenchaos zur S-Bahn unter dem Hauptbahnhof laufen. Heute ist wenig los. Es sind Osterferien. An normalen Werktagen aber steigen hier unten im S-Bahnhof morgens während der Rushhour 25.000 Menschen ein und aus:

Staus in und um Stuttgart wie hier auf der A8 bei Leonberg gehören zum Alltag der Pendler

Staus in und um Stuttgart wie hier auf der A8 bei Leonberg gehören zum Pendleralltag

ÖPNV und Straße: "Beide sind am Anschlag!"

244.502 Menschen pendeln täglich nach Stuttgart:
o 50 % nutzen das Auto
o 50 % nutzen den ÖPNV

Die Stadt Stuttgart gehört mit ihrer Kessellage zu den schlimmsten Stauhöllen Deutschlands. Die meisten fahren trotzdem mit dem Auto. Das bestätigt der Mobilitätsforscher Bastian Chlond aus Karlsruhe. "Wir haben in der Hauptverkehrszeit eine Simulationsstudie gemacht, in den Talkessel hinein. Dabei haben wir festgestellt: 50 Prozent nutzen den öffentlichen Nahverkehr, die anderen 50 Prozent das Auto. Beide Systeme sind am Anschlag."

Das zeigen auch Pendlerdaten, die der SWR in einem datenjournalistischen Projekt 2018 ausgewertet hat: Klares Pendelzentrum ist Stuttgart. Jeden Tag wollen 244.502 Menschen in die Stadt. 91.858 kommen ihnen entgegen.

S-Bahnen: Hauptverursacher von Verspätungen

Das System ist am Anschlag: viele Verspätungen oder Zugausfälle. Einen Großteil der Verspätungen des Verkehrsbunds Stuttgart fährt die S-Bahn ein. Thomas Hachenberger, Geschäftsführer des Verbunds, sagt: Wie in jedem Ballungsraum haben wir ein hohes Fahrgastaufkommen. Bei der S-Bahn dieses Jahr über 414.000 Fahrgäste am Tag." Ergebnis: Während der Stoßzeiten sind 20 Prozent aller Bahnen verspätet.

Warten auf die S-Bahn gehört zum Alltag der Pendler – auch in Stuttgart

Warten auf die S-Bahn gehört zum Alltag der Pendler – auch in Stuttgart

Lösungsansätze: 9-Uhr-Umweltticket und Expressbusse sollen S-Bahn entlasten

Besonders in der morgendlichen Rushhour zwischen 6 und 8:30 Uhr sind die Bahnen voll. Wer ein 9-Uhr-Umweltticket kauft und also erst nach 9 Uhr fährt, spart Geld und findet leerere Bahnen vor.

Auch die Zeit, während der die S-Bahn morgens mit maximalem Takt fährt, soll verlängert werden. Und es gibt neue Expressbusse: Drei Express-Linien gibt es schon, die das Netz des ÖPNV gut ergänzen. Weitere Linien sind geplant.

Ziel: vielfältige und intelligente Vernetzung verschiedener Verkehrsmittel

Es gibt schon jetzt stündlich durchgehende Züge, die die Strecke Reutlingen – Stuttgart in 35 Minuten schaffen. Ab 2020 sollen diese schnellen Züge im Halbstundentakt nach Stuttgart fahren.

Die Verbesserungen kommen. Es geht aber nicht so schnell, wie viele Pendler sich das wünschen. Das Beispiele von Tim Schächtele zeigt zeigt: Nur eine vielfältige und intelligente Vernetzung verschiedener Verkehrsmittel wird Pendler zum Umstieg bewegen. Der ÖPNV spielt dabei eine zentrale Rolle. Er schafft es aber nicht alleine, die Autos aus der Stadt zu verdrängen.