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SENDETERMIN Do, 20.4.2017 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Versteckte Krankmacher Man kann sie nicht sehen, und doch sind sie da

Es kreucht und fleucht voller fremder Lebewesen im menschlichen Organismus. Wissenschaftler gehen davon aus, dass sie für zahlreiche Krankheiten verantwortlich sind.

10 Mal mehr Erreger als Zellen

„Wir haben etwa zehn mal mehr Erreger in uns und auf uns, als wir eigene Zellen haben“, sagt Prof. Karl Bechter von der Psychiatrie der Uni Ulm. Jeder Zweite trägt z.B. Toxoplasma gondii im Körper. Doch auch Chlamydien und Herpesviren, Bandwürmer und noch viel mehr Schmarotzer sind im Menschen unterwegs. All diese Erreger brauchen den Organismus als Wirt oder Zwischenwirt, um zu überleben oder sich weiter fortzupflanzen. Dabei können sie schwere Immunkrankheiten an der Schilddrüse oder im Darm auslösen und sogar psychische Beschwerden verursachen: „Vor allem die schweren psychischen Erkrankungen, die nicht einfach durch Probleme im Leben zu erklären sind. Also schwere Depressionen oder Psychosen wie Schizophrenie oder bipolare Erkrankungen“, erklärt der Psychiater und Neurologe Bechter, der die Winzlinge seit den 1980er Jahren erforscht. Mindestens 13 Erreger stehen im Verdacht, psychische Störungen oder Immunkrankheiten auszulösen.

Mediziner sind kritisch

Während viele Mediziner Bechters Thesen kritisch sehen, gibt ihm eine groß angelegte Studie aus Skandinavien recht. Dafür wurden 3,5 Millionen Menschen über viele Jahre durchleuchtet. Ergebnis: Schwere Infektionen und schwere Autoimmunkrankheiten, erhöhen die Wahrscheinlichkeit für schwere psychische Erkrankungen.“ Doch laut klassischer Lehrmeinung sind nicht Mikroorganismen dafür verantwortlich, sondern etwa Stress. Oft heißt die hilflose Diagnose: wahre Ursache unbekannt.

Laut Bechter sind die Erreger in der Lage, jahrelang im Körper zu verharren. Ist die Immunabwehr geschwächt, können sie Mikroentzündungen im Körper und damit Immunerkrankungen verursachen. Auch im Gehirn können diese Entzündungen entstehen. Das kann psychiatrische Symptome wie Depressionen oder Schizophrenie auslösen.

Kortison gegen Schizophrenie

Der Psychiater Ludger Tebartz van Elst hat Bechters Thesen zunächst abgelehnt. Doch manchen Patienten mit Schizophrenie und Depressionen konnte er mit herkömmlichen Methoden nicht helfen. Dann hat er den Versuch gewagt, mögliche Entzündungen mit Kortison zu hemmen: „Wir haben jetzt einige Fälle, die plötzlich unter Kortison-Therapie gesund werden“, betont der Leiter der Psychiatrie an der Uniklinik Freiburg. Zum Beispiel konnte er einer Patientin mit Kortison innerhalb einer Woche helfen, die zuvor sieben Jahre unter Wahn und Halluzinationen litt. „Das ist natürlich für die Psychiatrie ein unglaublich spannendes Feld, weil sich mit dieser Erkenntnis therapeutisch ganz neue Horizonte eröffnen“.

Buch

Susannah Cahalan

Feuer im Kopf: Meine Zeit des Wahns

Verlag:
mvg Verlag 2013
Genre:
Sachbuch
Bestellnummer:
ISBN 978-3868824674
aus der Sendung vom

Do, 20.4.2017 | 22:00 Uhr

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Donnerstags um 22.00 Uhr im SWR Fernsehen.