Bitte warten...

SENDETERMIN Do, 15.5.2014 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Krankenhaus OP-Betrieb wie am Flughafen

In den Sälen moderner OP-Straßen durchlaufen täglich eine Vielzahl von Patienten den Operationsbetrieb. Nur eine ausgefeilte Logistik ermöglicht es dabei, alle Abläufe trotz Zeitdruck und häufiger Störungen von außen, sicher zu koordinieren.

Alltag im OP-Betrieb

07:45 in der OP-Straße Bad Cannstatt. Der OP-Koordinator macht seine Morgenrunde. Sein Job ist es, dafür zu sorgen, dass das OP-Programm reibungslos und pünktlich umgesetzt wird.

Ärzte und Assistenten stehen während einer Herz-OP in einem Operationssaal.

Mit einem Blick durch die Glasfenster der einzelnen OP-Säle kontrolliert er, ob alle Patienten eingetroffen sind. Verzögerungen am Morgen lassen sich später schwer wieder aufholen. Fehlt der Patient noch, muss schnell gehandelt werden, denn spätestens um acht Uhr sollen alle Patienten im Narkoseeinleitungsraum auf dem OP-Tisch bereit liegen. Die Anästhesisten haben jetzt eine Viertelstunde für die Narkose. Dann wechselt das Team einen Raum weiter in den OP. Für die korrekte Lagerung, Hautdesinfektion und Abdeckung stehen erneut 15 Minuten zur Verfügung. Wenn alles klappt, können die Chirurgen pünktlich um 08:30 Uhr das Skalpell ansetzen.

Vom ersten Schnitt bis zum Verband sind allerdings auch die Operationen mit einem präzisen Zeitkontingent versehen. Nach der OP müssen die Anästhesisten den Patienten möglichst ohne zeitliche Verzögerung wieder aus dem Reich der Träume holen, abkabeln und in den Aufwachraum zurückbringen.

Zeit ist Geld

Was dem Laien schon fast wie streng getaktete Fließbandarbeit erscheinen mag, ist Alltag in modernen OP-Betrieben. Natürlich ist nicht jeder Patient gleich: Mal dauert die Narkose etwas länger, mal erfordert die Patientenvorbereitung mehr Zeit. Aber solche Abweichungen von der Norm sollten rechtzeitig erkannt und zeitlich eingeplant werden. Auch das ist Teil der Aufgaben des OP-Koordinators.

Weil alle Abläufe genau definiert sind und über den Tag permanent am Computer mit Zeiten protokolliert werden, hat der Koordinator von jedem Rechner aus den Überblick auf das Gesamtgeschehen in allen Sälen.

Und das Klinik-Management kann dank dieser Daten später die zeitlichen Prozesse bis ins Detail analysieren. Regelmäßige Zeitüberschreitungen in einzelnen Bereichen lassen sich so leicht eruieren. Das Ziel sind optimierte Prozessabläufe, die zeitlich und materiell alle Ressourcen ausloten und auf hohem Qualitätsniveau ablaufen. Denn eine Klinik ist letztlich auch ein Wirtschaftsunternehmen und muss entsprechend über alle Ausgaben Rechenschaft ablegen können.

Koordinierung der OPs am PC

Ohne genauste Koordinierung der OPs geht heute nichts mehr.

Durch den hohen personellen und materiellen Aufwand im OP ist jede Minute sehr teuer. Die Phasen in denen nicht operiert wird, müssen deshalb so kurz wie möglich gehalten werden. Das gilt insbesondere für die Wechsel zwischen den einzelnen Patienten, in denen alles gereinigt, desinfiziert und für den nächsten Patienten vorbereitet werden muss. Hier tickt die Uhr besonders laut.

Schließt sich die OP-Tür dann wieder hinter dem Reinigungsteam, wird der nächste Patient auch schon aus dem Narkoseeinleitungsraum in den OP gerollt.

Planung und Fallpauschalen

Diese exakte OP-Planung entsteht während der Wochen und Monate vor dem OP-Tag allmählich auf dem digitalen Reißbrett. Ein spezielles Team für die OP-Anmeldungen - das Case-Management - nimmt von der Ambulanz und den Stationen Anfragen für Operationen entgegen und vergibt die Termine. Dabei müssen eine Vielzahl von Zusammenhängen berücksichtig werden, denn nicht nur ausreichendes Personal und Raumkapazitäten im OP sind wichtig. Auch auf den Stationen müssen genügend Betten zur Verfügung stehen. Dazu kommen - verbunden mit dem jeweiligen Versicherungsstatus der Patienten - Einzelzimmeranfragen und Wünsche nach Chefarztbehandlungen. Das Case-Management muss aber auch die wirtschaftlichen Ziele der Klinik im Auge behalten, denn in deutschen Krankenhäusern wird nach dem Fall-Pauschalen-System abgerechnet. Das bedeutet verkürzt gesagt, dass für jede Patientenbehandlung von der Aufnahme bis zur Entlassung nur eine ganz bestimmte Euro-Pauschale abgerechnet werden kann.

Schon in der Planung ist deshalb das Ziel, den stationären Aufenthalt des Patienten am unteren Limit der durchschnittlichen Kliniktage zu bemessen. Ein komplikationsloser, schneller Verlauf jeder Patientengeschichte ist also auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht von großem Interesse.

Der OP ist in diesem System die "Cash-Cow", weil kein anderer Bereich entscheidender für die Gewinne in einer Klinik verantwortlich ist. Möglichst viele Operationen sind zwar erwünscht - aber eben nur, wenn es keine Komplikationen gibt, die zu Verzögerungen führen und die Klinik dann bares Geld kosten.

Kein Plan ist in Stein gemeißelt

Der OP-Koordinator hat deshalb durch seine logistischen Entscheidungen eine zentrale Rolle - vor allem während des laufenden Operationsbetriebs. Denn trotz einer exakten OP-Planung muss er ständig flexibel auf Änderungen reagieren. Es reicht schon, dass ein Patient aus Versehen gefrühstückt hat. Sofort wird der Eingriff im Plan gelöscht und andere Operationen müssen vorrücken. Notfälle oder akute Patientennachmeldungen haben oberste Priorität im Ablauf. Notfalls muss eine weniger dringende Operation aus dem Tagesprogramm heraus genommen werden.

Solche Entscheidungen verlangen immer noch menschlichen und medizinischen Weitblick, bei dem der Computer allenfalls behilflich sein kann.