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SENDETERMIN Do, 23.1.2014 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Ernährung Ohne Zucker gegen Krebs

An der Uni Harvard geht ein internationales Forscherteam einem unheimlichen Verdacht nach: Es untersucht, ob es wahrscheinlicher ist, an Krebs zu erkranken, wenn man viel Zucker isst. Und umgekehrt: Ob man ohne Zucker den Krebs leichter besiegen kann.

ketogene Diät

Warum Tumorzellen Zucker lieben

Ein modernes Verfahren der Krebserkennung ist der PET-Scan. Dabei spritzen Ärzte ihren Patienten eine radioaktive Zuckerlösung und beobachten, welche Zellen diese besonders stark konsumieren. Gehirn und Nieren verbrauchen immer viel Zucker. Wenn auf dem Scan aber sichtbar wird, dass auch andere Zellen des Körpers besonders gierig nach Zucker sind, lautet meist die Diagnose: Dort sitzt ein Tumor.

Krebszellen konsumieren so viel Zucker, weil sie sich sehr oft teilen. Aus Zucker gewinnen sie Bausteine für neue Krebszellen. Im Gegensatz zu gesunden Zellen, die auch aus Fett oder Eiweißen Energie gewinnen können, sind viele Krebsarten außerdem auf Zucker als Energielieferanten angewiesen. Wirkt Zucker also wie ein Treibstoff für viele Krebsarten? Das könnte erklären, warum Diabetes-Patienten mit hohem Blutzuckerspiegel besonders häufig an Krebs erkranken, sagt Prof. Lewis Cantley.

Den Krebs aushungern

Wenn Zucker ein Treibstoff für viele Krebsarten ist, was passiert, wenn man dem Krebs den Zucker entzieht? Gesunde Zellen könnten sich dann auf Fett und Eiweiß als Energielieferanten umstellen. Die Krebszellen aber würden verhungern. In der Petrischale lässt sich das leicht zeigen, erklärt Prof. Cantley: "Ohne Zucker sterben die Krebszellen ganz schnell, sie sind abhängig vom Zucker!"

Auf den Menschen lässt sich dieses Ergebnis jedoch nicht so einfach übertragen. Es ist nicht möglich, den Krebs so auszuhungern, wie es in der Petrischale gelingt, denn der Blutzuckerspiegel sinkt nicht auf null. Auch dann nicht, wenn man keinen Zucker isst. Aber eine zuckerfreie Ernährung könnte zumindest dabei helfen, dem Krebs Treibstoff zu entziehen – so die Theorie. Aber funktioniert das auch?

Leben (fast) ohne Zucker

Zuckerfrei essen - der Fachbegriff dafür ist "Ketogene Diät". Um sie durchzuhalten, ist vor allem eines unverzichtbar: Disziplin. Denn viele Lebensmittel sind bei einer ketogenen Ernährung tabu. Nicht nur Süßigkeiten, auch viele Früchte enthalten große Mengen Zucker. Weintrauben und Orangen zum Beispiel müssen vom Speiseplan gestrichen werden. Beeren hingegen sind vergleichsweise zuckerarm.

Ein Würfel Zucker

Ketogene Diät: Der Verzicht auf Zucker erfordert Disziplin

Auch Lebensmittel, die viele Kohlenhydrate enthalten, sind während einer ketogenen Diät nicht erlaubt, denn aus Kohlenhydraten stellt der Körper Zucker her. Das bedeutet: Keine Kartoffeln, keine Nudeln, kein Müsli, kein gewöhnliches Brot.

Dafür viel Gemüse, Eier, Fisch und Fleisch. Und Milchprodukte - am besten fettreiche, wie Mascarpone. Denn im Unterschied zu anderen Diäten ist fette und kalorienreiche Nahrung bei der ketogenen Diät nicht nur erlaubt, sondern unbedingt notwendig. Nur so können die Patienten ihren Energiebedarf decken.

Ketogene Ernährung

Erst wenige Ärzte kennen die ketogene Diät und empfehlen sie Krebspatienten zur Unterstützung der Krebstherapie. Das liegt daran, dass es bisher kaum aussagekräftige Studien gibt. Diese fehlen, weil es sehr schwierig ist, eine ausreichende Zahl von Krebspatienten mit vergleichbaren Erkrankungen zu finden, die sich unter vergleichbaren Bedingungen über eine längere Zeit ketogen ernähren. Bisher gibt es deshalb keine Studie, die eine positive Wirkung der ketogenen Diät auf die Heilungschancen bei Krebs belegt. Eine Studie der Uni Würzburg konnte immerhin zeigen, dass Krebspatienten, die ketogen aßen sich gut, sogar besser fühlten als vorher.

Die Umstellung für den Körper ist anfangs spürbar. Die meisten Menschen fühlen sich zu Beginn einer ketogenen Diät schlapp. Wird sie konsequent durchgehalten, stellt sich der Körper jedoch um: Die gesunden Zellen nutzen dann nicht mehr Zucker als Energielieferanten, sondern Ketonkörper. Die werden in der Leber aus Fett hergestellt und können die Blut-Hirn-Schranke überwinden, also auch das Gehirn mit Energie versorgen.

Wirkung der ketogenen Diät wird erforscht

Viele Krebspatienten, die eine ketogene Diät beginnen, tun das auch, um sich das Gefühl zu geben, dem Krebs nicht ausgeliefert zu sein. Selber etwas tun zu können, hilft vielen Patienten sehr, erklärt Prof. Marc Sütterlin von der Frauenklinik Mannheim. Er wird in den nächsten Wochen mit Kollegen der Reha-Klinik in Bad Kissingen eine neue Studie beginnen, die erforschen soll, ob die ketogene Diät eine Krebstherapie unterstützen kann. "Wir können die ketogene Diät derzeit nicht prinzipiell empfehlen", erklärt Sütterlin, "aber wir haben genug Hinweise darauf, dass die Ernährungsumstellung einen positiven Effekt haben könnte, dass es Sinn ergibt, sie weiter zu untersuchen."