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SENDETERMIN Do, 12.7.2018 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Energiefresser Internet Die Ökobilanz eines Mausklicks

Die digitale Revolution beschleunigt unseren Alltag und unser Arbeitsleben. Eine Entwicklung mit wenig Nachhaltigkeit, denn Internet und moderne Kommunikation sind wahre Energiefresser!

Mit 20 Google-Suchanfragen brennt eine Energiesparlampe 1 Stunde lang

Haben Sie sich schon mal gefragt, wie energieintensiv eine Suchanfrage bei Google ist? Wie hoch sind die Belastungen für die Umwelt wirklich? Eine Suchanfrage von Google verbraucht etwa 0,3 Watt-Stunden (Wh). Hochgerechnet bedeutet das bei 20 Anfragen bereits den Verbrauch einer Energiesparlampe in einer Stunde.

Frankfurter Rechenzentren verbrauchen mehr Energie als der Flughafen

Die gesamte Netzinfrastruktur zusammengerechnet verbraucht allein in Deutschland im Jahr etwa 55 Terawattstunden – umgerechnet etwa 10 mittlere Kraftwerke, die allein für die digitale Welt Strom erzeugen. Die Zahlen zeigen, dass das Internet nicht virtuell oder eine Wolke ist, sondern physisch und real.

Allein in Frankfurt, wo sich die Rechenzentren in Deutschland konzentrieren, fließen etwa 20 Prozent der städtischen Energie in den Betrieb der Serverfarmen. Das ist mehr als der Frankfurter Flughafen verbraucht.

Gefahren der Digitalisierung für die Umwelt

Ökologisch betrachtet hat damit die Informations- und Telekommunikationstechnik einen relevanten Stellenwert. Etwa 33 Millionen Tonnen CO2-Emissionen im Jahr werden durch den Betrieb des Internets und internetfähiger Geräte verursacht – so viel wie der innerdeutsche Flugverkehr. Tendenz stetig steigend.

Das Internet verursacht so viele Tonnen CO2-Emmission im Jahr wie der innerdeutsche Flugverkehr

Etwa 33 Millionen Tonnen CO2-Emissionen im Jahr werden durch den Betrieb des Internets und internetfähiger Geräte verursacht – so viel wie der innerdeutsche Flugverkehr. Tendenz stetig steigend.

Vor- und Nachteile der Digitalisierung

Zwar finden Energiewende und sparsames Wirtschaften dank der Digitalisierung statt, aber sie ist auch Motor für mehr Konsum und Verschwendung. Denn bei der Herstellung internetfähiger Geräte muss weltweit massiv Energie aufgewendet werden. Und es ist nicht eindeutig, ob die positiven oder die negativen Effekte auf die Umwelt überwiegen.

Die digitale Revolution hat erst begonnen

Die Digitalisierung entspricht der Wucht der Erfindung des Buchdrucks und der Dampfmaschine zusammen – und das in geraffter Zeit. Noch stecken zum Beispiel autonomes Fahren und das Internet der Dinge in den Kinderschuhen. Die Datenmengen werden aber exponentiell zunehmen und damit auch der Energieverbrauch. Das macht diese Entwicklung energie- und umweltpoltisch zu einer Herausforderung für die Menschheit.

Was macht die Rechenzentren zu Energiefressern?

Große Rechenzentren haben oft eigene Umspannwerke, mitunter eigene Kraftwerke. Vor allem die Klimaanlagen verbrauchen 1/3 der Energie. Sie temperieren die Server auf etwa 25 Grad. Bei hoher Nachfrage zumeist in den Abendstunden steigt der Energiebedarf sprunghaft an, wenn alle zu Hause im Internet surfen.

Was könnte dagegen getan werden?

Bei der Kühlung der Server wird Energie förmlich zum Fenster hinaus geblasen. Statt auf Luftkühlung wie bisher müsste konsequent auf Wasserkühlung gesetzt werden, um die Abwärme zu nutzen. Das geschieht bisher nur in Testanlagen und bei Universitätsrechenzentren, wie etwa in Darmstadt. Doch um die Abwärme zu nutzen, müssen Kommunen, Rechenzentren-Betreiber und Internetdienste eng zusammenarbeiten.