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SENDETERMIN Do, 20.3.2014 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Obst & Gemüse Billige Bananen

Nirgendwo in Europa sind Bananen so beliebt wie in Deutschland. Knapp 1,4 Millionen Tonnen werden jährlich verzehrt. Die gelben Früchte sind nahrhaft, gesund - und äußerst billig. Aber welche Folgen haben die hiesigen Tiefstpreise für die Menschen, die Bananen für uns anbauen?

Harte Arbeit für makellose Bananen

Jede vierte Banane in Deutschland stammt aus Costa Rica, einem kleinen Land in Mittelamerika.

Ganze Regionen des Landes sind mit Bananenplantagen überzogen. Dort wird hart gearbeitet, um möglichst makellose Bananen zu ernten - auch auf den Plantagen des wohl bekanntesten Bananenkonzerns der Welt, Chiquita. Die Schalen der noch unreifen, grünen Früchte dürfen keine Flecken oder Schäden bekommen. Nur makellose Bananen, die mindestens 2,7 Zentimeter dick und 14 Zentimeter lang sind, werden von den Supermärkten in Europa akzeptiert - so schreibt es die "Bananenverordnung" der Europäischen Union vor.

Die Konzerne in den "Bananenrepubliken"

Im tropischen Klima ist es schwierig, solch makellose Bananen anzubauen: Auf den Plantagen gedeihen nicht nur die Stauden selbst gut – sondern auch zahlreiche Insekten, Würmer oder für die Bananen schädliche Pilze. Jahrzehntelang setzten Chiquita und andere Bananenkonzerne deshalb auf ihren Monokulturen hochgiftige Pestizide ein, ohne jedoch die Arbeiter davor zu schützen. Heute weiß man, dass viele Mittel zu Hautkrankheiten, Unfruchtbarkeit oder Krebs führen können. Seitdem hat sich bei Chiquita vieles geändert. Weltweit protestierten immer mehr kritische Verbraucher gegen den Konzern, der früher United Fruit Company hieß und gemeinsam mit seinem Konkurrenten Standard Fruit (heute Dole) die Staaten Mittelamerikas zu den sprichwörtlichen "Bananenrepublik" gemacht hatten. Was kaum jemand weiß: Chiquita reagierte auf den Druck der Verbraucher und begann Anfang der 1990er Jahre, unabhängige Kontrolleure auf die Plantagen zu lassen. Sie arbeiten für die Rainforest Alliance - eine Umweltgruppe aus New York, die den Regenwald schützen und den Pestizideinsatz in der Landwirtschaft der Tropen verringern will.

Weniger Pestizide als früher

Die Plastiktüten, mit denen Arbeiter alle Bananenstauden während des Wachstums umhüllen, sind der Umweltgruppe ein Dorn im Auge. Sie sind mit giftigen Chemikalien imprägniert, um Insekten fernzuhalten.

Erntehelfer auf Bananenplantage mit Atemmaske.

Atemschutzmasken sind mittlerweile Vorschrift.

Heute müssen die Arbeiter beim Anbringen Atemmasken tragen, und die Mittel sind weniger giftig als früher. Auch Fässer mit Pestiziden lagerten früher überall im Freien, Giftreste verseuchten jahrzehntelang die Umwelt. Auf Druck der Umweltgruppe hat Chiquita Lagerhäuser gebaut, in denen die Pestizide nun sicher untergebracht sind. Jedes Jahr überprüfen die Kontrolleure bis heute die Plantagen auf über 300 kritische Punkte. Schon jetzt benutzt Chiquita ein Drittel weniger Pestizide als früher. Doch es gibt noch viel zu tun.

Suche nach Alternativen kostet Geld

Um Pestizide einzusparen, muss Chiquita in Forschung investieren. Vor allem, weil ein hartnäckiger Pilz immer wieder die Blätter der Stauden befällt. Er heißt Black Sigatoka, breitet sich schnell über die ganze Plantage aus und kann die Ernte vernichten. Bisher helfen dagegen nur Flugzeuge, die einmal die Woche Fungizide über den Plantagen versprühen. Die Mittel sickern in den Boden, die Flüsse und ins Trinkwasser. Doch die Suche nach weniger giftigen Alternativen ist aufwendig und bald zu teuer, selbst für den Weltkonzern Chiquita. Der Bananenkonzern steckt in einem Dilemma: Zwar tragen Chiquita-Bananen auch in deutschen Supermärkten seit Jahren das Gütesiegel der Rainforest Alliance. Aber die weitaus meisten Verbraucher haben von diesem Wandel nichts mitbekommen und greifen im Supermarkt inzwischen vor allem zu Bananen anderer Produzenten, die weniger kosten.

Bio-Bananen statt Giftstoffe?

Neben den Billigbananen bieten die Supermärkte allerdings auch Bio-Bananen an - Früchte, die ohne chemisch-synthetische Pestizide angebaut werden. In Costa Rica stellt eine Plantage derzeit vom normalen Anbau auf Bio um. Sie gehört zur Privatuniversität EARTH, deren Mitarbeiter schon in anderen Ländern Lateinamerikas den Bio-Anbau eingeführt haben.

Bio-Etikett an einer Banane

Biobananen werden in Supermärkten eher selten gekauft.

In den Tropen ist das schwieriger als in trockeneren Regionen. Aber sie machen sich die vielen Würmer, Maden und Käfer auf der Plantage zunutze: als natürliche Schädlingsbekämpfer, die zum Beispiel einen winzigen Fadenwurm in Schach halten, der sonst die Wurzeln der Bananenstauden anfrisst. Die Plastiktüten über den Bananen sind hier mit einer Mischung aus Chili und Knoblauch imprägniert. Und selbst gegen den hartnäckigen Pilz Black Sigatoka haben sie nach jahrelanger Forschung ein Mittel gefunden, das auf kleiner Fläche funktioniert: eine Mixtur aus Mikroorganismen. All diese Methoden auf großen Plantagen umzusetzen, wäre jedoch teuer, zumal die Erträge im Bio-Anbau geringer sind.

Nur wenige Kunden kaufen Bio-Bananen

Bio-Bananen aus trockeneren Regionen gibt es schon jetzt in deutschen Supermärkten zu kaufen. Sie stammen vor allem aus der Dominikanischen Republik, Peru oder Ecuador. Dennoch kann keine Rede von einem großen Trend sein. Gerade einmal zehn Prozent aller Kunden kaufen hierzulande Bio-Bananen. Auch wenn viele Verbraucher in Umfragen behaupten, Wert auf Umwelt- und Arbeitsbedingungen in der Lebensmittelproduktion zu legen: Die meisten von ihnen greifen lieber zu billigen Bananen. Unabhängige Kontrollen auf Umweltstandards sind bei diesen Bananen indes Fehlanzeige. Die Kunden haben es in der Hand: Für ein paar Cent mehr an der Supermarktkasse haben der Umwelt- und Arbeiterschutz auf den Plantagen Lateinamerikas eine Chance.

aus der Sendung vom

Do, 20.3.2014 | 22:00 Uhr

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Donnerstags um 22.00 Uhr im SWR Fernsehen.