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SENDETERMIN Do, 21.5.2015 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Medizin Notfall Herzinfarkt

Plötzlich ein stechender Brustschmerz, kalter Schweiß, Atemnot - wenn das Herz nicht mehr genug Sauerstoff bekommt, zählt jede Minute.

Bei einem Herzinfarkt bekommt der Herzmuskel nicht mehr genug Sauerstoff, weil ein Herzkranzgefäß verstopft ist. Häufige Ursache: Blutfette und Bindegewebe, die sich im Gefäß ablagern und es verengen. Typische Symptome sind Brustschmerz, Engegefühl und Atemnot. Aber auch Übelkeit, Bauch- oder Rückenschmerzen können auf einen Infarkt hinweisen. Das macht die Diagnose manchmal schwierig - bei Frauen wird ein Infarkt übrigens öfter übersehen als bei Männern. Je nach Größe des betroffenen Herzbereichs gibt es schwere und leichtere Infarkte. Ein schwerer Infarkt, bei dem ein großes Herzkranzgefäß verstopft ist, lässt sich im Elektrokardiogramm, im sogenannten EKG erkennen.

Kleiner Eingriff mit großer Wirkung

Steht die Diagnose, muss die Verschlussstelle schnellstmöglich gefunden und wiedereröffnet werden. Das passiert in einem Herzkatheterlabor. Über eine Arterie am Handgelenk oder in der Leiste des Patienten schiebt der Arzt einen Katheter bis zum Herzen. Der Patient ist dabei in der Regel wach. Röntgenstrahlen und Kontrastmittel machen die Herzkranzgefäße und Engstellen sichtbar. Mit einem Ballonkatheter dehnt der Arzt dann verengte Stellen auf. Ziel: Das Blut soll schnellstmöglich wieder in die zuvor verschlossenen Bereiche des Herzens fließen. Danach setzt der Arzt eine kleine Metallstütze, einen sogenannten Stent ein, der das Gefäß langfristig offenhält. Ein scheinbar kleiner Eingriff - doch jeder Herzinfarkt ist lebensbedrohlich, und je größer das verstopfte Herzkranzgefäß ist, desto wahrscheinlicher kommt es zu Komplikationen.

Kurze Wege, kurze Zeiten

Der akute Herzinfarkt ist in Deutschland unter den Herz-Kreislauf-Erkrankungen die zweithäufigste Todesursache. Laut statistischem Bundesamt starben daran im Jahr 2013 bundesweit 52.044 Menschen. Beim Infarkt gilt: Zeit gleich Leben. Je länger der Herzmuskel unzureichend mit Sauerstoff versorgt ist, desto mehr Herzmuskelzellen sterben ab. Nach Ankunft des Notarztes sollten bis zum Wiedereröffnen des Gefäßes nicht mehr als 90 Minuten vergehen, so internationale Empfehlungen. Im Idealfall bringen Rettungsteams Infarktpatienten deshalb sofort in eine Klinik mit Herzkatheterlabor, wo das verstopfte Gefäß wiedereröffnet werden kann; und in der Klinik geht es dann - vorbei an Notaufnahme und Intensivstation - direkt auf den Kathetertisch. Auch das spart Zeit.

Geteilte Verantwortung

Krankenhaus, Notarzt und Rettungsdienst: Bei einem akuten Herzinfarkt muss das Zusammenspiel reibungslos sein. Denn nur dann können Zeiten kurz gehalten werden und nur dann hat der Patient eine Chance, den Infarkt ohne großen Schaden zu überstehen. Der Notarzt hat dabei eine Schlüsselrolle: Er muss einen möglichen Infarkt schnell erkennen - und die Weichen so stellen, dass der Patient sofort in eine Klinik mit Herzkatheterlabor kommt. Das Problem: Die Notarztversorgung bröckelt, vor allem in ländlichen Regionen. Leben oder Tod - zu einem Teil haben es die Patienten auch selbst in der Hand. Denn je länger sie bei typischen Herzinfarktsymptomen warten, bevor sie den Rettungsdienst informieren, desto gefährlicher wird es. Daher gilt: Bei Verdacht auf Herzinfarkt nicht zögern, sondern sofort den Notarzt rufen.