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SENDETERMIN Do, 13.9.2018 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Marode Autobahnen Neuartiger Asphalt – die Lösung?

Die Autobahnen sind überlastet und der Asphalt ist vielerorts marode. Deshalb reiht sich eine Baustelle an die nächste. Könnte neuartiger, langlebiger Asphalt eine Lösung für das Baustellen-Dilemma sein?

Immer mehr Verkehr

Die Wurzel des Übels ist aber das steigende Verkehrsaufkommen. Mittlerweile sind knapp 46 Millionen Pkw zugelassen. Dazu kommt der Schwerlastverkehr: Seit 1990 hat sich der Güterverkehr verdoppelt und in den kommenden 10 Jahren sollen es nochmal 40 Prozent mehr Lkw auf den deutschen Autobahnen werden.

Warum so viele kaputte Straßen?

Die Folge des steigenden Verkehrs: Es ist immer mehr Gewicht auf den Straßen und das macht sie kaputt. Vor allem die Lkw belasten die Straße.

Ein einziger 40 Tonnen schwerer Lkw verursacht so viele Schäden wie rund 60.000 Pkw. Dazu kommt: Die Autobahnen sind vielerorts überaltert. Die meisten Autobahnen wurden in den 1950ger Jahren gebaut. Ein Unterbau hält in der Regel 30 Jahre lang, der Fahrbahnbelag 10 bis 15 Jahre. Das Problem, die Schäden müssen vielerorts gleichzeitig beseitigt werden. Dazu kommt, dass viel Geld und Ressourcen in den Ausbau der Infrastruktur Ostdeutschlands geflossen sind. Das hat zu einem Sanierungsstau der Autobahnen in den alten Bundesländern geführt, sagt Prof. Ulf Zander von der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt).

Forschung für bessere Straßenbeläge

Dazu kommt, dass der alte Straßenbelag immer wieder verwendet wird. Das Problem dabei: darunter leidet das Bitumen im Asphalt. Das Erdölprodukt sorgt dafür, dass die Gesteine zusammenkleben. Wird es immer wieder verwendet, verliert es Klebfähigkeit. Deshalb forschen die Wissenschaftler an der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) wie man Bitumen elastischer, flexibler und klebfähiger machen kann.

Seit einigen Jahren setzen die Fachleute auf Polymere im Asphalt. Solche Straßenbeläge sind beispielsweise auf dem Testgelände der Bundesanstalt für Straßenwesen eingebaut. Polymere sind Bindemittel, die im Bitumen eine Netzstruktur entstehen lassen, um den Asphalt widerstandsfähiger und temperaturbeständiger zu machen.
Denn in Deutschland haben wir teilweise große Temperaturschwankungen, im Sommer heizt sich der Asphalt auf mehr als 60 Grad Celsius auf im Winter bei Bodenfrost muss er Minusgraden standhalten.

Der perfekte Straßenbelag

Deswegen experimentieren die Wissenschaftler an der Bundesanstalt für Straßenwesen mit verschiedenen Mischungen aus Bitumen und Asphalt. Die Bitumen-Polymere-Gemische sind im Schnitt 20 Prozent belastbarer, das heißt auf der Straße hält der Belag ungefähr 5 Jahre länger.

Die Forscher tüfteln noch an anderen Ideen - zum Beispiel eine Art Fußbodenheizung für die Straße.

Im Winter wird Wärme zugeführt, und so Eis- und Rissbildung verhindert. Im Sommer wird Wärme von der Deckschicht abgeleitet, der Asphalt bleibt kalt. Es entstehen weniger Spurrillen. Sinnvoll ist diese Technologie etwa vor und auf Brückenbauwerken oder an Steigungsstrecken, der flächendeckende Einsatz wäre zu teuer und der Aufwand zu hoch.

All die Lösungsansätze gewähren aber nur einen Aufschub. 6,6 Milliarden Euro wurden 2017 in Sanierung und Ausbau unserer Fernstraßen gesteckt, so viel wie nie zuvor. Ob diese Investitionen tatsächlich den Folgen des steigenden Lkw-Verkehrs entgegensteuern können? Eher unwahrscheinlich. Freie Autobahnen wie man sie Mitte des letzten Jahrhunderts hatte, die wird es wohl nicht mehr geben.