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SENDETERMIN Do, 27.11.2014 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

frag odysso Natur ohne Jagd

Was ändert sich in der Natur, wenn die Jagd eingestellt wird? Dieser Frage geht frag odysso-Reporter Axel Wagner im Nationalpark Schwarzwald nach.

Im Nationalpark Schwarzwald will der Mensch Natur Natur sein lassen, Tiere und Pflanzen können sich frei entfalten. Aber was passiert eigentlich in der Natur wenn auf die Tiere gar keine Jagd mehr gemacht wird? Im neu gegründeten Nationalpark hat Friedrich Burckhardt den Job des sogenannten "Wildtiermanagers" angetreten. Aber sollte das nicht ohne Beeinflussung des Menschen funktionieren? "Das ist richtig, aber wir wollen in den nächsten Jahren den Nationalpark noch ein bisschen mehr in Richtung Naturnähe entwickeln - also mehr Buchen, mehr Tannen", erklärt Friedrich Burckhardt, "und da spielen eben die großen Pflanzenfresser wie Hirsch und Reh eine ganz entscheidende Rolle". Hirsch und Reh fressen - neben Gras - auch die jungen Triebe der Bäume. Das Wild des Parks wird deshalb gejagt, sprich gemanaged, und das obwohl in einem Nationalpark eigentlich alle Arten geschützt werden sollen. Friedrich Burckhardt hält die Jagd für nötig, weil sich Hirsche und Rehe ohne Bejagung zu stark vermehren. In der Folge würden typische Schwarzwald-Baumarten wie die Weißtanne extrem abgefressen - und womöglich verschwinden.

Schutz für die Tanne

Der Wildtiermanager zeigt eine beispielhafte Verbiss-Situation. Eine Tanne mit Wipfeltriebverbiss, neben einer Fichte nahezu ohne Verbiss. "Das liegt in erster Linie daran, dass die Tanne hier in der Gegend relativ selten ist", erläutert Friedrich Burckhardt, "und es ist wie bei kleinen Kindern - man isst immer das am liebsten, was selten ist". Wenn der Verbiss-Druck durch noch mehr Rehe und Hirsche weiter steigt wird die Tanne im nächsten Stadium nicht mehr aufwachsen und schließlich ganz verschwinden. Die Weißtanne, ursprünglich eine natürliche Baumart des Schwarzwaldes, ist auf dem Gebiet des Nationalparks vergleichsweise selten. Daher muss sie ebenso wie die Vogelbeere durch die Wild-Bejagung indirekt geschützt werden. "Das Waldbild würde sich hier, wenn wir die Jagd einstellen, mit Sicherheit ändern", davon ist der Wildtiermanager überzeugt.

Doch warum muss der Mensch regulierend eingreifen? Früher waren große Raubtieren wie der Bär und der Luchs zahlreich in den Wäldern vertreten und haben maßgeblich dazu beigetragen, dass die Anzahl des Schalenwildes, also der Pflanzenfresser, vergleichsweise gering war.

Erst in ein paar Jahrzehnten werden die jungen Tannen groß genug sein, dass ihnen der Verbiss durch Rehe und Hirsche nichts mehr ausmacht. Um den ungeliebten und künstlich eingeführten Wirtschaftsbaum Fichte kurz zu halten, damit die eigentlich heimischen Tannen Platz zum Wachsen haben, wird noch die Motorsäge eingesetzt.

Jagd und Kulturlandschaft

Wo sich im Nationalpark die begehrten Tannen bereits durchgesetzt haben, wird die Jagd heute schon reduziert und die Hochsitze entfernt. Die Jagd hat das Wild zu scheuen Waldflüchtern gemacht. "An den meisten Wiesen steht so ein Hochsitz", sagt Wildtiermanager Friedrich Burckhardt, "das heißt, die Tiere verbinden diese Wiese meistens mit der Gefahr." Wenn an diesen Orten die Jagd eingestellt wird, dann werden Hirsche und Rehe auch vermehrt diese Wiesen als Nahrungsquelle nutzen und dadurch den gesamten Wald entlasten. Damit besteht auch die Chance, diese dann viel weniger scheuen Wildtiere auch tagsüber beobachten zu können.

Außerhalb des Nationalparks wird der Wald jedoch als Holzlieferant genutzt, und es gibt keine Zäune die das Wild aufhalten könnten. Für Wildtiermanager Friedrich Burckhardt ein heikles Thema. "Alles was wir hier mit Wildtieren machen beziehungsweise nicht machen", so Burckhardt, "wird direkte Auswirkungen auf das Kulturland haben."

Eine Natur ohne Jagd kann also nur unter der Bedingung realisiert werden, dass dies in Absprache mit den Menschen geschieht, die die Kulturlandschaften bewirtschaften.

aus der Sendung vom

Do, 27.11.2014 | 22:00 Uhr

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Donnerstags um 22.00 Uhr im SWR Fernsehen.