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Schwarzwaldlandschaften im Dunst

SENDETERMIN Do, 23.5.2019 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

frag odysso mit Axel Wagner Nationalpark-Check - Wie gut sind unsere Naturschutzgebiete?

Können die beiden neu gegründeten Großschutzgebiete „Nationalpark Schwarzwald“ und „Nationalpark Hunsrück-Hochwald“ die Anforderungen des Naturschutzes mit den Interessen des Menschen überhaupt in Einklang bringen?

Vor fünf Jahren wurde der Nationalpark Schwarzwald eröffnet, und im Jahr darauf der Nationalpark Hunsrück-Hochwald. Sie gelten als Prestigeprojekte des Südwestens, und waren doch beide umstritten.

Widerstand ist heute kaum mehr spürbar

Im Vorfeld gab es großen Widerstand gegen die Gründung der Parks. Einmal von Anwohnern und zum anderen von Vertretern der Forst und Holzwirtschaft. Diese befürchteten, dass das das Totholz, das dort unberührt liegen bleibt, Borkenkäfer anlockt und eine neue Plage auslöst. Bisher ist die große Flut des Borkenkäfers jedoch ausgeblieben. Holz - und Forstwirtschaft und Anwohner scheinen ihren Frieden mit dem Konzept der Nationalparks geschlossen zu haben. Dazu kommt, dass die Marke Nationalpark natürlich als Tourismus-Magnet funktioniert. Das freut auch Hoteliers oder Gastronomen in der Region.

Mörschieder Burr im Nationalpark Hunsrück-Hochwald

Bei der Bevölkerung kommen Nationalparks - wie hier das Naturschutzgebiet Mörschieder Burr im Nationalpark Hunsrück-Hochwald - in der Regel gut an.

Hat sich die Einrichtung der Nationalparks gelohnt?

Ob sich das Experiment Nationalparks als Schutzzonen festzulegen tatsächlich bewährt, kann man heute noch gar nicht beurteilen. Das ist erst nach einem weit größeren Zeitraum möglich. Wenn sich die Natur in hundert oder hundertfünfzig Jahren den Raum wirklich zurückerobert hat.

Die Stärke unserer Nationalparks liegt im Kleinen

Während man in Afrika, Asien oder Nordamerika in riesigen Nationalparks schützenswerte Arten wie zum Beispiel Grizzlybären findet, gibt es bei uns eben kleinere seltene Arten der Region: zum Beispiel den Auerhahn, den Schwarzstorch, den Dreizehenspecht.

Auerhahn zwischen Heidelbeersträuchern in einem Waldstück im Südschwarzwald

Auerhahn zwischen Heidelbeersträuchern in einem Waldstück im Südschwarzwald

Die Natur beginnt die Rückeroberung

Als erstes beginnt sich der Mikrokosmos zu verändern. So hat sich zum Beispiel die sogenannte zitronengelbe Tramete, ein seltener Pilz, der vor allem auf Totholz lebt, wieder angesiedelt. Denn in den Nationalparks liegt nun immer mehr Totholz, da das Holz von der Forstwirtschaft nicht mehr genutzt wird. Diese Bedingungen ziehen dann seltenere Pflanzen oder Pilze an.

Das Miteinander von Mensch und Natur spielt sich ein

Es gibt allerdings einige Bereiche in den Nationalparks, in denen die Natur nicht diese idealen Bedingungen vorfindet, da die Menschen den Park auch nutzen wollen. Die Parkverwaltung bittet die Besucher daher auf den Wegen zu bleiben. Um den Bedürfnissen vieler Menschen nachzukommen, werden nun gezielt auch Gebiete ausgewiesen, in denen Blaubeeren gesammelt und Pilze gepflückt werden können.

Dreizehen-Specht (Picoides tridactylus)

Der Dreizehen-Specht (Picoides tridactylus) profitiert durchaus von einem geschützten Lebensraum.

Axel Wagner mit Tipps für den Besuch der Nationalparks:

Großartig ist es sicherlich im Schwarzwald morgens früh um sieben Uhr am wilden See zu stehen und einfach mal der Natur zu lauschen und sich anzusehen, wie sie sein kann, wenn der Mensch draußen bleibt.

Im Hunsrück gibt es wunderschöne alte Buchenwälder zu bewundern und ganz besonders eindrücklich ist es dort im Herbst, wenn man die Hirsche röhren hören kann.