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SENDETERMIN Do, 11.12.2014 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Winter Mythos Erkältungsmedikamente

Tipps gegen Erkältung gibt es viele. Sie reichen von Glühwein oder Cognac bis zu Senfmehl, Hühnerbrühe und einem warmen Bier. Wenn es ernst wird, greifen die meisten Menschen allerdings zu Heilmittel. Was hilft wirklich bei einer Erkältung?

Hausmittelchen hin, Hausmittelchen her. Die Deutschen geben über eine Milliarde Euro jährlich für Erkältungsmittel aus - darunter Kombipräparate, ätherische Öle und Salben, Bäder, Tees und Pflanzenextrakte. Das SWR-Odysso-Team hat gängige Mittel eingekauft und vom Institut Pharmafacts in Freiberg prüfen lassen. Hier bewertet die Pharmazeutin Dr. Judith Günther im Auftrag der Stiftung Warentest die Wirksamkeit von Medikamenten.

Erkältungstees

Erkältungstees schneiden im Urteil der Expertin gar nicht so schlecht ab. Insgesamt kommen die Experten von Pharmafacts und damit die Stiftung Warentest auf ein "Mit Einschränkungen empfehlenswert". Fachfrau Günther begründet das Urteil so: "Es gibt für die Bestandteile in diesen Tees viel Erfahrungswissen, was auch dokumentiert ist. Diese ganzen Dokumentationen entsprechen natürlich nicht den heutigen Vorstellungen, wie man einen Beweis führen muss. Aber man weiß, dass die Tees bei Erkältungskrankheiten häufig eingesetzt worden sind, und man hat diese Erfahrung damit." Allerdings sei es vor allem wichtig, viel Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Wer lieber was Kaltes trinkt, der solle dies ruhig tun.

Unser Fazit: Erkältungstees sind nicht notwendig, um eine Erkältung zu bekämpfen. Wichtig ist nur, reichlich zu trinken.

Echinacea und Zink (Immunstimmulanzien)

Besonders beliebt ist seit Jahren ein Pflanzenextrakt aus dem Sonnenhut: Echninacea. Echninacea soll die Immunabwehr stärken. Immerhin gibt es über die Wirksamkeit von Echinacea-Extrakten oder dem neuen Modemittel Zink eine Reihe wissenschaftlicher Arbeiten. Solche Studien wertet Pharmakologin Günter kritisch aus. Denn nicht immer sind sie gut gemacht, oder sie kommen zu widersprüchlichen Ergebnissen. Manchmal ist das Resümee der Expertin ernüchternd, wie im Fall der Echinacea-Präparate. Früher sei empfohlen worden, sie prophylaktisch einsetzen oder als Kur bevor die Erkältungszeit kommt. Doch "es gibt überhaupt keine Beweise, dass dieses Mittel wirksam ist. Wenn man es zur Behandlung einsetzt, sind die Daten sehr unterschiedlich", sagt Günter. Bestenfalls ließe sich eine Erkältung um maximal einen Tag verkürzen, besagen die Studien. Ähnliches gilt für Zink-Lutschtabletten. Ob sich also die Einnahme der Präparate wirklich lohnt, muss jeder selbst entscheiden. Bei Stiftung Warentest kommen Echinacea-Präparate auf ein "Mit Einschränkungen empfehlenswert".

Unser Fazit: Echinacea-Extrakte und Zink können helfen, müssen es aber nicht. Zur Vorbeugung sind die Mittel anscheinend nicht brauchbar.

Ätherische Öle - zum Einreiben, Inhalieren und Baden

Frau in Mütze und Schal putzt sich die Nase

Eukalyptusöl, Pfefferminzöl oder Kiefernnadelöl: Ätherische Öle können das Atmen erleichtern oder helfen den Schleim abzutransportieren. Verabreicht werden die ätherischen Öle, als Salbe, Balsam zum Auftragen oder als Badezusatz. Für viele Menschen gelten die Dämpfe als wohltuend. Doch leider bekämpfen sie nur Symptome, sagt Expertin Günther. "Wenn sie darauf abstellen möchten, dass es zu einer Verkürzung der Krankheitsdauer kommt, dann können das diese Mittel nicht. Dazu gibt es auf jeden Fall keine Daten. Sondern sie sind rein symptomatisch wirksam. Also das Empfinden wird verbessert, aber die Erkältung wird nicht dadurch verkürzt." Die Stiftung Warentest kommt deshalb für die meisten Produkte auf ein "Mit Einschränkungen geeignet". Pharmakologin Günther warnt jedoch vor Mitteln mit mehr als drei Wirkstoffen wie etwa Tigerbalsam oder Wick Vaporup. "Je mehr Wirkstoffe einem Mittel zugesetzt sind, desto höher ist auch die Gefahr, dass sich Allergien entwickeln." Stiftung Warentest kommt hier auf ein "Wenig geeignet".

Unser Fazit: Wer es mag, darf baden oder einreiben. Aber Finger weg von zu vielen Wirkstoffen auf einmal.

Grippemittel (Kombipräparate)

Wir besuchen drei Freiburger Apotheken. Großflächig werden hier Grippemittel beworben. Grippemittel, das sind Kombipräparate, die alle Erkältungssymptome gleichzeitig behandeln wollen. Ganz anders als die ausgehängte Werbung ist die Auskunft der Apothekerinnen. Individuelle Beratung sei wichtig, so ihre Einschätzung und die Grippemittel seien nicht generell zu empfehlen. Anders die Erfahrung einer Passantin in der Fußgängerzone: "Wenn man in einer Apotheke sagt, ich bin krank, gibt’s entweder Grippostad oder Aspirin Complex." Beides Kombipräparate, von denen Expertin Günther nur abraten kann: "Da sind Schmerzmittel enthalten. Da sind Mittel enthalten, die die Gefäße verengen sollen. Dadurch soll die Nase frei werden. Da sind Mittel enthalten, die den Husten verbessern sollen. Manchmal sind auch Mittel enthalten, die müde machen." Oder eben wach! Zwar klingt das Versprechen der Kombimittel-Hersteller verlockend, alle Symptome gleichzeitig mit einem Mittel zu behandeln. Doch gerade darin liegt eben auch der Haken: In der Regel tauchen die Symptome nicht gleichzeitig auf. Man schluckt also unter Umständen ein Schmerzmittel, ohne Schmerzen zu haben. Auf diese Idee würde bei einem Einzelpräparat niemand kommen. Stiftung Warentest vergibt für Kombipräparate durchgehend ein "Wenig geeignet".

Unser Fazit: Finger weg von den Kombigrippemitteln. Sie sind teuer und behandeln blindlings Symptome, die oft gar nicht vorhanden sind. Damit verbundene Nebenwirkungen können aber auftreten.

Die Freiburger Experten haben ein paar Tipps abseits von Pharmaprodukten und Heilmittel auf Lager. Entscheidend seien eine gesunde Ernährung und eine richtige Kleidung. "Ich bin viel draußen. Das hilft mir mehr als alles andere", sagt Günter.