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SENDETERMIN Do, 12.12.2013 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Mundhygiene Zahnpflege im Altenheim

Früher hatten alte Menschen oft nur noch wenige Zähne im Mund. Das ist heute anders. Senioren besitzen mehr eigene Zähne, haben Implantate oder aufwendigen Zahnersatz. Die erforderliche Mundhygiene stellt neue Anforderungen an Altenpfleger und Zahnärzte.

Eine alte Dame auf dem Zahnbehandlungsstuhl

Morgens in einem Altenheim. 40 Patienten warten auf den Ulmer Zahnarzt Dr. Elmar Ludwig und seine Assistentin. Erste Patientin an diesem Morgen ist eine alte Dame, die über eine Druckstelle an ihrer Prothese klagt. Dies kann der Zahnarzt leicht beheben, aber die Patientin hat ein viel grundsätzlicheres Problem: Seit sie an beiden Händen eine Gelenkarthrose hat, kann sie ihre Zähne und Implantate nicht mehr richtig reinigen.

Kein Einzelfall. Denn es ist längst nicht mehr so, dass die meisten älteren Menschen zahnlos sind. Heute haben viele Senioren deutlich mehr Zähne, Implantate und aufwendigen Zahnersatz als früher. Das bringt Altenpflegekräfte nicht selten an die Grenzen des Machbaren, denn laut Pflegeschlüssel müssen fünf Minuten für die Hilfe bei der täglichen Mundhygiene ausreichen.

Dr. Ludwig entfernt also für die Patientin Beläge und Zahnstein. Aber das ist keine Lösung auf Dauer. Schon bald wird wieder alles beim Alten sein, wenn bei der Patientin keine gute Mundhygiene sicher gestellt werden kann.

Schlechte Mundhygiene schafft gesundheitliche Probleme
Zahnarzt Ludwig trifft bei seinen Hausbesuchen in Altenheimen oft auf schlimme Zustände. Denn über kurz oder lang führen Keimbeläge, die nicht entfernt werden, zu Karies und Parodontose, aber auch zu Schmerzen, Pilzinfektionen und starkem Mundgeruch. Lautes Zähneknirschen, Pressen oder das Verweigern von Nahrung können die Folge sein. Wegen der unangenehmen Geräusche und Gerüche werden Betroffene oft von ihren Mitmenschen gemieden und geraten so in die Isolation.

Obendrein ist der Mund eine wichtige Eintrittspforte für Krankheitskeime. Gelangen diese zum Beispiel in die Atemwege, können sie dort zu einer Lungenentzündung führen. Auch das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen und Diabetes steigt unter solchen Verhältnissen.

Tipp
Wer mit der Mundhygiene pflegebedürftiger Angehöriger überfordert ist, sollte sich an einen Zahnarzt wenden. Die Landeszahnärztekammer in Baden-Württemberg bietet im Internet eine Suche an, mit der sich über die Postleitzahl Praxen in der Nähe finden lassen. Einige Zahnärzte geben dort an, ob auf die Behandlung von Behinderten und pflegebedürftigen Senioren spezialisiert sind. Hilfesuchende können sich außerdem an die Senioren- und Behindertenbeauftragten ihres Kreises wenden.



Fortbildungen für Pflegekräfte
Um Abhilfe zu schaffen, hat Zahnmediziner Ludwig mit einigen Kollegen und der Landeszahnärztekammer in Baden-Württemberg ein Fortbildungskonzept für Altenpfleger erarbeitet. Dort lernen Pflegekräfte zum Beispiel, wie sich Zahnprothesen mit komplizierten Halteelementen aus dem Mund entfernen lassen und wie man einer anderen Person am effektivsten die Zähne putzt. So konkret und praktisch ist dies bisher in keiner Altenpflegeausbildung Thema.

Dass Pfleger nach einer solchen Schulung besser für ihren Alltag gewappnet sind, hat eine Studie gezeigt. Allerdings müssen die Pfleger bei jedem einzelnen Pflegebedürftigen eine einführende Beratung erhalten. Denn die Zahnsituation jedes Patienten ist genauso individuell wie die erforderliche Mundhygiene.

Hausbesuche stellen Zahnärzte vor Probleme
Bislang hingen solche individuellen Beratungen vom guten Willen der Zahnärzte ab, berichtet Ludwig. Denn abrechnen können Zahnärzte die Beratung nicht. Überhaupt stünden Hausbesuche bei Pflegebedürftigen oft in keinem angemessenem Verhältnis zur gebotenen Wirtschaftlichkeit einer Praxis, urteilt Ludwig.

Ein anderes Problem: Die zahnärztlichen Möglichkeiten außerhalb einer Praxis sind sehr eingeschränkt. Bei Hausbesuchen in Pflegeheimen geht es deshalb vor allem um die Frage: Was lässt sich vor Ort behandeln und wer sollte per Krankentransport in die Praxis oder Klinik gebracht werden. Hygienestandards wie in einer Praxis lassen sich bei Hausbesuchen nicht einhalten. Deshalb befinden Zahnärzte sich dabei immer in einer juristischen Grauzone und müssen sehr genau überlegen, was sie beim Hausbesuch machen.

Eine gute zahnärztliche Versorgung im Alter zu gewährleisten, bedeutet für Gesetzgeber und Gesellschaft eine große Herausforderung, sie wird aber früher oder später für jeden Menschen wichtig.