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SENDETERMIN Do, 13.6.2019 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Blut-Untersuchung Deshalb sind Bluttests nicht immer zuverlässig

Für viele Ärzte sind Bluttests wichtig, um zu einer Diagnose zu kommen. Doch sie sind nicht immer zuverlässig: Das zeigt eine Analyse von fünf identischen Proben in fünf unterschiedlichen Laboren.

Bei fünf identischen Blutproben müssten identische Ergebnisse herauskommen - das sagt jedenfalls der gesunde Menschenverstand. Für einfache Parameter wie Eisengehalt oder Zuckerwerte mag das stimmen. Kompliziert wird es jedoch bei selteneren Krankheiten.

Bei Kollagenosen zum Beispiel: Diese gehören zu den entzündlich-rheumatischen Erkrankungen. Das Immunsystem bildet Antikörper gegen körpereigene Zellen. Ein Hinweis auf eine derartige Erkrankung sind die so genannten ANAs, antinukleäre Antikörper im Blut.

Fünf Labore - fünf verschiedene Ergebnisse

Für einen Test wurden zwei Patientinnen in ihrer Hausarztpraxis je fünf identische Blutproben entnommen und zur Analyse der ANAs in fünf Labore geschickt. Das Ergebnis: Zehn unterschiedliche Ergebnisse, zum Teil mit gravierenden Abweichungen nach oben und nach unten. Übersetzt in Worte schwankten die Ergebnisse von "da könnte was sein" bis zu "sehr hoch und krank".

Die Patientinnen waren irritiert, denn für den Hausarzt sind derart breit gestreute Ergebnisse wenig hilfreich. Experten kritisieren, dass schlimmstenfalls falsche Medikamente gegeben oder Medikamente überdosiert werden. Anders herum können tatsächlich erkrankte Menschen durch die Maschen der Tests rutschen, die Erkrankung bleibt unentdeckt und somit unbehandelt.

Patientinnen in der Arztpraxis

Die ungenauen Testergebnisse irritieren die Kollagenose-Patientinnen

Im Fall einer der Kollagenose-Patientin führte die Fehldiagnose zu einer Herz- und Nieren-Insuffizienz. Die Lebenserwartung der ehemaligen Leistungssportlerin ist um etliche Jahre verkürzt.

Die Testmethoden sind nicht einheitlich

Bluttests sind Medizinprodukte, keine Arzneimittel. Sie werden zwar auch geprüft. Doch sie müssen kein so strenges Zulassungsverfahren durchlaufen, wie beispielsweise ein neues Medikament. Auf dem Markt sind tausende unterschiedlicher Tests von verschiedenen Herstellern. Und mehrere unterschiedliche Testverfahren.

Vor allem für frisch erkrankte Patienten, die zur ersten Diagnose ihren Hausarzt aufsuchen, kann das zum Problem werden. Denn die meisten Ärzte haben ein Labor in der Nähe, dem sie ihre Proben anvertrauen.

Für die unterschiedlichen Testergebnisse gibt es gleich mehrere Gründe: Unterschiedliche Schwellenwerte in den einzelnen Laboren, außerdem unterschiedliche Testmethoden und verschiedene Tests. Bei bestimmten Tests spielt auch die Genauigkeit des Laborpersonals eine Rolle.

Blutproben im Labor

Wenn Labore unterschiedliche Testverfahren verwenden, können auch die Testergebnisse unterschiedlich ausfallen.

Bluttest allein nicht aussagekräftig

Der Missstand der fehlenden objektivierbaren Standards ist unter Fachleuten bekannt. Experten wie der Münchner Rheumatologe Prof. Hendrik Schulze-Koops kritisieren, dass viele Mediziner zu sehr auf Laborwerte vertrauen und zu wenig das Gespräch mit dem Patienten suchen: „Die Diagnose einer rheumatischen Erkrankungen soll zu 85 Prozent durch das ärztliche Gespräch erfolgen, zu 15 Prozent über die körperliche Untersuchung, bildgebende Verfahren und Labortests. Ein Bluttest allein ist nicht aussagekräftig. Und man sollte unbedingt einen zweiten Test hinterher schieben.“

Bluttests oder auch In-vitro-Diagnostika (IVD) werden nicht zentral erfasst. Deshalb kann nicht genau bestimmt werden, wie viele jährlich neu auf den Markt kommen. Sie müssen kein Zulassungsverfahren mit klinischen Studien durchlaufen. Das soll sich zwar ändern, allerdings erst im Jahr 2022, wenn die entsprechende neue EU-Richtlinie greift.