Bitte warten...

SENDETERMIN Do, 27.9.2018 | 21:00 Uhr | SWR Fernsehen

Mikroplastik in Lebensmitteln Folgen für uns? Ungewiss!

Fisch und Meerestiere gelten als Inbegriff gesunder Ernährung. Doch in den Meeren sammelt sich Mikroplastik, das sich in marinen Lebewesen anreichert. Macht uns das krank?

Woher stammt das Mikroplastik?

Ein Teil davon stammt vom Reifenabrieb von Autos und anderer aus Kosmetikprodukten: Hier dient es etwa zur Verbesserung der Fließeigenschaften, die solche Mittel noch angenehmer für Haut und Haar machen. Winzigste fast unsichtbare Plastikteilchen, die als Inhaltsstoffe wie etwa Polyquarternium auf der Verpackung geführt werden. Schon 2014 versprach die Industrie auf Mikroplastik zu verzichten, doch daraus wurde nichts. Die Plastikpampe fließt weiter bis ins Meer. Ein Skandal für unsere Umwelt, der von Verbänden wie Greenpeace seit Jahren kritisiert wird. Sandra Schöttner von Greenpeace: „Die meisten Hersteller definieren Mikroplastik nur als feste Partikel teilweise nur als Polyethylen. Es gibt aber viele andere Kunststoffe wie zum Beispiel Nylon, Polyquaternium, Polyacryl, die auch Kosmetik und Körperpflegeprodukten beigemischt werden durch die ganze Produktpalette hindurch. Und dieses Mikroplastik ist nach wie vor in unseren Produkten das heißt die Hersteller verstecken sich hinter der Selbsterklärung, die sie mit der Regierung vereinbart haben. Sie bezeichnen sich als mikroplastikfrei, sie verwenden aber nach wie vor viel Mikroplastik in ihren Produkten. Das Problem hat sich lediglich verschoben, es ist nicht gelöst.“

Plastik steckt in vielen Fischen

Jeden Tag fließen Tausende Tonnen Plastikpampe durch den Abfluss in die Kanalisation. In der Kläranlage wird nicht alles herausgefiltert. Ein Teil des Plastiks verbleibt im Wasserkreislauf und landet so schließlich im Verdauungstrakt von Meerestieren. Dazu Sandra Schöttner: „Kleinste Mikropartikel wurden tatsächlich schon von Wissenschaftlern in der Nahrungskette im Meer gefunden. Vom kleinsten Plankton bis zum größten Wal und dazwischen vor allem das ist besonders wichtig, sämtliche kommerziell genutzte Speisefischarten: Makrele, Thunfisch, Kabeljau, aber auch Muscheln und Garnelen waren darunter.“

Was macht das mit lebenden Organismen?

In Wasserflöhen untersucht der Biologe Werner Kloas die Wirkung des Mikroplastiks auf lebende Organismen und somit auch auf den Menschen. Denn Plastik enthält oft gefährliche Substanzen wie etwa Weichmacher und deren problematische Begleiter, etwa Bisphenol A. Mit Hilfe von Krallenfröschen untersucht Werner Kloas die Folgen von Kunststoffpartikeln auf im Wasser lebende Wirbeltiere. Seine Experimente reichen vom erwachsenen Krallenfrosch, bis zum Larvenstadium. Denn die jungen Frösche filtern als Kaulquappen das Wasser, um so an Mikroorganismen zu gelangen. Seine Versuche zeigen, dass sie dabei auch feine Plastikteilchen aufnehmen. Werner Kloas: „Mikroplastikpartikel die kleiner als ein Mikrometer sind werden voll allen Organsimen aufgenommen von allen Gliedern der Nahrungskette. Das heißt, wenn wir Fisch aufnehmen und essen werden wir mit diesem Mikroplastik belastet, weil wir das ebenso das dann über den Magendarmtrakt aufnehmen.“

Mikroplastik steckt auch im Boden

Hat es dort einen Effekt auf die Pflanzen? Abel Machado erforscht, wie Plastik auf Salat und Gemüse wirkt. Dazu züchtet der Umweltwissenschaftler Pflanzen in Nährlösungen, in denen auch Plastikpartikel enthalten sind. Abel Machado: „Die Mikroplastik-Pflanzen zeigen Zeichen von Stress. Sie sind weniger grün und kleiner als die anderen Pflanzen und sie haben ein Problem mit dem Wasserhaushalt.“ Was passiert, wenn wir solche Salatpflänzchen essen? Schadet das Plastik unserer Gesundheit?

Abel Machado: „Wir wollen wissen, ob es hier nur mir der Wurzel von außen interagiert oder ob das Plastik wirklich reingeht um den Effekt auf die Blätter auszulösen. Aus unseren Experimenten haben wir strenge Hinweise, dass die Partikel eng mit der Wurzel wechselwirken.“ Unter dem Mikroskop wird es noch deutlicher. Hellgrün steht für Plastik. Es dringt tatsächlich in die Pflanzen ein, so scheint es. Abel Machado wird seine Versuche weiter ausbauen. Welche Schäden nun die feinen Plastikpartikel in unserem Körper anrichten ist ungewiss.

Mikroplastik erobert die Umwelt, wie sehr es dem Menschen über die Nahrung gefährlich wird, ist im Moment noch unklar.

Buch

Heike Schröder

Plastik im Blut: Wie wir uns und die Umwelt täglich vergiften

Verlag:
VAK Verlag, 2017
Genre:
Sachbuch
Länge:
158 Seiten
Bestellnummer:
9783867312004
aus der Sendung vom

Do, 27.9.2018 | 21:00 Uhr

SWR Fernsehen

Das neue Odysso-Logo von 2019

Sendezeit

Donnerstags um 22.00 Uhr im SWR Fernsehen.