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Biene in einer Vollblüte in Mannheim

SENDETERMIN Do, 11.10.2018 | 21:00 Uhr | SWR Fernsehen

Mensch gegen Biene Das Bestäubungsexperiment

Gäbe es ohne Bienen noch Äpfel?

Was, wenn es keine bestäubenden Insekten mehr gäbe? Wenn Wildbienen & Co. einfach verschwänden? Wäre dann der Ertrag unserer Kulturpflanzen gefährdet? Odysso macht in einer Apfelplantage in Unterteuringen am Bodensee die Probe aufs Exempel.

Obstparadies ohne bestäubende Insekten?

Der Obstbauer Markus Marschall und die Landschaftsökologin Alexandra-Maria Klein haben das Experiment auf dem Zeppelinhof geplant. Hier stehen über 100.000 Apfelbäume, die auf Bestäuber angewiesen sind.

Was würde passieren, wenn in Süddeutschlands Obstparadies die Insekten als Bestäuber ausfielen? Was, wenn es keine bestäubenden Insekten mehr gäbe? Wenn Wildbienen & Co. einfach verschwänden? Wäre dann der Ertrag unserer Kulturpflanzen gefährdet?

Apfelbäume werden in Isolierzelte gepackt

Anfang April 2018 "verpackt" das Team zehn Apfelbäume. Ziel der Aktion ist, sämtliche Insekten von den Blüten fernzuhalten. Dafür hat Obstbauer Markus Marschall ausgediente Wasserrohre organisiert, über die ein Netz gespannt werden soll. Die Blütezeit steht kurz bevor, das Netz kommt über die Bäume. Der Zeltbau macht zwar zusätzlich Arbeit, aber das ist es dem Obstbauern wert.

2017 sind die Blüten hier erfroren – im Frühjahr 2018 sprießen die Knospen im Überfluss. Die Isolierzelte stehen und die Maschengröße des Netzes ist optimal; hier werden die Insekten keinen Durchgang finden. Allerdings kann der Wind den Pollen noch durchschleudern: Apfelbaumblüten können auch nur durch Wind bestäubt werden.

Aufbau des Experimentes

Drei unterschiedliche Parzellen werden eingerichtet, die farblich gekennzeichnet sind.

Keine Bestäubung – Bestäubung durch Insekten – Handbestäubung

Ein rotes Schild für eine Parzelle, in der keine Bestäubung stattfinden soll. Eine Parzelle mit gelbem Schild, wo die Bestäubung der Insekten gewollt ist. Und letztlich die Handbestäubung. Hier werden alle Blüten voll bestäubt, diese Parzelle wird grün.

Sollten am Ende in der grünen Parzelle mehr Äpfel herauskommen mit einer hohen Qualität, dann bedeutet das, dass es hier am Bodensee nicht genug Bienen gibt. Dann wäre die Handbestäubung besser als das, was die Natur zustande bringt. Kann das sein? Für die Marschalls zählt der Ertrag: "Wenn ich eine Biene sehe pro Baum, das reicht. Ich sag es jetzt mal knallhart: Es gibt Äpfel auch ohne Bienen!"

6:51 min | Do, 11.10.2018 | 21:00 Uhr | SWR Fernsehen

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Das Bestäubungsexperiment (Teil 2)

Das Bestäubungsexperiment (Teil 2)

Odysso

Der Zeppelinhof ist ein ganz normaler Bauernhof in Unterteuringen am Bodensee. Hier stehen über 100.000 Apfelbäume. Doch für ein paar Monate ist er Schauplatz des Odysso-Bestäubungsexperimentes.

Wie viele Haare hat die Biene?

Alexandra-Maria Klein ist Professorin für Naturschutz und Landschaftsökologie an der Uni Freiburg. Sie geht in ihrer Forschung vor allem einer Frage nach: Wie kann Biodiversität, also die Vielfalt von Pflanzen und Tieren in Kulturlandschaften, dauerhaft erhalten werden? Das ist Grundlagenforschung. Welche Blüten bestäuben Honigbienen bevorzugt? Wie machen das im Vergleich die Wildbienen?

Um herauszufinden, welche Art besser bestäubt, muss die Biologin schon mal die Haare der Bienen zählen. Denn an Haaren bleibt der Pollen kleben. Wildbienen sind hier die klaren Sieger. Diese Untersuchungen sind aufwendig und langwierig.

Eine Stunde Handbestäubung pro Baum

Für die Bestäubung per Hand hat Alexandra-Maria Klein ihre Doktorandin mitgebracht. Zunächst gilt es, Pollen an Bäumen zu sammeln, die nicht zum Experiment gehören. Damit bestäuben die beiden die Blüten der isolierten Apfelbäume von Hand.

Ganz in der Nähe befindet sich ein Insektenhaus. Gleich mehrere solcher Häuser für Wildbienen hat Bauer Marschall am Rand seiner Plantage gebaut. Der Vorteil der Wildbienen gegenüber den Honigbienen: Die Wildbienen fliegen auch bei schlechterem Wetter oder wenn es windiger ist. So können sich beide Arten ergänzen.

Die Handbestäubung dauert pro Baum eine Stunde! Auf den Mindestlohn eines Erntehelfers umgerechnet würden auf der Plantage Mehrkosten von rund einer Million Euro entstehen. Wenn das ganze Bodenseegebiet mithilfe von Erntehelfern bestäubt werden müsste, wären 382 Millionen Euro fällig!

Eine gehörnte Mauerbiene sitzt am  auf einem Balkon auf Vergissmeinnicht-Blüten und sammelt Nektar

Wildbienen wie die Gehörnte Mauerbiene haben mehr Haare als Honigbienen. Das ist beim Bestäuben von Vorteil, denn an Haaren bleibt der Pollen besser kleben.

Das Ergebnis

Bislang vertraut Obstbauer Marschall auf seine Honigbienen. "Die kommen halt in Massen. 10.000 Flugbienen fliegen jeden Tag raus, wenn das Wetter schön ist, wir haben 3.000 Bäume auf dem Hektar. Wenn sie nur auf die Bäume fliegen zum Befruchten, haben wir an jedem Baum drei Bienen! Und das reicht aus!“

Aber die Wildbienen fliegen viel mehr hin und her zwischen den Sorten. Deswegen sind die Wildbienen so wichtig: Sie sind effektiver pro Blütenbesuch.

Die Wochen vergehen. Der Sommer ist heiß, von Regen keine Spur. Im September beginnt die Erntezeit. Wie sieht die Bilanz unseres Experiments aus?

a) Handbestäubung

Die Handbestäubung hat zu extrem vielen Äpfeln geführt. Doch die meisten sind zu klein für den Markt und können nur noch zu Saft gepresst werden. Ein Verlust für Obstbauer Marschall. Die Handbestäubung in der grünen Parzelle brachte rund 70 Prozent mehr Ertrag – allerdings von schlechterer Qualität.

b) Bestäubung nur durch Wind

In der roten Parzelle gab es weder Insekten- noch Handbestäubung. Die Äpfel sind ziemlich groß. Es könnten aber ein paar Kilo mehr sein. Die reine Windbestäubung, rot, brachte insgesamt zu wenig Äpfel: Ein Minus von 30 Prozent.

c) Bestäubung durch Insekten

Die gelbe Parzelle war die beste – dort also, wo die Insekten freien Zugang hatten. Die Bienen haben es am besten gemacht. Und besonders effektiv ist es, wenn Honig- und Wildbienen zusammenarbeiten. Die Natur kann es eben doch am besten.