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SENDETERMIN Do, 17.9.2015 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Geflügelhaltung Mehr Bewusstsein für Geflügel

In der Geflügelhaltung gab es in den letzten Jahren Verbesserungen. So ist die Käfighaltung von Legehennen mittlerweile verboten. Doch für das Tierwohl gibt es auch hier noch viel zu tun.

3.000 Neuankömmlinge in der Lehr und Forschungsanstalt Ruthe der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Es sind männliche und weibliche Küken, die hier "eingestallt" werden. Die Küken sind an diesem Tag geschlüpft. Palettenweise werden die gelben Federbällchen auf den mit Holzspänen geeckten Hallenboden geschüttet. Für etwa einen Monat wird diese klimatisierte Halle ihr zuhause sein. Dr. Christian Sürie, Leiter des Lehr und Forschungsgutes, wirft einen ersten Blick auf die gelben Federknäuel. Ihr Gesundheitszustand ist gut. Die Küken werden hier zu Broilern heranwachsen. Also Brathähnchen und Brathühner. Und das wird schnell gehen.
Christian Sürie: "Das dauert 32 Tage, dann wird die Halle voll sein mit Hühnern. Dann werden wir pro Quadratmeter 39 Kilogramm Huhn haben. Das werden dann 18 Tiere sein."
18 Tiere pro Quadratmeter: Das hört sich nicht nach einem komfortablen Platzangebot an. Doch Dr. Sürie erklärt, Platz ist Geld. Und die deutschen Verbraucher kaufen ihr Grillhähnchen gerne zum kleinen Preis: "Ein echtes Problem ist, dass der deutsche Verbraucher nur bereit ist, elf Prozent seines privaten Geldes für Lebensmittel auszugeben. Tierwohl kostet auch Geld. Und da sind wir im Moment in einem Spannungsfeld aus den Wünschen des Verbrauchers, dem Druck Lebensmitteleinzelhandel und unserer wirtschaftlichen Existenz als Landwirte."

Nebenan in der Halle sind die Truthähne schon fast ausgewachsen. Auch da wird es eng. Allerdings halten sich die Puter auch in freier Wildbahn im engen Gruppenverband auf. Das gibt ein Gefühl der Sicherheit. So ist das begrenzte Platzangebot für die Puter gar kein vordringliches Problem. Die Tiere werden hier fünf Monate gemästet und haben dann ein Schlachtgewicht von 19 Kilo.

Birgit Spindler von der Tiermedizinischen Hochschule Hannover soll uns helfen, die Lage der Tiere einzuschätzen. Das besondere hier: die Tiere haben intakte Schnäbel. Üblicherweise sind die zur Sicherheit beschnitten. Doch die Verstümmelung des sensiblen Schnabels ist Tierquälerei. "Der Schnabel ist ja fast bis in die Schnabelspitze innerviert, hat Blutgefäße und Nerven," erklärt die Wissenschaftlerin.

Der Preis dafür: Mit den Schnäbeln verletzen sich die Tiere gegenseitig. Aber dann müssen die Haltungsbedingungen eben so gut sein, dass keine Aggression aufkommt, sagt Dr. Spindler und führt Beispiele dafür an, was das bedeuten könnte: "Ein Beispiel wäre bezüglich der Strukturierung des Stalls, dass die Tiere mehr Rückzugsplätze finden indem sie irgendwie erhöhte Bereiche finden. Oder auch Bereiche, wo sie Komfortverhalten zeigen können. Beispielsweise Sandbadeareale. Auch draußen der Außenklimabereich, damit könnte man dem Rechnung tragen."

Auch durch die Zucht ließe sich der Stress im kurzen Truthahnleben vermindern. In den letzten Jahrzehnten war eine Steigerung der Muskelmenge das wichtigste Ziel für die Züchter. Dabei sind Merkmale vernachlässigt worden, die wichtig für das Wohlbefinden der Truthähne sind. Das müsse man korrigieren, erklärt die junge Wissenschaftlerin: "Das heißt, es müssen Tiere sein, die weniger krankheitsanfällig sind, die gut laufen können, die einen guten Bewegungsapparat haben, stabile Beine haben."

Ab wann sich das Federvieh wohl fühlt, können wir Säugetiere intuitiv nicht gut beurteilen. Die Wissenschaft aber hat den Fuß entdeckt, als objektiven Maßstab. Die Fußgesundheit als Indikator für Tiergesundheit. Die Füße verraten die Haltungsbedingungen. Wie sauber ist der Stall, welchen Keimen waren die Tiere ausgesetzt? Birgit Spindler weiß, dass die Füße der Puter in den Schlachthöfen tatsächlich schon zur Beurteilung des Gesundheitszustandes der Tiere herangezogen wird. "Das sieht man dann eben sehr gut am Schlachthof, wenn die Füße wirklich ganz sauber sind, dann kann man so etwas gut beurteilen."

Auch in der Geflügelmast gilt: mit überschaubarem Aufwand lassen sich die Lebensbedingungen der Tiere erkennbar verbessern.

aus der Sendung vom

Do, 17.9.2015 | 22:00 Uhr

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