Bitte warten...

SENDETERMIN Do, 28.5.2015 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Ernährung Macht die Mittelmeerdiät gesund?

Die Mittelmeerkost mit viel frischem Gemüse, Salat und Fisch gilt als besonders gesund. Sie soll das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken. Doch macht die Umstellung des Speiseplans die Menschen wirklich messbar gesünder?

Essen hält Leib und Seele zusammen

Die vier Personen am Tisch des Bad Pyrmonter Gasthauses speisen begeistert. Es schmeckt. "Essen ist wichtig!", so der eine. "Essen bedeutet mir sehr viel!", der andere. "Ich schmökere gerne!" gibt die Tischnachbarin zu und der vierte gesteht seine Liebe zum Sahnegeschnetzelten: "Das ess ich schon ganz gerne!" Leider bedeutet zu viel Sahnegeschnetzeltes auch Gefahr für Herz und Kreislauf. So das Credo der deutschen Herzmediziner. Die vier Speisenden sind Kurgäste in Bad Pyrmont und gleichzeitig unsere Testesser. Wir wollen wissen: Kann eine Ernährungsumstellung die Blutwerte in nur drei Wochen messbar verbessern?

Der Test:

Die Testpersonen sind Rehapatienten mit erhöhtem Risiko für Herz- und Kreislauferkrankungen. Wir begleiten vier von ihnen -Rudolf Oetken, Klaus-Günter Scholich, Bärbel Kobusch, und Klaus Dierenga, alle zwischen 65 und 70. Der Testort ist Bad Pyrmont im Weserbergland, zwischen Hannover und Paderborn gelegen. Kurstadt mit über fünfhundertjähriger Tradition. Hier liegt die Fachklinik Weserland. Spezialisiert auf die Behandlung von Herz-Kreislauf Risiko Patienten. Die Tester sind der leitende Arzt Dr. Bernd Alt, die Ernährungswissenschaftlerin Nicole Rekate, und das Küchenteam der Fachklinik. Sie sind der Überzeugung, dass eine mediterrane Ernährung gut für Herz und Kreislauf sind. Küchenchef Uhlrich Mundhenk erklärt, was das bedeutet: "Wenig Fleisch essen, möglichst viel Gemüse. Das Ganze auch ruhig schön bunt und am besten zubereitet mit Olivenöl und Rapsöl. Das sind so die Grundlagen. Zwei mal die Woche dürfen sie auch gerne eine große Portion Fisch essen. Aber wichtig ist es, die Fleischportionen zu reduzieren."

Klingt eigentlich gar nicht so schwer. Obst und Gemüse sind wichtig, weil sie sogenannte sekundäre Pflanzenstoffe enthalten so die Ernährungswissenschaftlerin Nicole Rekate: "Sekundäre Pflanzenstoffe wirken in unserem Körper unter anderem antithrombotisch, oder auch, dass Entzündugnsprozesse reguliert werden. Die können aber auch positiv auf Krebserkrankungen wirken und diese Stoffe finden wir viel in Obst und Gemüse."
Und das gibt es jetzt reichlich. Essen wie am Mittelmeer! Drei Wochen lang. Unsere Probanden müssen also für den Test ihre normalen Essgewohnheiten deutlich umstellen. Noch sind sie zuversichtlich.

Die Blutfettwerte müssen sich verbessern

Maßstab für den Erfolg der mediterranen Kost sind die Blutfettwerte: HDL, LDL und Triglycerin. Wenn sich diese Werte am Ende des Tests deutlich verbessert haben, dann heißt das auch, dass die Mediterrane Kost funktioniert hat, so Dr. Bernd Alt, der ein ganz klares Ziel für seine Patienten vor Augen hat: "Natürlich eine Verbesserung der Lebensqualität, sprich weniger Krankheit wie zum Beispiel Herzinfarkte, Schlaganfälle, Bluthochdruck." Und er prognostiziert einen schnellen Erfolg: "Den Effekt sieht man nach einer Woche, wenn die betreffende Person sich wirklich komplett mediterran ernährt."
Dafür ist weitgehend gesorgt. Schließlich sind unsere Probanden überzeugt, bis zum Ende mitzumachen und es schmeckt ihnen offensichtlich gut. Außerdem hält Ernährungswissenschaftlerin Nicole Rakete mit dem Ernährungsplan fest, was die Probanden während des Klinikaufenthaltes essen. Neben der Ernährung spielt aber auch Bewegung eine große Rolle in der Fachklinik, so Dr. Bernd Alt: "Bewegung sollte sein. Bewegung ist einfach etwas, was für den Erhalt der gesunden Blutgefäße von zentraler Bedeutung ist." Und so geht es täglich aufs Trainingsrad, ins Zirkeltraining oder ins Schwimmbad. Wobei die Trainer darauf achten, dass niemand über seine körperlichen Grenzen hinausschießt.

Der letzte Tag des Experiments.

Zur Feier geht’s zum Italiener. Spezialität im "Il Concerto": Antipasti mit Fisch, Gemüse, Knoblauch, Olivenöl. Das Essen passt also. Auch Versuchsleiter Dr. Bernd Alt ist dabei - und hat gute Nachrichten für unsere vier Probanden: "Man kann sagen, um bis zu 40 Prozent sind ihre Cholesterinwerte besser geworden. Egal ob mit oder ohne Cholesterinsenkervorbehandlung. Die Kostumstellung und sicher auch ein Stück weit die Bewegung haben erheblich was gebracht." Insgesamt werteten Bernd Alt und Nicole Rekate für uns die Blutwerte von 63 Reha-Patienten aus - mit deutlichem Ergebnis: Triglyceride und Gesamtcholesterin werden im Schnitt um mehr als 20 Prozent gesenkt. Schaut man sich das Cholesterin genauer an, so zeigen die Daten, dass das so genannte schlechte Cholesterin LDL sogar um 30 Prozent sinkt. Das "gute" HDL geht dagegen nur um 10 Prozent zurück. Damit verbessert sich das Verhältnis von schützenden zu schädlichen Blutfetten zu Gunsten der Schutzfaktoren. Tatsächlich machen sich die besseren Blutwerte auch in der Praxis bemerkbar: "Ich muss sagen, so gut wie jetzt hab ich mich schon lange nicht mehr gefühlt!", so das Resümee von Klaus-Günter Scholich. Und Bärbel Kobusch fühlt sich zwar nicht wie zwanzig, aber: "Ich fühl mich um Jahre jünger. Einfach nur gut."

aus der Sendung vom

Do, 28.5.2015 | 22:00 Uhr

SWR Fernsehen

Das neue Odysso-Logo von 2019

Sendezeit

Donnerstags um 22.00 Uhr im SWR Fernsehen.