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SENDETERMIN Do, 23.4.2015 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Tasten statt Hören

Lorm-Hand für Taubblinde

Hörgeschädigt und blind sind in Deutschland etwa 9.000 Menschen. Für sie ist die Orientierung im Alltag ist besonders schwierig. Doch viele wollen möglichst unabhängig am Leben teilhaben.

Eine Computeranimation für das Handalphabet: Buchstaben mit Pfeilrichtungen oder Kreisen wurden den jeweiligen Fingern und Handbereichen zugeordnet.

Orientierung ohne Bild und Ton

Vor allem über den Geruch und den Tastsinn nimmt Katrin Dinges ihre Umgebung wahr. Sie ist blind und nahezu gehörlos. Als Kind lernte sie zwar sprechen. Doch ihr Gehör hat sich seither stetig verschlechtert. Ursache ist ein genetischer Defekt. Sie studiert, ist den Umgang mit modernen Kommunikationsmitteln gewöhnt. Über eine Brailleschrift-Zeile am Computer kann sie Emails schreiben. Sie trägt Hörgeräte, möchte aber auf eine Operation und Innenohr-Implantate verzichten. In ruhiger Umgebung kann sie sich bisher gut lautsprachlich verständigen. In lauter Umgebung nutzt sie darum ein über 100 Jahres altes Sprachsystem: das "Lormen." Ein Druck auf die Daumenspitze bedeutet ein A, zwei sind ein Ä.

Lormen einst und heute

Betreuer schreiben beim "Lormen" diese Zeichen auf die Hand, die Taubblinde als Buchstaben verstehen. Dieses einfache Sprachsystem wurde von Hieronymus Lorm (1821 - 1902) entwickelt. Es wird bis heute fast unverändert benutzt. Lormen funktioniert aber bisher nur, wenn Taubblinde und Betreuer sich direkt gegenüber sind. Doch nur wenige Menschen beherrschen diese Kommunikationsart. Vor allem Verwandte, Ärzte oder Pfleger können sich ohne Lormen nur unzureichend mit Taubblinden austauschen.

Tom Bieling und sein Team vom Design Research Lab der Berliner Universität der Künste wollen das Lormen mit mobilen Endgeräten verbinden. Seit 2012 arbeiten sie am Projekt einer künstlichen "LormHand." Nachrichten werden vom Computer auf die LormHand oder den Lormhandschuh übertragen und umgekehrt. Die Herausforderung für die Designer: Die Zeichen vom Tablet müssen im Handschuh in Vibrationen umgewandelt werden, damit Taubblinde sie erkennen können. Umgekehrt müssten Taubblinde, die mit dem Handschuh lormen, die Möglichkeit bekommen, zu kontrollieren, ob sie korrekt geschrieben haben. Vom Computer kann dann der Text auf andere Computer oder mobile Endgeräte übertragen werden.