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SENDETERMIN Do, 13.9.2018 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Brummis auf der Bahn LKW-Verkehr nimmt rasant zu

Ausländische Speditionen drängen immer mehr auf die deutsche Autobahn, der LKW-Verkehr und die Unfallgefahr steigt, die Rastplätze sind dauerüberfüllt, und ein Ende ist kaum in Sicht.

Lkw-Fahrer im Dilemma

Besonders betroffen sind die großen Hauptlinien der Republik wie zum Beispiel die A5 in Baden-Württemberg. Die Autobahnpolizei Karlsruhe-Durlach zählt hier täglich 26.000 vorbeifahrende Lkw. Für die Beamten sind die Parkplatzprobleme tägliches, immer gleiches Hauptgeschäft. Besonders problematisch sind Fahrer, die in ihrer vermeintlichen Not einfach auf dem Standstreifen Pause machen. Fast jede Nacht müssen die Beamten solche brandgefährlichen Situationen erleben. Die Fahrer sind im Dilemma, sie finden keinen Platz, müssen aber ihre Pausenzeiten einhalten und die Strafen bei Verstoß sind empfindlich.

Autohöfe werden gemieden

Viele verlassen die Autobahn ungern, weil die Suche Zeit kostet. Zudem: In vielen Gewerbegebieten entlang den Autobahnen wurde das Parken nachts inzwischen untersagt. Auf den privat betriebenen kostenpflichtigen Autohöfen ist oft noch Platz, doch vor allem die osteuropäischen Fahrer scheuen bei ihrem geringen Lohn von unter tausend Euro im Monat die Ausgaben. Fahrer in Deutschland bekommen in der Regel Spesen und so machen die etwa zehn Euro Gebühr auf dem Autohof, die meist ja noch einen Verzehrgutschein beinhalten, wenig aus.

Mehr Parkplätze bauen?

Angesichts der desolaten Parkplatzsituation fordern Verbände wie der ADAC und der Bundesverband Logistik, Güterverkehr und Entsorgung BGL, Sprachrohr von etwa 7.000 Spediteuren in Deutschland, mehr Parkplatzbau. Doch seit Jahren wird bereits gebaut. Laut Verkehrsministerium BW in Stuttgart stieg die Zahl von Autobahnparkplätzen zwischen 2014 und 2017 im Ländle von 6.000 auf 6.450. Dabei ist es nicht so einfach, Parkplätze zu bauen. Geld stünde zur Verfügung, 13,4 Mio. Euro waren es 2017 allein in Baden-Württemberg. Das Problem sind die langen Vorbereitungszeiten und Flächen für Neubauten sind knapp. Manchmal müssen Grundstücke erst enteignet werden, das dauert oft viele Jahre. Oft müssen Waldflächen weichen und dementsprechend ist der Widerstand der Anwohner groß.

Spirale ohne Ende?

Stetig steigt der Bedarf: 2008 hieß es in einer Studie des Bundes-Verkehrsministeriums, dass 14.000 Stellplätze fehlen. Bis 2014 wurden bundesweit dann auch 14.000 neue Plätze geschaffen. In einer Studie von 2013 fehlten dann schon wieder 11.000 Plätze. Eine Studie der Autohöfe, Ende 2017 veröffentlicht, spricht jetzt von 31.000 fehlenden Stellplätzen. Der Grund ist vor allem die stetige Zunahme des Lkw-Verkehrs. Deutschland liegt eben mitten in Europa. Und auch die Just-in-Time Produktion, sowie die Zunahme des Online-Handels waren und sind weitere Ursachen des wachsenden Transportaufkommens.

Lösung: viele kleine Maßnahmen

Jetzt schon sind entlang der A5 fünf Stellplatzanzeigen installiert und die Infos sind über die Webseite der Straßenverkehrszentrale Baden-Württemberg verfügbar. Der ADAC verweist auf Möglichkeiten der besseren Steuerung durch Apps, die anzeigen sollen wo noch Platz ist. Der BGL möchte in Zukunft dafür werben, dass die LKW-Fahrerhäuser zu kleinen Wohnmobilen mit Camping-WC aufgewertet werden. Dann könne man nachts problemlos auch in den Gewerbegebieten Halt machen, ohne dass es zu den Beanstandungen durch Verschmutzung käme.

Flexibilisierung der Standzeiten?

Auch eine Flexibilisierung der Standzeiten könnte zur Entspannung beitragen, schlägt der BGL vor. Doch jetzt schon gäbe es Spielräume in der EU-Verordnung, die Lenk- und Standzeit flexibler handzuhaben, sagt die Autobahnpolizei, die sie den Fahrern vor Ort auch gern erklärt. Und in der Regel zeige man auch Verständnis für die Nöte der Lkw-Fahrer und ahnde Parkverstöße nur wenn sie akut behindern oder gefährden, heißt es bei den Ordnungshütern in Durlach.

„Umdenken erforderlich“

Und letztlich, wenn alle Lkw-Fahrer Spesen bekämen, wäre das Problem vielleicht keines. Das Transportgewerbe stand jahrelang unter großem Konkurrenzdruck. Die Wahrnehmung bei den Frachtkunden, den Firmen und Verbrauchern, war bislang „Fracht kostet nichts. LKW Raum ist genügend zur Verfügung. Derjenige, der das billigste Angebot macht, bekommt den Zuschlag“, beklagt Dirk Engelhardt vom BGL. „Hier ist ein Umdenken zwingend erforderlich. Wenn wir weiterhin den Onlinehandel nutzen, eine schnelle Lieferung haben wollen, dann geht das nicht ohne Lkw-Fahrer und letztendlich muss es der Verbraucher nach unserer Wahrnehmung irgendwann bezahlen.“ Sicher wäre es besser, wenn sich alle Lkw-Fahrer eine Pause mit gepflegten Sanitäranlagen auf Autohöfen leisten könnten, statt weiter hektarweise Wald zu Parkplätzen zu machen und damit immer noch mehr Flächen zu versiegeln.