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SENDETERMIN Do, 4.9.2014 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Reportage mit Lena Ganschow Hochwasserübung

Bei Hochwasser kommt schnelle Hilfe oft vom technischen Hilfswerk (THW). Wie bereitet sich das THW auf Einsätze vor? SWR odysso-Reporterin Lena Ganschow war dabei.

Lena Ganschow beim THW

Höchstleistung: 15.000 Liter pro Minute

Schauplatz der Hochwasserübung: Rottenburg am Neckar. Zusammen mit Johannes Hahn vom THW-Rottenburg fährt Lena Ganschow zum Einsatzort am Neckar.

Erst jetzt erklärt der Einsatzleiter das Übungsszenario. Schließlich geht es heute auch darum, sich spontan und schnell auf die Verhältnisse Vorort einzustellen. Der Job für die rund 100, meist freiwilligen THW-Helfer: sechs Hochleistungswasserpumpen aufbauen und in Betrieb nehmen. Im Team trainieren sie, wie man Wassermassen bei Überschwemmungen möglichst schnell in den Griff bekommt.
Schon das Verlegen und Anschließen der Wasserschläuche ist eine Plackerei, das spürt unsere Reporterin schnell. Man muss körperlich ziemlich fit sein. Typische Einsatzgebiete im Südwesten sind neben Neckar, Rhein und Donau auch viele kleinere Bäche, die nach Dauerregen innerhalb von Minuten oder Stunden stark anschwellen können, erklärt Johannes Hahn. In Baden-Württemberg kann das THW jeden Ort in wenigen Stunden erreichen.
Alle Pumpen laufen inzwischen auf Hochtouren. Die stärksten schaffen 15.000 Liter pro Minute. Das ist auch nötig, um vollgelaufene Keller und überflutete Straßen schnell trocken zu legen.

Sensible Kraftpakete

Doch so viel Power muss beherrscht werden. Hauptzweck der Übung ist daher der routinierte Umgang mit den Wasserpumpen - gerade, wenn die mal nicht rund laufen. Die Maschinisten horchen in die sensiblen Kraftpakete hinein, wie ein Arzt in den menschlichen Organismus. Die kleinste Unregelmäßigkeit in dem wummernden Aggregat und er wisse genau, an welcher Schraube er drehen muss damit wieder alles rund läuft, fachsimpelt Maschinist J.-H. Sommerling. Er zeigt Lena Ganschow eine undichte Stelle die er gerade entdeckt hat: Dort läuft Öl aus. Das sei aber unproblematisch, denn das Öl ist biologisch abbaubar. Trotzdem muss der Techniker bei der nächsten Wartung natürlich die Dichtungen prüfen.

Löschwasser für die Feuerwehr

Plötzlich knallt es. Rauchgranaten und Feuerwerkskörper explodieren, als Symbol für einen Fabrikbrand. Feuerwehrautos rücken an, und die THW-Crew pumpt extra Löschwasser in Stahlcontainer. Die soll die Feuerwehr für die Brandbekämpfung anzapfen. Klingt erst einmal paradox, denn bei Überschwemmungen gibt es ja eigentlich Wasser genug. Wieso denn das THW Löschwasser für die Feuerwehr bereit stellen muss, fragt Lena Ganschow bei Teamleiter Olaf Joerdel nach.
Es kann sein, dass der Brandherd zu weit von der nächsten Wasserquelle entfernt ist und wir es über eine längere Pumpstrecke bereit stellen müssen, erklärt der Fachmann. Außerdem sind die Pumpen von THW und Feuerwehr technisch sehr unterschiedlich.

Luftaufnahme von einer Feuerwehrübung

THW-Hochwasserübung in Rothenburg am Neckar

Die Pumpen der Feuerwehr sind auf Druck ausgelegt, um Brände zu bekämpfen und sie reagieren empfindlich auf grobe Verunreinigungen. Die Pumpen vom THW dagegen sind Hochwasserpumpen, die auf Schmutzwasser ausgelegt sind. Sie können Körner und Partikel in der Größe eines Tennisballs fördern, filtern und so der Feuerwehr relativ schmutzfreies Wasser zur Verfügung stellen. Bis zu drei Kilometer lang können die Pumpstrecken im Ernstfall sein. Nicht nur fürs Löschwasser, sondern auch, um die Wassermassen aus der Überschwemmung an einem anderen Ort wieder loszuwerden.

Einsätze weltweit

Das THW als Bundeseinrichtung kann im Auftrag der Bundesrepublik weltweit zum Einsatz kommen. Ein mobiles Camp gehört dabei zur Grundausstattung der THW-Truppe. Schließlich müssen die vielen Einsatzkräfte irgendwo essen und schlafen.
Lena Ganschow hilft beim Zeltaufbau und erkennt schnell, dass auch hier jeder Handgriff sitzen muss: Man muss einen geeigneten Platz finden, sich einen logischen Aufbau von Schlaf-, Sanitär- und Küchenzelten überlegen - alles Trainingssache. Dabei trifft die Reporterin Peter Wiedmann, einen der bereits einiges erlebt hat. 33 Jahre ist er schon beim THW, mit einigen harten Einsätzen auf dem Konto. Zum Beispiel 2010, der Hochwassereinsatz in Polen. Da, so erinnert er sich, habe er zum ersten Mal richtig erlebt, welche Gewalt Wasser hat, welche Schäden es anrichten und in was für einer unglaublichen Menge Wasser plötzlich über Mensch, Tier und Landschaft herfallen kann. Geld für den harten Job bekommen er und die vielen anderen ehrenamtlichen Helfer nicht. Diese Arbeit muss man wollen. Das Interesse an Technik und der Wille zu helfen - das treibt Peter Wiedmann an.

Die Flut kommt

Unvermittelt wird es hektisch. Es kommt die Meldung, dass Dämme gebrochen sind und eine Flutwelle auf die Helfer zurollt. "Wir evakuieren sofort…", schreit der Teamleiter. Jetzt muss es schnell gehen, alles abbauen und nichts wie weg hier - dafür bleiben höchstens 30 Minuten. Auch dieser Teil der Übung wurde vorher nicht angesagt. Und das Szenario ist absolut realistisch, versichert Johannes Hahn. Es ist durchaus möglich, dass man die Einsatzstelle schnell verlassen muss, um sich in Sicherheit zu bringen. Darauf muss man in Katastrophengebieten immer gefasst sein und darauf, den Kampf gegen die Natur manchmal zu verlieren.
Nach nur 25 Minuten ist die Kolonne abfahrbereit.

Freiwillige Helfer

Verhindern kann man Hochwasser- und andere Katastrophen nicht. Schon kurz nach unseren Dreharbeiten rückte eine THW-Einheit aus Baden-Württemberg zum Hochwassereinsatz nach Bosnien aus. Dafür üben sie regelmäßig, bei solchen Einsätzen schnell und richtig zu reagieren. Darunter sind mehrheitlich freiwillige Helfer, die sich dieser Herausforderung immer wieder stellen. Ohne sie wären die Menschen in Katastrophengebieten noch wesentlich schlimmer dran. Das gilt natürlich nicht nur für die Mitarbeiter des THW, sondern auch für alle Feuerwehrleute, Soldaten und viele andere. Gut zu wissen, dass es sie gibt.

aus der Sendung vom

Do, 4.9.2014 | 22:00 Uhr

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Donnerstags um 22.00 Uhr im SWR Fernsehen.