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SENDETERMIN Do, 24.5.2018 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Gesund ernähren Mit Brokkoli und Kohl Krebs vorbeugen?

Kann eine bestimmte Ernährung vor Krebs schützen? Eine bestimmte Anti-Krebs-Diät gibt es nicht. Aber es gibt Lebensmittel, die eine vorbeugende Wirkung haben. Und solche, die die Entstehung von Krebs begünstigen.

Brokkoli-Inhaltsstoff Sulforaphan wirkt krebshemmend

Immer wieder machen Lebensmittel Schlagzeilen, weil sie angeblich vor Krebs schützen. Gerade Brokkoli hat als krebsschützendes Gemüse regelrecht Karriere gemacht. Zu Recht, denn die Wirkung ist wissenschaftlich belegt: Im Brokkoli ist der Inhaltsstoff Sulforaphan enthalten, eine schwefelhaltige Verbindung, die zu den sekundären Pflanzenstoffen gehört. Wissenschaftler der Universitätsklinik Heidelberg konnten bei Zellkulturen im Labor nachweisen, dass Sulforaphan eine krebshemmende Wirkung hat.

Wie der Inhaltsstoff direkt beim Menschen wirkt, wird derzeit in klinischen Studien untersucht.

Brokkoli enthält Sulforaphan; es ist wissenschaftlich erwiesen, dass dieser Inhaltsstoff eine krebshemmende Wirkung hat

Brokkoli enthält Sulforaphan; es ist wissenschaftlich erwiesen, dass dieser Inhaltsstoff eine krebshemmende Wirkung hat

Rettich, Kohl und Senf bieten ein Arsenal an krebsschützenden Substanzen

Brokkoli ist nicht das einzige Gemüse mit Krebsschutz. Auch in folgenden Pflanzen sind krebsschützende Stoffe enthalten:

  • Rettich
  • Radieschen
  • Kresse
  • Kohl (alle Arten, z.B. Blumenkohl)
  • Senf

Sie gehören zu den Senföl-Glykosiden, kommen in der Familie der Kreuzblütler vor und sorgen bei diesen Gemüsearten für den leicht pfeffrigen bis scharfen Geschmack. Die Erkenntnis über die positive Wirkung bestimmter Stoffe auf die Krebsentwicklung stammen aus Labor- oder Tierstudien. Wie solche Stoffe beim Menschen wirken, darüber gibt es hauptsächlich Beobachtungsstudien. Da sind die Ergebnisse allerdings oft nicht so eindeutig, weil für die Krebsentstehung außer der Ernährung auch andere Faktoren eine Rolle spielen. Trotzdem raten Ernährungswissenschaftler für den bestmöglichen Krebsschutz viele verschiedene Obst- und Gemüsesorten zu essen.

Nahrungsmittel mit Krebsschutz erkennen

Das Angebot krebsschützender Stoffe im Supermarkt ist riesengroß. Zur Orientierung hilft zum einen der Geschmack. Was am Brokkoli leicht scharf schmeckt, ist auf die Senfölglykoside zurückzuführen, die auch Rettich, Kresse, Kohl, Meerrettich und Senf den scharfen Geschmack verleihen. Zum anderen signalisieren bestimmte Farben in den Lebensmitteln, ob sie eine Wirkung gegen Krebs haben.

Wirksames Obst und Gemüse erkennen
- scharfer Geschmack
- rot, orange und gelb; Farbstoffe bieten Zellschutz

Die Ernährungswissenschaftlerin Ulrike Gonder rät gelbe, orange und rote Obstsorten zu wählen: "Die Farbstoffe in Obst und Gemüse, zum Beispiel die Anthocyane, die Äpfel und Trauben rot färben, sind nicht nur Farbstoffe, sondern auch Schutzstoffe. Sie sorgen dafür, dass Zellen und Zellmembranen intakt bleiben und auch die Erbsubstanz intakt bleibt. Sie tragen dazu bei, dass die Zellen sich gut teilen können und dass nicht, wie beim Krebs, die Zellteilung überhand nimmt.“

Dasselbe gilt für Carotinoide in Kürbis, Melone, Papaya und alle anderen leuchtend gelben oder orange-farbenen Früchte .

Polyphenole und Ballaststoffe in Nüssen bieten Schutz vor Darmkrebs

Nüsse können vor Darmkrebs schützen. Wie sie das tun, haben u. a. Wissenschaftler an der Universität Jena untersucht. Sie fanden heraus, dass bestimmte Inhaltsstoffe der Nüsse, sogenannte Polyphenole, die natürlichen Schutzstoffe des Körpers aktivieren und damit die Krebszellen bekämpfen.

Außerdem enthalten Nüsse eine Menge Ballaststoffe. Die haben generell eine krebsschützende Wirkung:

  • entschärfen krebserregende Stoffe
  • regen den Darm an
  • sorgen für kurze Verweildauer der Stoffe im Körper

Vorsicht bei Schimmelpilzen!

Aber gerade bei Nüssen hängen Schutz und Gefahr eng beieinander. Verschimmelte Nüsse können Aflatoxine enthalten, das sind Schimmelpilze mit einem krebsauslösenden Potenzial. Deshalb ist es besser, Nüsse erst vor dem Verzehr zu knacken und nach dem Zermahlen sofort zuzubereiten und zu verzehren.

Korb mit diversen Nüssen und einem Nussknacker

Nüsse sind gesund wegen der darin enthaltenen Polyphenole und Ballaststoffe, sollten wegen der Gefahr von Schimmelpilzen aber immer frisch geknackt oder gemahlen werden.

Verzehr von viel rotem Fleisch erhöht Darmkrebsrisiko

Studien zeigen, dass ein hoher Konsum von Rind, Schwein und Lamm mit einem höheren Risiko für Darmkrebs verbunden ist. Deshalb empfehlen fast alle Ernährungsinstitutionen einen moderaten Konsum von diesen "roten Fleischsorten". Warum gerade rotes Fleisch besonders riskant ist, begründen Wissenschaftler mit dem Vorhandensein von Eisen, dem roten Blutfarbstoff im Fleisch. Eisen kann zusammen mit Eiweißen krebsfördernde Moleküle bilden.

Warum birgt gerade rotes Fleisch Gefahren?
- beim starken Erhitzen entstehen schädliche polyaromatische Kohlenwasserstoffe
- beim starken Bräunen entstehen schädliche heterozyklische Amine

Die momentane wissenschaftliche Datenlage ist in Bezug auf die Rolle des Eisens im Fleisch aber nicht mehr eindeutig. Sicher dagegen ist, dass die Zubereitungsart des Fleisches eine Rolle spielt. Problematische Stoffe entstehen bei der Zubereitung von Fleisch.

Beim starken Erhitzen, wie zum Beispiel beim Grillen, entstehen polyaromatische Kohlenwasserstoffe, also verschiedene krebserregende Stoffe. Gerade im Zusammenhang mit Grillen sollte deshalb vermieden werden, dass Fett in die Glut tropft. Eine weitere Gruppe ungünstiger Stoffe sind die heterozyklischen Amine. Sie entstehen bei allen Fleischarten, wenn man sie stark anbräunt. Die Ernährungswissenschaftlerin Ulrike Gonder rät: "Wenn wir das Krebsrisiko senken wollen, sollten wir Fleisch immer schonend garen, nicht überhitzen und schwarze, verkohlte Stellen wegschneiden."

Verzicht ist nicht nötig – die Mischung macht's

Auf Fleisch verzichten ist nicht unbedingt erforderlich, weil es auch wichtige Nährstoffe liefert. Eine moderate Menge von 500 Gramm Fleisch und Wurst in der Woche halten Experten für in Ordnung. Zumal man Steaks und Braten immer auch mit Gemüse und Salat kombiniert, die dann wiederum für einen gewissen Ausgleich mit ihren schützenden Stoffen sorgen. Die Kombi macht’s.

Acrylamid-Gehalt durch verbesserte Herstellverfahren gesenkt

Ein weiterer "Bad Guy" ist das Acrylamid, ein potenziell krebserregender Stoff. Er entsteht immer dann, wenn stärkehaltige Lebensmittel erhitzt werden. Zum Beispiel beim Rösten von Kaffeebohnen, beim Frittieren von Kartoffeln, beim Backen von Keksen und Knabberartikeln. All diese Lebensmittel für sich sind zwar nicht krebserregend, enthalten aber Acrylamid. Viele Hersteller haben deshalb ihre Verfahren verändert, sodass der Acrylamid-Gehalt in vielen Produkten bereits gesenkt werden konnte.

Mythos Anti-Krebs-Diät

Einen absoluten Schutz durch eine "Anti-Krebs-Diät" kann es nicht geben. Denn die Entstehung von Krebs hängt immer von vielen Faktoren ab. Dazu gehören die erblichen Bedingungen und der Lebensstil mit Bewegung oder Rauchen. Aber der Einfluss der Ernährung auf das Krebsgeschehen macht immerhin ein Drittel aus. Deshalb lohnt es sich, seine Nahrungsmittel sorgfältig auszuwählen. Ernährungswissenschaftlerin Ulrike Gonder ist überzeugt: "Es gibt keine Garantie, dass wir uns 100 Prozent vor Krebs schützen können. Aber wenn wir uns gut ernähren, versetzen wir unseren Körper in die Lage, dass er sich selber gut schützen und kleine Schäden selber reparieren kann."