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SENDETERMIN Do, 16.4.2015 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Zeitreise Kurze Geschichte der Prothetik

Am Anfang standen primitive Stecken oder selbstgebastelte Stümpfe. Doch mit dem Zeitalter der Mechanik wurden Prothesen immer komplexer.

Altertum bis Mittelalter

Erste Prothesen wurden aus der Zeit um 500 vor Christus nachgewiesen. So gibt es eine etwa 2.500 Jahre alte Zehprothese aus Ägypten, ein 2.300 Jahre altes Holzbein aus China und der Römer Marcus Serius Silus soll eine Handprothese gehabt haben. Auch aus Asterix-Comics weiß man: in der Antike waren einfache Stockstelzen oder Haken als Prothese üblich. Den nötigen Bedarf schaffte das Kriegshandwerk. Erst im Mittelalter wurden die Prothesen ausgefeilter.

1504: Die mechanische Hand des Ritters Götz von Berlichingen gilt als erstes Beispiel einer mechanisch beweglichen Kunsthand. Der Ritter konnte die künstliche Hand mit seiner gesunden Hand öffnen und schließen. Etwa zur gleichen Zeit gelang dem französischen Mediziner Paré ein entscheidener Durchbruch. Seine Beinprothesen ließen sich fest mit dem Beinstumpf verbinden. Parés Ruf war so gut, dass sich die französischen Soldaten weigerten ohne ihn in die Schlacht zu ziehen.

Arme Leute einfache Prothesen – reiche Leute komplexe Prothesen

Eines der größten Probleme für Menschen, die eines Ihrer Gliedmaßen verlieren, ist die Finanzierung des Ersatzes. Denn Prothesen sind teuer: In den USA brachten der Unabhängigkeitskrieg im 18 Jahrhundert einen neuen Schub in das Prothesengewerbe. War es bislang nur wenigen Menschen möglich, sich professionelle Prothesen zu leisten, übernahmen bei den Amerikanern der Staat die Finanzierung der Prothesen. So wurde eine massenhafte Produktion attraktiv und im folgenden entstanden in den Staaten über 80 Unternehmen, die sich auf Prothesen spezialisierten.

Entwicklungsschub durch den Krieg

In Europa kommt es durch den 1. Weltkrieg zu einer bis dahin ungekannten Nachfrage nach Prothesen. In den zwanziger Jahren bevölkern hunderttausende Kriegsversehrte Deutschlands Straßen. Arbeitsunfähig müssen sie sich ihren Lebensunterhalt als Bettler auf der Straße verdienen. Otto Bock gründet 1919 sein Unternehmen und führt in Deutschland die industrielle Prothesenproduktion ein. Gleichzeitig erfindet der berühmte Arzt Sauerbruch die nach ihm benannte Hand. Mittels Muskelkraft kann der Amputierte sie öffnen und schließen.

Der 2. Weltkrieg bringt nichts Neues außer noch mehr Bedarf.

Gesteuerte Prothesen

In den 1950er Jahren entwickeln Forscher aus Russland und den USA elektrisch gesteuerte Armprothesen. Elektroden greifen nun die Signale für die Steuerung direkt an den Muskeln ab. Die künstlichen Hände können so einfache Greifbewegung ausführen.

In den 1960er Jahren schafft eine zivile Katastrophe bisher ungekannten Bedarf: Das Schlafmittel Contergan. Tausende Kinder werden ohne oder mit verkrüppelten Gliedmaßen geboren. Es fließen Gelder in die Forschung und die wird nicht müde, neue Entwicklungen vorzustellen, die den Kindern helfen sollen. Darunter auch eine technologische Sackgasse wie die hydraulisch/pneumatischen Prothesen. Was anfänglich eine gute Idee war, wurde den Trägern am Ende zu laut. Pneumatische Prothesen sind wieder verschwunden. Stattdessen setzen die Prothetiker auf immer ausgefeiltere Elektronik in den Händen.

Prothesen der Gegenwart und Zukunft

Waren es bis in den neunziger Jahren meist recht grobe Hände, die gerade mal zugreifen können, werden die Hände ab der Jahrtausendwende immer feiner. Der Trend geht zur Bionischen Hand, die mit allen zehn Fingern greifen kann und die natürlich Hand nachahmt. Möglich macht das die immer genauer werdende Steuerung der Hände. Wurden die Muskelsignale einst mit lediglich zwei Elektroden abgegriffen so sind jetzt über zwanzig Signale aus dem Muskel verarbeitet. Dementsprechend präzise sind die Bewegungen.

Auch das Exoskelett eröffnet eine neue Dimension in der Prothetik. Computergesteuerte Sensoren machen das bisher unmögliche möglich: Querschnittgelähmte können damit wieder gehen. Allerdings bedarf es viel Übung die circa 25 Kilogramm schwere Ganzkörperprothese zu steuern.

aus der Sendung vom

Do, 16.4.2015 | 22:00 Uhr

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Donnerstags um 22.00 Uhr im SWR Fernsehen.