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SENDETERMIN Do, 24.5.2018 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Blick in die Forschung: Krebsfaktor Fettleibigkeit

Mit zunehmendem Körpergewicht steigt das Risiko an Krebs zu erkranken. Wissenschaftler in Heidelberg haben nun herausgefunden, dass bestimmte Stoffe aus dem Bauchfett das Krebsrisiko erhöhen.

Übergewicht und Krebs

Die Ernährung ist ein wichtiger Teil, wenn es um die Vorbeugung von Krebs geht. Aber nicht nur was wir essen spielt eine Rolle, sondern auch wie schwer wir sind. Frühere Studien zeigen bereits, dass mit steigendem Körpergewicht auch das Krebsrisiko zunimmt. Ein erhöhtes Körpergewicht steht für mindestens 13 Krebsarten in einem ursächlichen Zusammenhang. Liegt Übergewicht vor, sind vor allem jene Organe anfällig für Krebs, die für die Nahrungsaufnahme und die Verdauung zuständig sind. Dazu gehören Magen- und Darmkrebs, Krebs der Speiseröhre, Krebs der Leber, der Niere und der Bauchspeicheldrüse, aber auch Brust- und Gebärmutterkrebs.

Riskantes Bauchfett

Nicht jeder übergewichtige Mensch erkrankt an Krebs. Aber viele Forschungsergebnisse zeigen, dass das relative Risiko an Krebs zu erkranken mit Übergewicht und Adipositas signifikant steigt. Warum das so ist, dieser Frage ist Dr. Tilman Kühn vom Krebsforschungszentrum Heidelberg nachgegangen. Sein Interesse gilt vor allem dem Bauchfett. Im Gegensatz zu jenem Fett, das sich direkt unter der Haut im ganzen Körper bildet, sammelt sich Bauchfett in der Bauchhöhle an. Dieses Viszeralfett hat eigentlich die Funktion, die inneren Organe mechanisch zu schützen. Und es lagert sich Fett ein, das als Energiereserve dient, was dann am größeren Bauchvolumen sichtbar wird. Dr. Tilman Kühn hat aber noch ganz andere Eigenschaften des Bauchfetts entdeckt: „Inzwischen sehen wir das viszerale Bauchfett wirklich als stoffwechselaktives Organ an. Dieses viszerale Fett schüttet Entzündungsfaktoren aus, es schüttet Wachstumsfaktoren aus und diese Entzündungs- und Wachstumsfaktoren begünstigen die Krebsentstehung.“ Mit einer Arbeitsgruppe hat Tilman Kühn 600 Männer und Frauen mit leichtem bis schwerem Übergewicht im Alter zwischen 35 und 65 Jahren untersucht.

Weil die Fettverteilung von Mensch zu Mensch ganz unterschiedlich ist, wurde mit einem bildgebenden Verfahren, der sogenannten Magnet-Resonanz-Tomographie (MRT) gemessen, wie hoch bei den Teilnehmern der Anteil des Bauchfettes wirklich ist. Ergebnis der Studie: Je mehr Bauchfett, umso mehr bestimmte Stoffe bildet es, die dann in den Blutkreislauf gelangen.

Den Krebsmarkern auf der Spur

Dr. Tilman Kühn und seine Arbeitsgruppe haben zwei Stoffe ausfindig gemacht, die im viszeralen Fett gebildet werden und im Zusammenhang mit Krebs stehen. Zum einen den IGF1-Wachstumsfaktor auf der Insulinebene. Dieser Wachstumsfaktor (Insulin Growth Factor 1) hängt mit einer erhöhten Insulinausschüttung zusammen.
Bei dem anderen Stoff handelt es sich um ein Protein, das sogenannte C-reaktive Protein (CRP). Dieses Protein gilt als Marker im Blut für eine unterschwellige Entzündung. Steigen diese Entzündungsproteine im Blut an, kann es gefährlich werden, weil Entzündungen eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung von Krebs spielen. Für Tilman Kühn sieht diese beiden Stoffe ein Indiz für das Krebsrisiko: „Erhöhte CRP-Werte, erhöhte Insulinwerte sprechen dafür, dass das Krebsrisiko erhöht ist.“

Die Rolle der Diät

Wie lässt sich dieses Risiko verringern? Welche Chancen hat ein Übergewichtiger aus dieser Krebs-Risikofalle herauszukommen? Auch das haben Tilman Kühn und seine Arbeitsgruppe untersucht. Über 150 übergewichtige Teilnehmer, Männer und Frauen, haben ein Jahr lang gefastet und abgenommen. Die Wissenschaftler hatten stets die Krebsmarker im Visier. Was schließlich herauskam hat Tilman Kühn überrascht: „Das ist das Faszinierende an unseren Studien, selbst bei einem Gewichtsverlust von etwa 5 Prozent oder 10 Prozent sind die Rückgänge von diesen Krebsrisikomarkern beträchtlich. Also das CRP, das Protein sinkt wirklich um die Hälfte 50 Prozent und das gleiche gilt auch fürs Insulin.“

Das bedeutet, wenn eine 100 Kilo schwere Person lediglich 10 Kilo abnimmt, dann hat sie nur noch die Hälfte dieser Krebsrisikomarker im Blut. Mit jedem abgenommenen Kilo sinkt also das Risiko an Krebs zu erkranken. Und zwar egal mit welcher Diät. Ob Intervallfasten, Kalorienreduktion oder vielleicht eine andere Diät. Auch das haben die Wissenschaftler herausgefunden. Hauptsache Gewichtsverlust und damit weniger Bauchfett, dann sinken auch die Krebsrisikomarker.

Bedeutung für die Prävention

Viele Krebserkrankungen lassen sich auf der individuellen Ebene nicht erklären. Betrachtet man die Gesamtbevölkerung lässt sich jedoch sagen, dass bei rund der Hälfte der Krebserkrankungen der Lebensstil eine Rolle spielt. Und diese Krebserkrankungen lassen sich durch eine Veränderung im Ernährungs- und Essverhalten ganz wesentlich beeinflussen, weiß Tilman Kühn: „Übergewichtige, adipöse Menschen haben durch eine Ernährungsumstellung wirklich die Möglichkeit bestimmte Risikofaktoren für Krebs, Entzündung, Insulin, rückgängig zu machen. Und damit das Krebsrisiko wieder zu senken.“ Die beste Prävention ist natürlich, wenn durch eine ausgewogene Ernährung und viel Bewegung das Bauchfett gar nicht erst entsteht.

aus der Sendung vom

Do, 24.5.2018 | 22:00 Uhr

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