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SENDETERMIN Do, 29.1.2015 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Krebsentstehung Warum bekommen wir Krebs?

Wie werden aus völlig gesunden Körperzellen fiese Krebszellen? Warum ist das Immunsystem machtlos, wo es doch sonst alles Gefährliche abwehrt?

Unser Körper ist ständig Gefahren ausgesetzt: Bakterien und Viren greifen ihn an, aber auch die ständige Sonneneinstrahlung und andere Umwelteinflüsse machen ihm zu schaffen. Dazu kommt das, was wir uns selbst antun: Tabak, Alkohol und andere schlechte Angewohnheiten. Zum Glück haben wir da einen ausgeklügelten Schutzmechanismus, der uns vor größeren Katastrophen bewahrt: unser Immunsystem. Eine innere Polizeitruppe, die alles bekämpft, was unserem Körper schaden könnte. Die Immunzellen laufen im Körper Streife, um schädliche Viren und Bakterien aufzustöbern und unschädlich zu machen.

Aber auch körpereigene Zellen können ins Visier geraten, denn auch sie können Probleme bereiten. Gealterte Zellen sind zum Beispiel anfällig für Fehler und Mutationen. Darum aktiviert die Immunpolizei ihre Selbstzerstörung, bevor sie Schaden anrichten können. Unsere Immunabwehr ist eine echte Eliteeinheit. Ein wachsames, gut organisiertes System, das alles ausschaltet, was dem Körper schaden könnte. Doch kein System ist unverwundbar…

Vom Kopierfehler zur Krebszelle

Wir werden älter. In unserem Körper häufen sich immer mehr alte und defekte Zellen an. Alle müssen erkannt und ausgeschaltet werden. Das Immunsystem kommt kaum noch damit hinterher. Mit dem Alter steigt darum auch das Risiko, dass irgendwo im Körper Krebszellen entstehen - unbemerkt von Immunzellen. Doch das passiert nicht von jetzt auf gleich. Krebszellen entwickeln sich aus gesunden Körperzellen. Bei jeder Zellteilung wird die Erbinformation kopiert und in die neue Zelle eingefügt. Dabei entstehen gelegentlich Kopierfehler, so genannte Mutationen. Die werden weitergereicht und verursachen in der neu entstandenen Zelle wiederum neue Mutationen. So häufen sich allerlei Fehler und Mutationen an - bis eine Krebszelle entsteht. Etwa zehn Mutationen muss eine Zelle durchlaufen, bis sie sich von einer gesunden, harmlosen Körperzelle zu einer Krebszelle entwickelt hat.

Superschurke gegen Eliteeinheit

Das Problem: die Krebszelle ist ein echter Superschurke. Durch die vielen Mutationen spielt sie nicht mehr nach denselben Regeln wie normale Zellen. Sie ist gegen Signale, die ihr Wachstum bremsen und sie davon abhalten sollen, sich ständig zu teilen, immun. Sie kann unkontrolliert wachsen, und koppelt sich von der Kommunikation zwischen gesunden und Immunzellen völlig ab. So wie sie Eigenschaften abgelegt hat, hat sie andere dazugewonnen. Zum Beispiel kann sie - wie sonst nur Blutzellen - durch den ganzen Körper wandern. Dadurch ist es für sie ein Leichtes, anderswo im Körper Metastasen zu bilden. Wie bleibt sie aber unbemerkt von der Immunpolizei? Weil die Krebszelle von einer gesunden Körperzelle abstammt, sieht sie ihr noch immer verdammt ähnlich. Eine bessere Tarnung gibt es nicht. Außerdem sendet sie Signale aus, die der Immunzelle vorgeben, alles sei in bester Ordnung. Auch die beste Eliteeinheit hat da schlechte Karten.

Krebszellen sind raffiniert und hinterhältig. Um sie erfolgreich bekämpfen zu können, braucht unser Körper ebenso raffinierte Waffen. Und unser Immunsystem ist dabei eine der wichtigsten. Denn ein intaktes Immunsystem ist das beste und natürlichste Kampfmittel gegen alles, was in unserem Körper Probleme macht. Gegen fiese Krebszellen müssen Hilfsmittel her, damit Immunzellen sie erkennen und ihren Job erledigen können. Eine große Herausforderung – aber auch eine große Hoffnung im Kampf gegen Krebs.