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SENDETERMIN Do, 19.4.2018 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Die Fleischesser Konsumgewohnheiten des Menschen

Wann begann der Mensch, Fleisch zu essen, wann und warum wurde es überlebenswichtig für ihn und wann kippte der Konsum hin zum reinen Genuss und zum Massenverbrauch?

Unsere frühen Vorfahren essen lange fast gar kein Fleisch. Sie besitzen schlichtweg nicht die Möglichkeiten, es sich aktiv zu beschaffen. Ihr Fleischkonsum beschränkt sich daher auf ein wenig zufällig gefundenes Aas.

Vor rund 2 Millionen Jahren geht es dann langsam los. Die Werkzeuge werden besser und eignen sich zur Jagd. Zudem ist es mit ihnen einfacher, die Beute zu zerlegen. Heute weiß man: Der ergänzte Speiseplan spielte eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des Menschen, denn das Mehr an Eiweiß kurbelte das Hirnwachstum und damit die Intelligenz unserer Vorfahren an.

Unterm Strich essen wir dennoch lange Zeit relativ wenig Fleisch. Noch in der Spätantike, also etwa 300-600 nach Christus, sind es pro Person gerademal 20-30 Kilogramm im Jahr. Nach und nach entdecken unsere Vorfahren jedoch ein ideales Masttier – das Schwein. Als Futter reichen ihm Essensreste und Eicheln im Wald. Das Schwein versorgt sich also quasi selbst und kann dann bei Zeiten einfach eingefangen und geschlachtet werden. Bis zum Frühmittelalter verfünffacht sich so der Fleischkonsum auf jährlich rund 100 Kilogramm pro Kopf.

Ende des ersten Jahrtausends wächst die Bevölkerung. Der Platz für Schweine wird knapp und damit auch ihr Fleisch. Die Menschen setzen vermehrt auf Ackerbau, so dass im Hochmittelalter nur noch rund 40 Kilogramm pro Person und Jahr an Fleisch gegessen werden – vor allem, von den Reichen. Fleisch wird zum Statussymbol.

Im 14. Jahrhundert entvölkern Pestwellen den Kontinent. Ein Drittel der Menschen stirbt! Der Raum für Viehzucht ist nun wieder größer und die Fleischberge wachsen: Rund 100 Kilogramm isst jeder Mensch im Jahr.

Der absolute Höhepunkt: Die Wende zur Neuzeit. Um 1500 isst man pro Kopf in Deutschland durchschnittlich etwa 110 Kilogramm Fleisch im Jahr. Doch die gute Versorgung führt auch zu einem Bevölkerungsboom: Innerhalb von nur 300 Jahren verdreifacht sie sich. Die Menschen konsumieren wieder weniger Fleisch - auch weil die kleine Eiszeit die Ernten selbst im Sommer erfrieren lässt.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gibt es jährlich dann nur noch 14 Kilogramm Fleisch für jeden. Es ist so rar, dass stets das ganze Tier verwendet wird: Was nicht sofort gegessen werden kann wird getrocknet oder geräuchert.

Es folgen die Industrialisierung und die Verwissenschaftlichung der Landwirtschaft. Fleisch kann nun aus Übersee importiert und Dank neuer Kühl- und Gefriertechniken auch gelagert werden. Nur unterbrochen durch die beiden Weltkriege, steigt der Fleischkonsum wieder an und liegt zur Zeit des Wirtschaftswunders bei rund 50 Kilogramm pro Kopf und Jahr.

Die Automatisierung kommt auch in den Ställen an, Massentierhaltung ist die Folge. Fleisch ist jetzt in rauen Mengen und zu immer günstigeren Preisen zu haben. In den 1970er Jahren sind Currywurst und Hamburger voll im Trend parallel entwickelt sich aber auch die Ökobewegung – Protestler, die alternativ leben und essen wollen. Einfluss auf den Fleischkonsum hat das nicht. Selbst Krankheiten wie BSE oder Maul- und Klauenseuche sowie zahlreiche Fleischskandale verderben den Deutschen kaum messbar den Appetit.

Zwar essen heute rund fünf Millionen Menschen bei uns weitgehend kein oder gar kein Fleisch und 1 Prozent der Bevölkerung lebt sogar vegan. Doch schon lange liegt der jährliche Fleischkonsum in Deutschland ziemlich konstant bei etwa 60 Kilogramm pro Kopf – obgleich wir Fleisch heute nicht mehr zum Überleben brauchen.

aus der Sendung vom

Do, 19.4.2018 | 22:00 Uhr

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Donnerstags um 22.00 Uhr im SWR Fernsehen.