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SENDETERMIN Do, 26.3.2015 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Schlafstörungen Kampf gegen schlaflose Nächte

Ein erholsamer Nachtschlaf ist wichtig für die Gesundheit. Viele Menschen leiden aber unter Ein- und Durchschlafstörungen. Ein Schlafseminar soll ihnen helfen.

Ein sichtlich müder und angspannter Mann reibt sich am Morgen seine Augen.

Bürokauffrau, Hausfrau, Mutter: Melanie B.s Alltag ist anstrengend - vor allem dann, wenn die 42-Jährige nachts wieder einmal kaum geschlafen hat. Am nächsten Tag, sagt sie, ist sie nicht sie selbst. Seit anderthalb Jahren schläft sie schlecht. Ihr Problem: Sie kann nicht einschlafen. "Für mich ist das Schlimmste, dass ich am nächsten Tag nicht so funktionieren kann, wie ich das eigentlich gewohnt bin", sagt sie. Mark R., 39 Jahre alt und selbstständiger Architekt, kann zwar einschlafen, wacht aber mitten in der Nacht auf - "als wenn jemand das Licht einschaltet" - und liegt manchmal stundenlang wach.

Schlafen an sich lässt sich nicht erlernen

Im Schlafseminar im Pfalzklinikum Klingenmünster hoffen Melanie B. und Mark R. auf Hilfe. In zwei Tagen sollen sie hier die Methoden lernen, mit denen sie ihre Schlaflosigkeit überwinden können. Die Teilnehmer kommen aus ganz Deutschland und berichten zum Teil von schlimmen Schicksalen - sogar den Arbeitsplatz hat jemand verloren, wegen Übermüdung. Die beiden erfahren aber auch: Schlaflosigkeit ist - den jeweiligen Lebensumständen geschuldet - bis zu einem gewissen Grad normal. Problematisch wird es erst dann, wenn sich die Schlaflosigkeit chronifiziert hat, wenn jemand aus Angst vor der Schlaflosigkeit nicht mehr schlafen kann. Diese Angst wieder loszuwerden ist schwierig. Denn - auch das erfahren die Seminarteilnehmer - das Schlafen an sich lässt sich nicht erlernen. "Aber was sie lernen können, ist die Voraussetzung für das Auftreten von gesundem Schlaf zu schaffen", sagt der Seminarleiter und Psychologe Dr. Hans-Günther Weeß.

Bedingungen für den gesunden Schlaf

Die wichtigste Voraussetzung für gesunden Schlaf: Entspannung, zum Beispiel mittels einer Fantasiereise. Diese soll helfen, die Angst vor der Schlaflosigkeit zu überwinden - Angst führt zur Anspannung und damit erst recht zur Schlaflosigkeit. Die Seminarteilnehmer sollen künftig ruhig und gelöst ins Schlafzimmer gehen, in dem nicht mehr groß nachgedacht, sondern nur geschlafen werden soll. Wer anfängt zu Grübeln: aufstehen und den Raum verlassen, so die Ansage. Und es gibt weitere Tipps, zum Beispiel: Nachts nicht auf die Uhr schauen, feste Zubettgeh- und Aufstehzeiten, abends nicht zu spät essen und nachmittags keinen Kaffee mehr trinken. Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, müsste der Schlaf wieder von ganz allein kommen - schließlich ist Schlafen ein unwillkürliches Verhalten, unterliegt also nicht unserem Wollen.

Schlafforschung: Das Warum ist oft noch ungeklärt

Ein Mann schläft und hat dabei mehrere Kabel an sich geheftet.

Im Gegenteil: Unbedingt schlafen wollen verhindert den Schlaf. Das bestätigt auch Prof. Dieter Riemann von der Uniklinik Freiburg. Der Schlafforscher untersucht in einer aktuellen Studie das Weckverhalten von Menschen mit Schlafstörung im Vergleich zu guten Schläfern. Es deutet sich an: Die Weckschwelle ist bei schlafgestörten Menschen deutlich niedriger. Ihr Gehirn reagiert im Schlaf auf schwache Reize noch äußerst sensibel. Das spricht für eine chronische Anspannung, eine Übererregung während des Schlafens. Aber was sind die Gründe dafür? Die Wissenschaft weiß inzwischen zwar einiges über den Schlaf, aber: "Wir sind oft noch auf einer Ebene der Beschreibung, das heißt, wir beschreiben, was da passiert, mit unseren Methoden, mit Hirnströmen, was auch immer, aber das Warum ist oft noch ungeklärt", so Riemann.

Gedanken einfach abschalten

Ob Melanie B. und Mark R. nach dem Schlafseminar tatsächlich besser schlafen, zeigt sich nach zwei Monaten. Der Architekt wirkt gelöster als vorher und bestätigt: "Ich kann jetzt deutlich besser schlafen." Es sei zwar noch so, dass er nachts ab und an aufwache, doch sei dies kein Drama mehr, bei dem sich das Wachliegen endlos in die Länge ziehe. Auch für Melanie B. hat sich die Situation verbessert - aber zufriedenstellend sei diese noch nicht. Die Angst vor dem Nicht-Einschlafen-Können mittels Fantasiereise zu überwinden, gelinge ihr nicht immer. "Irgendwie müsste es einen Knopf geben, wo man einfach diese Gedanken abschalten kann - aber das geht ja leider nicht", sagt sie.