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SENDETERMIN Do, 10.4.2014 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Frag SWR-Odysso Kälte - Warum empfindet sie jeder Mensch anders?

Warum frieren Menschen bei gleicher Temperatur unterschiedlich stark? Diese Frage stellt SWR-Moderatorin Nicole Köster. Und Axel Wagner geht mit ihr auf die Suche nach den Antworten. Eine äußerst eisige Angelegenheit.

Frag Odysso

SWR-Moderatorin Nicole Köster

Nicole Köster, Radio- und Fernsehmoderatorin des SWR, bezeichnet sich selbst als "Ultrafrostbeule" - sie fängt schnell an zu frieren, während andere entspannt im T-Shirt da sitzen, holt sie sich schon eine Fleece-Decke. Sie würde gerne wissen, woran das liegt. "Frag SWR-Odysso"-Reporter Axel Wagner lädt Nicole Köster deshalb zu einem kleinen Experiment ein: einem Besuch in einer Kältekammer bei minus 20 Grad Celsius.

Frieren in der Kältekammer

Prof. Dr. Thomas Korff, Physiologe der Universität Heidelberg, begleitet den Versuch. Die Kältekammer, in der man sonst Outdoor-Kleidung auf ihre Kältetauglichkeit testen kann, ist mit einer Wärmebildkamera ausgestattet. Prof. Korff bittet die beiden Moderatoren, sich im T-Shirt der Kälte auszusetzen. Schon nach wenigen Augenblicken erscheinen die Finger im Wärmebild deutlich abgekühlt - das Frieren beginnt.

Aber von welchen Faktoren hängt das persönliche Kälteempfinden denn ab? "Also einerseits ist das Kälteempfinden natürlich subjektiv", erklärt Prof. Korff, "da jeder Mensch mit einer unterschiedlichen Menge oder unterschiedlicher Dichte von Kälterezeptoren ausgestattet ist". Das subjektive Kälteempfinden hängt auch vom persönlichen Zustand ab, es ist abhängig von Faktoren wie zum Beispiel Müdigkeit, Trainingszustand oder der generellen körperlichen Konstitution.

Wird Kälteempfinden vererbt?

Der Vater von SWR-Moderatorin Nicole Köster ist ebenfalls sehr kälteempfindlich. "Da sie ja die Anzahl der Rezeptoren und wahrscheinlich auch deren Verteilung vererbt bekommen", ist Prof. Korff überzeugt, "kann es durchaus sein, dass sie auch einen Teil des Kälteempfindens vererbt bekommen".

Das Wärmebild aus der Kältekammer zeigt mittlerweile, dass Nicole Kösters Arm-Hautoberfläche im Vergleich zu Axel Wagner mehr Wärme abgibt - und sie damit mehr und schneller friert. Axel Wagners Arm wird durch ein dickeres Unterhautfettgewebe geschützt, zudem bietet die männliche Haut generell eine rund 15 Prozent dickere Hülle.

Nicole Köster verlässt die Kältekammer - ihr ist es zuviel - und den ebenfalls zunehmend frierenden "Frag SWR-Odysso"-Reporter. Denn ganz egal, wie unterschiedlich das Kälteempfinden ist: auf längere Sicht machen Hautdicke, Konstitution oder Erbfaktoren kaum noch einen Unterschied. Früher oder später reagiert jeder Mensch gleich auf tiefe Temperaturen - vor allem bei Wind.

Bild einer Wärmebildkamera

Wärmebild von Axel Wagners Händen

Prof. Korff will es wissen und verschärft die Bedingungen für Axel Wagner: er aktiviert eine Windmaschine. "Jetzt wird das natürlich eine extreme Kälteerfahrung", erläutert er, "die Wärmeschicht, die sich normalerweise noch über der Haut halten kann, wird ständig weggepustet - damit erleidet er einen extremen Wärmeverlust".


Zittern und Zentralisierung

"Und wie ist das mit den kalten Füssen?", will Nicole Köster wissen, "da friert man doch auch sehr leicht". "Also da wo Blut ist, ist auch Wärme", erklärt Prof. Korff, "wenn wir also kalte Füße haben, dann hat der Körper bereits das Blut aus den Extremitäten abgezogen". Diesen Vorgang nennt man Zentralisierung.

Der Körper von Axel Wagner reagiert mit starkem Zittern. Durch winzige Muskelbewegungen versucht sein Körper Wärme zu produzieren, um sich gegen das fortschreitende Auskühlen zu wehren. Seine Hauttemperatur ist mittlerweile stark gesunken, ebenso seine Körperkerntemperatur, er zeigt mehrere Anzeichen der Zentralisierung. Prof. Korff beendet an dieser Stelle den Versuch.

Bei einem heißen Tee bleibt die Feststellung: Jeder Mensch friert eben ein bisschen anders - und es gibt eine Menge Faktoren, die man nicht beeinflussen kann.

aus der Sendung vom

Do, 10.4.2014 | 22:00 Uhr

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Donnerstags um 22.00 Uhr im SWR Fernsehen.