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SENDETERMIN Do, 27.3.2014 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Vegetarier Ist es gesund auf Fleisch zu verzichten?

Vegetarier sind gesünder - das ist die Aussage zahlreicher Studien. Doch es gibt auch wissenschaftliche Untersuchungen, die das Gegenteil aufzeigen. Fakt ist: Ausgewogene Ernährung ohne Fleisch ist eine Herausforderung. Aber eine, die zu bewältigen ist.

Vegetarier leben gesundheitsbewusster

Was ist gesünder? Fleisch-Essen oder Fleisch-Verzicht? Tatsache ist: gesunde Ernährung spielt eine wichtige Rolle für die allgemeine Lebensqualität.

Vegetarier

Doch welche Krankheit warum entsteht oder nicht, hat immer auch mit Genetik und Lebensführung eines Menschen zu tun. Deshalb sind alle Ernährungs-Studien kritisch zu betrachten. Gerade auch Vergleichsstudien zwischen Vegetariern und Fleischessern, denn Vegetarier sind insgesamt gesundheitsbewusster. "Es ist meist so, dass die Vegetarier sich viel bewegen, schlank sind, nicht rauchen, und die Vergleichsgruppen tendenziell ein trägeres Leben führen, häufiger zu Zigarette und Alkohol greifen und meist dicker sind", sagt Ernährungswissenschaftlerin Christine Lambert von der Uni Hohenheim.

Langzeitstudie über 40 Jahre

So gibt es zahlreiche Untersuchungen, die Vegetariern eine bessere Gesundheit bescheinigen. Andere besagen das Gegenteil. Besonders überzeugend ist demgegenüber eine Langzeit-Studie einer speziellen Religions-Gemeinschaft in den USA und Kanada. Die 96.000 Mitglieder sind allesamt gesundheitsbewusst - ob sie nun Fleisch essen oder nicht. Zudem werden sie schon seit über 40 Jahren durchleuchtet. Hier schneiden die Vegetarier eindeutig besser ab, denn die Ergebnisse zeigen, dass die Gemüse-Fraktion siebeneinhalb Jahre länger lebt als Fleischesser. Die Vegetarier haben optimale Blutwerte und leiden wenn, dann erst später unter Krankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck oder Krebs.

Fleisch und Krebs

Zudem häufen sich negative Nachrichten zum Thema Fleisch. Gleich in mehreren Fällen wird tierische Kost in Verbindung mit Krebs gebracht. So entdeckten jüngst Wissenschaftler des Heidelberger Krebsforschungsinstituts gefährliche Viren im Rindfleisch, die im Verdacht stehen, Darmkrebs auszulösen. Auch der Stoff, der rotem Fleisch die appetitliche Farbe verleiht, das Myoglobin, gerät immer mehr in die Kritik. Die Weltkrebsforschungs-Stiftung warnt daher vor dem Genuss von zu viel rotem Fleisch. Auf der anderen Seite kann der Körper tierisches Eiweiß - also Fleisch - viel besser verwerten als die ballaststoffreiche Kost der Vegetarier.

Herausforderungen für Vegetarier

Außerdem ist es nicht wirklich leicht für Vegetarier, sich ausgewogen zu ernähren: Deshalb haben Vegetarier häufig Vitamin B12, Jod oder Eisenmangel, was sich langfristig auf die Gesundheit auswirken kann. Auch Expertin Lambert bestätigt: "Fleisch ist eine supergute Quelle für Eisen, hochwertiges Protein und Vitamin B12. Wenn wir Fleisch weglassen und auch keinen Fisch essen, dann müssen wir das irgendwo anders herbekommen." Hier können dann auch Supplemente weiterhelfen oder gerade beim Eisen die Erleichterung der Aufnahme durch Vitamin C: "Da ist es schon hilfreich, einen O-Saft zum Essen zu trinken", so Christine Lambert.

Der feierliche Braten

Fazit: Auf Fleisch zu verzichten ist gesund, und es ist machbar. Wer nicht dauernd über Nährstoffe nachdenken will, erleichtert sich das gesunde Essen, wenn auch mal tierische Kost dabei ist. Ernährungswissenschaftler empfehlen 200 bis 600 Gramm Fleisch pro Woche. Eine gute Idee ist es daher, sich auf den feierlichen Sonntagsbraten zu beschränken.