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SENDETERMIN Do, 3.5.2018 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Intermittierendes Fasten Der sanfte Abnehm-Trick

Kann man abnehmen, indem man einfach nur die täglichen Essenszeiten verschiebt. Odysso macht das Experiment.

Natürliche Gewichtsreduktion

„Die Geschichte der Diäten ist eine Geschichte des Scheiterns. Wir gucken auf dreißig Jahre Diäten zurück und Null Erfolg. Wir Menschen lieben Optionen, wir möchten Möglichkeiten, wir wollen jedoch nicht, dass man uns etwas wegnimmt“, sagt Prof. Andreas Michalsen, Chef der Abteilung für Naturheilkunde im Immanuel Krankenhaus in Wannsee. Michalsen beschäftigt sich seit Jahren mit den Auswirkungen unterschiedlicher Fastenintervalle. Damit ist nicht das herkömmliche Heilfasten mit Nahrungsentzug über viele Tage hinweg gemeint. Sondern das so genannte intermittierende Fasten.

Darunter verstehen Forscher ein tägliches oder wöchentliches Zeitintervall, während dessen der Körper keine Nahrung bekommt. Körperzellen verfügen über einen Selbstreinigungsmechanismus, die so genannte Autophagie. Die Zelle räumt sich quasi selber auf, wenn sie zwölf bis vierzehn Stunden in Ruhe gelassen und ihr keine neue Energie durch Nahrung zugeführt wird.

Erholung für die Organe

„Intermittierendes Fasten ist das Fasten zwischendurch, das man jeden Tag macht. Also quasi ein verlängertes Nachtfasten. Denn nachts fasten wir notgedrungen, wir schlafen sieben bis acht Stunden. Daraus entstand die Idee, wir lassen das Frühstück weg oder schieben es nach hinten, oder wir lassen das Abendessen zuvor weg oder schieben es nach vorne. Und dann generiert man vierzehn, sechzehn, eventuell sogar bis zu achtzehn Stunden Pause. Das ist die einfachste Form des intermittierenden Fastens“, erklärt Naturheilkundler Michalsen.

Seine Kollegen und er begründen die positive Wirkungsweise mit dem natürlichen Stoffwechsel des Körpers. Wenn wir essen, setzt danach der Verdauungsprozess ein, der rund vier Stunden andauert. Ab dann baut der Körper aus seinen Leberreserven eigenen Zucker, das Glykogen, ab. Diese Reserven halten bei Frauen rund zwölf Stunden vor, bei Männern vierzehn bis sechzehn Stunden. Danach beginnt der so genannte Fastenstoffwechsel. Beim intermittierenden Fasten geht es im ersten Schritt nicht darum, Nahrung einzusparen, sondern die Mahlzeiten zu verlegen. Bereits diese einfache Maßnahme soll auf Dauer zu einer Gewichtsreduktion, vor allem aber zu einer Verbesserung der Blutglukose- und insulinwerte führen. Der US-amerikanische Fastenpapst und Altersforscher Prof. Valter Longo geht sogar noch weiter. Wer regelmäßig und dauerhaft intermittierend faste, so Longo, könne Krankheiten wie Diabetes oder Herzkreislauferkrankungen vermeiden und seine Lebenserwartung deutlich verlängern.

Forscher haben dazu Mäuseversuche durchgeführt: Sie fütterten zwei Gruppen von Mäusen mit hochwertigem Futter. Bekamen die Mäuse rund um die Uhr Futter, nahmen sie schnell zu, wurden träge, häufiger krank und starben früh. Bekamen die Mäuse das gleiche Futter, aber nur während eines Zeitfensters von acht Stunden pro Tag, blieben sie schlank, gesund und lebten länger. Das Intervallfasten verhindert bei Mäusen das Auftreten von Diabetes.

Keine Diät, sondern eine Umstellung

Für den Beitrag über das intermittierende Fasten hat Odysso einen Versuch mit vier Probanden durchgeführt, zwei Frauen und zwei Männern. Unter der Anleitung von Prof. Michalsen fasteten alle vier Teilnehmer einen Monat lang, wobei sie keine Diät einhielten, wohl aber darauf achteten, nach 20 Uhr abends keinen Alkohol oder zuckerhaltige Getränke und keine Nahrung mehr zu sich zu nehmen. Die erste Mahlzeit des Folgetages nahmen sie erst mittags zu sich.

Nach Ablauf der vier Wochen hatten drei der Teilnehmer ein bis zwei Kilo abgenommen, bei einer Teilnehmerin blieb das Gewicht unverändert. Bei allen vier hatten sich jedoch individuelle Probleme wie Entzündungswerte der Leber oder Blutfettwerte verbessert.

Prof. Andreas Michalsen ist überzeugt: „Eigentlich ist es eine neue Option, die man hat. Es kommt nicht darauf an, was man isst, sondern wann man isst. Ich kann jonglieren, ich kann mit Essenspausen dem Körper etwas Neues geben, mit dem er arbeiten kann.“

In einer nächsten Stufe können die Probanden nun versuchen, auch die Qualität ihrer Nahrung zu verbessern, indem sie zuckerhaltige Produkte deutlich reduzieren oder ganz streichen sowie mehr Gemüse in ihren Speiseplan einbauen, also nährstoffreich und kohlenhydratarm essen.

Intermittierendes Fasten bedeutet übrigens nicht zwingend, ein bestimmtes Zeitfenster pro Tag für die Nahrungsaufnahme einzuhalten. Alternativ haben sich andere Zeitmodelle bewährt, wie 6:1 oder 5:2, also ein oder zwei Tage Fasten pro Woche.

Buch

Prof. Dr. Andreas Michalsen

Heilen mit der Kraft der Natur. Meine Erfahrung aus Praxis und Forschung – Was wirklich hilft

Verlag:
Verlag Insel
Genre:
Sachbuch
Länge:
304 Seiten
Bestellnummer:
ISBN 978-3-458-17698-5