Bitte warten...

SENDETERMIN Do, 22.11.2018 | 21:00 Uhr | SWR Fernsehen

Antikörper gegen Krebs Immuntherapien – Hype oder Durchbruch?

Die neuen Immuntherapien sind im Kampf gegen Krebs ein großer Gewinn. Sie können die Lebensqualität der Patienten optimieren und das Überleben entscheidend verlängern. Doch es gibt auch Kritik.

Tumoren dank Immuntherapie "enttarnen"

Krebstumoren sind besonders raffiniert. Sie schaffen es, sich vor den sogenannten B- und T-Zellen des Immunsystems zu tarnen. So kommt es, dass die Immunzellen das bösartige Geschwür nicht erkennen können.

Diese "Tarnkappe" kann mit der Immuntherapie aufgelöst werden. Dann können die Abwehrzellen den Tumor angreifen und zerstören.

Chemotherapie und Immuntherapie im Vergleich

Bei der Chemotherapie werden die Tumorzellen direkt angegriffen. Die unerwünschte Nebenwirkung: Auch gesunde Körperzellen werden durch den Angriff in Mitleidenschaft gezogen.

Bei der Immuntherapie wird das körpereigene Immunsystem dahingehend beeinflusst, dass es gegen die Tumor-Zellen vorgeht.

Die Immuntherapie ist jedoch umstritten, denn sie wirkt nur bei 30 Prozent der Patienten. Auch Nebenwirkungen sind ein Problem; mitunter sind sie so schwer, dass Patienten daran sterben. Zu folgenden Problemen kann es bei der Immuntherapie kommen:

  • Nebenwirkungen, die den Autoimmunkrankheiten ähneln
  • schwerwiegende Entzündungen im Bereich von Schilddrüse, Lunge und Herzmuskel
  • Nierenschäden
  • Darmentzündungen
Methoden im Kampf gegen Krebs

Zu den bisher drei klassischen Methoden bei der Behandlung von Krebserkrankungen ist eine vierte Säule hinzugekommen:

  • Operieren
  • Bestrahlen
  • Chemotherapie
  • Die Immuntherapie ist seit Kurzem die vierte Säule im Kampf gegen Krebs. Sie macht sich die körpereigenen Abwehrkräfte zunutze.
Medizinnobelpreis 2018 für Immuntherapie

Die klassischen Methoden der Krebsbehandlung sind Operieren, Bestrahlen und die Chemotherapie. Dass der Mensch auch mit seinen eigenen Abwehrkräften Krebszellen bekämpfen kann, schien lange undenkbar. Die beiden Nobelpreisträger James P. Allison und Tasuko Honjo haben gezeigt, dass es doch funktionieren kann. So ist seit Kurzem die Immuntherapie die vierte Säule im Kampf gegen Krebs.

Nobelpreis Medizin - Tasuku Honjo und James Allison

Nobelpreis Medizin 2018 - Tasuku Honjo und James Allison

Das Problem der T-Zell-Rezeptoren

T-Zellen, eine bestimmte Form weißer Blutkörperchen, sind die wichtigsten Aufpasser unseres Immunsystems. Sie können fremde und entartete Zellen erkennen und zerstören – auch Krebszellen. Die allerdings können sich tarnen und so den T-Zellen entgehen.

Das Immunsystem darf bei der Abwehr nicht überreagieren und eigene Zellen angreifen. Daher reagiert es nur gebremst.

Ungebremste Zerstörung der Krebszellen

Die Forscher und Träger des Medizinnobelpreises 2018 entwickelten Antikörper, die sich an die Antennen der T-Zellen heften. Damit schalten sie die natürlich vorhandenen "Brems-Proteine" aus. Das löst einen massiven Angriff auf die Krebszellen aus, sodass diese dann absterben.

Erfolgreiche Anwendung beim schwarzen Hautkrebs
Offene Fragen in der Forschung
  • Welche unerwünschten Nebenwirkungen hat die Immuntherapie langfristig?
  • Warum ist die Therapie nicht bei jedem wirksam?

Krebs-Immuntherapie wird einseitig erforscht

Regelmäßig werden in führenden Fachzeitschriften Studien zur Immuntherapie veröffentlicht. Diese Studien seien jedoch ausschließlich von pharmazeutischen Unternehmen gesponsert, kritisiert der Onkologe Prof. Wolf-Dieter Ludwig von der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft. Diese Unternehmen haben, so Wolf-Dieter Ludwig, ein Interesse daran, dass diese Studien gute Ergebnisse ausweisen. Er hält daher eine unabhängige Forschung für unbedingt notwendig.

Der Industrie winken Profite

Eine Immuntherapie-Behandlung kostet pro Jahr bis zu 200.000 Euro. Prof. Thomas Wölfel von der Uniklinik Mainz erkennt die Entwicklungskosten für Medikamente, die den Pharmafirmen entstehen, an. Aber er gibt auch zu bedenken, dass vieles in der Medizin erst durch die Grundlagenforschung entwickelt und möglich gemacht wird. Und diese akademische Forschung werde aus Steuergeldern finanziert. Davon profitierten die Unternehmen also nicht unerheblich.