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SENDETERMIN Do, 26.9.2013 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Einweghandschuhe Falsche Sicherheit an der Frischetheke

An Frischetheken wird Schutz nur vorgegaukelt. Handschuhe helfen der Hygiene nicht, sagen Experten. Nach fünf Minuten haften an ihnen mehr Keime als an der bloßen Hand. Von Vorteil sind die Handschuhe nur, wenn die Verkäufer einige Dinge beachten.

Saubere Hände sind eine Alternative

Durch das Tragen entstehe "eine gewisse Fahrlässigkeit", sagt Dr. Annette Kolk vom Institut für Arbeitsschutz: Man verliere das Gefühl, wann die Hände klebrig seien, und wann man sie waschen müsse.

Eine Verkäuferin sortiert Käse in einer Frischetheke

"Es reicht vollkommen aus, mit sauberen gewaschenen Händen zu arbeiten und man kann durch die Verwendung von Vorlegbestecken den Kontakt mit der Ware und den eigenen Hautflächen durchaus vermeiden - man muss einfach nicht alles mit der bloßen Hand berühren."

Was unter den Handschuhen passiert

Zudem belasteten die Handschuhe die Haut der Arbeitnehmer, sagt Arbeitsmediziner Dr. Peter Schiefen von der zuständigen Berufsgenossenschaft. "Die Haut ist permanent feucht in diesen Handschuhen. Durch diese Feuchtigkeit quillt die obere Hornschicht auf: Die barrierische Funktion wird gestört. Es entwickeln sich über längerfristige Zeiträume Hautkrankheiten. Das fängt mit Rötungen, Schuppungen und heftigem Juckreiz an. Es können im Extremfall auch schmerzhafte Hauteinrisse auftreten. Das ist dann ein Hautekzem, das auch als Berufskrankheit anerkannt ist."

Haut der Beschäftigten leidet

Hautkrankheiten machen mit 30 Prozent den Hauptanteil aller gemeldeten Berufskrankheiten aus. Wird eine solche Hauterkrankung nicht behandelt, geben Studien zufolge die Betroffenen acht bis 14 Monate nach Auftreten der Symptome den Beruf auf.

Zwei Labormitarbeiter nehmen Wurstabdrücke auf Hände mit und ohne Handschuhe

Hygienischer mit oder ohne Handschuh?

Eine Umschulung kann die Sozialversicherung 100.000 Euro pro Fall kosten. Bei Berufsdermatosen wird eine hohe Dunkelziffer vermutet. Bis zu 900.000 Fälle werden angenommen, gemeldet wurden der gesetzlichen Unfallversicherung 2010 knapp 24.000 Fälle. Macht ein von einer Hauterkrankung Betroffener eine entsprechende Kur, wird er im Jahr danach erheblich seltener arbeitsunfähig geschrieben als im Jahr davor. Die meisten beruflich bedingten Hautkrankheiten betreffen die Hände. Diese machen ein Prozent der Körperoberfläche aus.

Ohne ist besser

Öfter mal die Hände waschen und Gabeln oder Folien statt der bloßen Finger benutzen - bei der Rewe-Gruppe gibt es hinter dem Tresen neue Hygieneprinzipien. Doch man müsse die Kunden auch aufklären, sagt Rewe-Verkaufsleiter Oliver Man. "Viele Kunden verbinden mit dem Handschuh in der Tat erst einmal ein höheres Hygieneempfinden. Das lässt sich nicht von heute auf morgen ändern. Man muss schon einen große Aufklärungsarbeit an der Theke leisten." Übrigens: Handschuhe sind nicht vom Gesetzgeber vorgeschrieben. Dieser fordert lediglich ein hohes Maß an Sauberkeit. Beim nächsten Besuch an der Frischetheke sollten Sie einfach mal genauer hinschauen.

aus der Sendung vom

Do, 26.9.2013 | 22:00 Uhr

SWR Fernsehen

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Sendezeit

Donnerstags um 22.00 Uhr im SWR Fernsehen.