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SENDETERMIN Do, 24.5.2012 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Horror im Schlachthof

Besseres Leben für Nutztiere

Tierarzt Klaus Tröger am Max Rubner-Institut in Kulmbach kennt fast jeden Schlachthof in Deutschland und viele anderswo in Europa und der Welt. Er leitet das bundeseigene Institut für Sicherheit und Qualität bei Fleisch. Sein großes Thema ist der Tierschutz beim Schlachten.

Keine Zeit zum Sterben

Prof. Klaus Tröger überprüft mit Messgerät abhängende Schweinhälften in einem Schlachthaus

Kennt die Defizite beim industriellen Schlachten: Prof. Klaus Tröger.

Für Prof. Klaus Tröger vom Max Rubner-Institut liegt das Problem bei der Schlachtung: „Wenn man den Tierschutz bei der ganzen Fleischproduktionskette gewichten wollte, angefangen von der Landwirtschaft über den Transport bis hin zur Schlachtung, existieren im letzten Punkt die größten Defizite.“ Ein Vorzeige-Schlachthof ist das Fleischversorgungszentrum Mannheim: Die Tiere werden mit Kohlendioxid betäubt und zeigen weder Augenreflexe noch Schmerzempfinden. Trotz Fließband hat der Stecher genug Zeit, das Tier zu entbluten und sterben zu lassen. Aber hier werden nur 180 Schweine pro Stunde geschlachtet. In einem hochindustrialisierten Schlachtbetrieb ist das anders.

Zwei Sekunden pro Schwein

Prof. Tröger findet die Schlachtung größtenteils nicht akzeptabel: „Wir haben heute Schlachtzahlen von über 1500 Schweinen pro Stunde auf einer Linie. Der Stecher, der am Band steht, um ein Schwein tiergerecht abzustechen hat meist weniger als zwei Sekunden Zeit. Wenn große Gefäße verfehlt werden, was bei dem Schlachttempo durchaus der Fall sein kann, oder gar ein Tier übersehen wird, dann sind diese Tiere sehr schnell am Schlachtband wieder wach. Mittlerweile haben die größten unter den Schlachthöfen zwar Kontrollsysteme eingeführt, um diese Tiere vor dem Verbrühen in dem anschließenden Brühsystem zu retten. Doch Prof. Klaus Tröger schätzt, dass rein rechnerisch jährlich trotzdem bis zu 250.000 Schlachtschweine erst beim Überbrühen sterben.

Fehlschüsse bei Rindern

Mann  im weißen Kittel beugt sich über eine betäubte Kuh in einer großen Stahlrinne.

Richtig betäubt? Die Augenreflexe werden an einem Rind überprüft.

Bei Rindern ist die Sache nicht besser: Diese werden seit Jahrzehnten per Bolzenschuss betäubt. Genau das gelingt aber häufig nicht, ist ein Rinderhirn doch gerade mal apfelsinengroß. Fehlschüsse gibt es daher bei bis zu sieben Prozent der Tiere, so schätzt der Mitarbeiter am Max Rubner-Institut. Rein rechnerisch sind das über 200.000 Tiere im Jahr, bei denen sich Horrorszenen abspielen, wie sie Prof. Tröger beschreibt: „Trotz allem werden solche Tiere dann zum Teil weitergefördert, es werden Gliedmaßen abgesetzt. Das Tier wird als Kreatur in diesen Betrieben nicht mehr wahrgenommen.“

Ohne öffentlichen Druck keine Änderung

Für Prof. Tröger vom Max Rubner-Institut ist bei den Mitarbeitern eine gewisse Abstumpfung eingetreten und seitens der Öffentlichkeit wird kein Druck ausgeübt, weil die breite Öffentlichkeit, der Verbraucher, diese Zustände nicht kennt. Technisch möglich wäre eine Fixierung des Kopfes, die Fehlschüsse nahezu ausschließt. Möglich wäre auch eine automatische Kontrolle vor dem Verbrühen, ob die Tiere tot sind. Aber vorgeschrieben sind solche Maßnahmen nicht. Daran kann nur mehr Bewusstsein bei den Verbrauchen etwas ändern.